Freitag, 1. Juni 2012

Rezension zu Marie Matisek: Nackt unter Krabben



Anstatt mit seiner Freundin nach Goa zu fliegen, beschließt Falk, der im 13. Semester Soziologie studiert und leider überhaupt kein Geld für Urlaub hat, das Erbe seines Onkels anzutreten und dessen Strandkorbvermietung auf der Nordseeinsel Heisterhoog weiterzuführen. Einen Tag vor Beginn der Hauptsaison trifft er dort ein und muss mit Hilfe von Nille, einem Freund seines Onkels, und Thies, seinem Nachbarn, das Geschäft schnellstmöglich zum Laufen bringen. Während er langsam mit den Tücken des Strandkorbvermietens vertraut wird, muss er sich jedoch überlegen, wie es weitergehen soll. Er erhält ein verlockendes Angebot, das jedoch so gar nicht den Interessen seiner neu gewonnenen Freunde entspricht…

Beim ersten Betrachten weckt das Buch sofort Sommergefühle: Man sieht ein älteres Ehepaar am Strand – die Frau liest im Zeitung, der Mann steht mit Eimer und Schippe daneben. Er hat um seine Frau herum ein Herz aus Sand gebaut, das sie vor den anbrandenden Wellen schützt. Auch der Buchrücken und die Rückseite des Buches sind im Sand-und-Meer-Look gehalten. Aufgrund dieses ansprechenden Designs hätte ich das Buch im Laden sicherlich in die Hand genommen. Und beim „fühlen“ offenbart sich dann noch eine ganz besondere Idee: Nicht nur Titel und Autor sind ausgestanzt und glänzen im Licht, sondern auch das Herz aus Sand kann erfühlt und nachgezogen werden.

Das Buch wird seinem Image als leichte Standlektüre auf jeden Fall gerecht. Die insgesamt 267 Seiten in verhältnismäßig großer Schrift sind schnell gelesen. Falks Erlebnisse beim Versuch, seine Strandkörbe zu vermieten, sind amüsant beschrieben:

„Sie ticken wohl nicht richtig!“ gab die Rentnerin erbost zurück. „Wir wollen einen neuen Korb, nicht einen schon benutzten. Von einer … Nacktbaderin.“ [S. 39]

Leider löst er dieses und andere Probleme für meinen Geschmack sehr rasch und das Buch wendet sich den Machtspielen der Inselbewohner zu. Hier gerät er schnell zwischen die Fronten, was zwar sehr umfangreich beschrieben wird, aber weder besonders amüsant noch besonders spannend ist. Zumindest mir war von Anfang an recht klar, worauf alles hinausläuft, da die Inselbewohner keine besonders tiefgründigen Charaktere sind und ihre Reaktionen daher vom Leser leicht eingeschätzt werden können.

Positiv hervorzuheben ist die ins Buch integrierte Liebesgeschichte, welche sich durch das ganze Buch zieht und sich dabei langsam entwickelt und mit dem Geschehen auf der Insel verknüpft wird. Ein Rätsel bleibt mir allerdings die Rolle der Ex-Freundin Bille, die im ganzen Buch immer wieder erwähnt wird, aber das Geschehen quasi nicht beeinflusst. Ich bin leider überhaupt kein Freund von „Ich hab zwar noch nicht Schluss gemacht, aber das ist für mich trotzdem abgehakt“-Typen, weshalb Falk durch diese Einstellung einige Minuspunkte bei mir gesammelt hat:

Falk atmete auf. Er hatte es geschafft, Bille von dem gefährlichen Terrain herunterzuholen. Aber er nahm sich vor, dass er bei nächster Gelegenheit das direkte Gespräch mit ihr suchen und Schluss machen würde. [S. 189]

Zum Schluss hätte ich mir noch eine Art Epilog gewünscht, der in Form eines Blicks auf die nächste Saison die ganze Sache rund gemacht hätte. So bleiben leider einige Fragen offen. Auch die Bedeutung des Titels hat sich mir bis zum Schluss nicht offenbart – vielleicht hätte man zu Beginn des Buches ein paar Krabben an den Nacktbadestrand schicken können? :-)

Als leichte Unterhaltungslektüre kann ich das Buch nicht nur für den Strand weiterempfehlen. Der stolze Preis von 14,99 € ist für diesen kurzen Lesegenuss ziemlich hoch, wird durch das aufwändige Cover und den amüsanten Inhalt allerdings teilweise wettgemacht. Insgesamt vergebe ich daher 3 / 5 Sternen für das Buch.


Weitere Informationen zum Buch


Broschiert: 272 Seiten
Verlag: List Hardcover

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