Donnerstag, 17. Mai 2012

Rezension zu Marie Matisek - Nackt unter Krabben


Titel: Nackt unter Krabben: Ein Küsten-Roman
Autorin: Marie Matisek
Erscheinungsdatum: 16.04.2012
Buchausgabe: Klappenbroschur
Verlag: Listverlag
ISBN: 9783471350744
Preis: 14,99 Euro

Das Buch „Nackt unter Krabben“ mit dem Untertitel „Ein Küsten-Roman“ der Autorin Marie Matisek ist als Klappenbroschur mit 267 Seiten im Listverlag erschienen. Den Preis finde ich für die wenigen Seiten recht hoch angesetzt. Auf dem Cover kann man nicht nur den Autorennamen und den Buchtitel in glänzenden Buchstaben erfühlen, sondern auch das erhabene Herz, in dem eine Strandbesucherin lesend sitzt. Klappt man die Broschur auf, findet sich eben jenes Herz auch dort mittig in der Strandlandschaft. Ich mag das Cover, das gut zur Buchgeschichte passt. Allerdings hätte ich als Gestalter noch einen Strandkorb irgendwo positioniert. Der Titel ist fantasiereich und bezieht sich nicht direkt auf die Geschichte, sondern weckt bei mir als Leser die Erwartung auf einen sommerleichten (Urlaubs-) Lesespass. Meine Erwartungen wurden bis etwa zur Mitte des Buches nicht enttäuscht bis dunkle Wolken, nicht nur wörtlich zu nehmen, aufzogen, doch dazu gleich mehr.

Zu Beginn der Geschichte lernt der Leser Sten Thomsen kennen, einen Strandkorbverleiher auf Heisterhoog. Er liegt im Krankenhaus weil er einen Herzinfarkt hatte. Während des Besuchs seines größten Widersachers Hubert von Boistern verstirbt er. So jedoch erfährt der Leser bereits hier, dass auf Heisterhoog nicht alles heile Welt ist, sondern ein Konflikt schwelt. Sten hat seinen Besitz entgegen den Erwartungen von Hubert von Boistern seinem Neffen Falk vererbt. Falk ist 27 Jahre und studiert seit sieben Jahren in Hamburg, zunächst Germanistik, nach zwei Studienjahren dann Soziologie (und nicht Philosophie wie im Klappentext steht). Da sein betuchter Vater seine Mutter wegen einer anderen Frau verlassen hat als er noch ein Kind war, ist das Verhältnis zu ihm entsprechend getrübt und er weigert sich finanzielle Hilfe von ihm anzunehmen. Daher kommt ihm nun das Erbe zwecks als Einnahmenquelle sehr recht. Nach einem heftigen Streit mit seiner Freundin, die unbedingt im indischen Ozean auf einer Insel urlauben möchte, entschließt er sich das Erbe anzunehmen. Fast jedes Jahr hat Falk zusammen mit seiner Mutter bei Sten, einem älteren Bruder seines Vaters, Urlaub gemacht. Jedoch ist er völlig planlos als er auf der Insel ankommt und freut sich über die Hilfe des debilen Nille, der seinem Onkel stets zur Hand gegangen ist. Er hätte nicht damit gerechnet, dass so viel Arbeit auf ihn wartet: die Strandkörbe müssen nicht nur vermietet, sondern auch in den unterschiedlichen Strandzonen entsprechend der Wünsche der Mieter positioniert werden. In diesem Chaos verliebt sich Falk in eine, nach seiner Meinung, wunderschöne Frau und kommt dieser auch näher, mehr möchte ich nicht verraten. Er lernt die Inselbewohner kennen und bemerkt, dass diese sich bei einem Thema nicht einig sind. Zunächst lässt er sich jedoch nicht in den Konflikt hineinziehen. Seine Mutter kommt zu Besuch und die beiden verleben auf der Insel ein unbeschwertes Wochenende. Allerdings bekommt er dann Probleme und diese nicht zu knapp …

Marie Matisek ist eine gute Beobachterin. Ich konnte in der liebevollen Beschreibung der eigentümlichen Urlauber und Inselbewohner so manche Szene wiedererkennen, die ich selbst schon erlebt habe. Auch die Inselbeschreibung ist stimmig, so dass vor meinem Auge teilweise ein richtiger Film ablief. Das Buch lebt von witzigen Situationen, die hauptsächlich durch die Naivität des Protagonisten entstehen, was ich aber typisch für dieses Genre finde. Bis etwa zur Mitte des Buches habe ich mich köstlich amüsiert und hätte mir für die Lesezeit Urlaub und einen Strandkorb auf einer Nordseeinsel gewünscht. Dann jedoch kippte meine Stimmung aufgrund der Geschehnisse, denn nicht nur wettermäßig zog ein Sturm auf und es regnete. Die Autorin beschreibt Falks Lebenssituation als unausweichlich für die Lösung, die er findet und für den Hergang der Geschichte. Hier kann ich jedoch nicht nachvollziehen, warum er in all den Jahren nicht die finanzielle Hilfe seines Vaters in Anspruch genommen haben sollte. Den Umstand finde ich sehr konstruiert. Auch Falk agiert meiner Meinung nach etwas zu leichtlebig, denn mit 27 Jahren gebe ich ihm eine gewisse Lebenserfahrung die ihn dazu gebracht haben sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen.
Insgesamt vergebe ich drei Sterne „gut“. Ich halte „Nackt unter Krabben“ für einen netten, unterhaltsamen Roman, der sich ohne Probleme mit seinem leichten Schreistil schnell (auch aufgrund der Seitenzahl) „weglesen“ lässt.

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