Samstag, 25. August 2012

Rezension zu Bettina Szrama - Die Hure und der Meisterdieb

Dieses Buch habe ich von der Autorin Bettina Szrama als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen. Danke schön für das signierte Exemplar! Es hat mir viel Spaß gemacht, das Buch lesen und rezensieren zu dürfen :-)

Titel: Die Hure und der Meisterdieb
Autorin: Bettina Szrama
Erscheinungsdatum: 08.08.2011
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839212141
Preis: 12,90 Euro


Der historische Roman „Die Hure und der Meisterdieb“ von Bettina Szrama ist im Gmeiner-Verlag erschienen und umfasst 371 Seiten mit 11 Kapiteln, einem Nachwort der Autorin, Lektüreempfehlungen und einer Liste der wichtigsten handelnden Personen und deren Funktionen. Das Cover zeigt eine Frau mit freudigem Lachen angesichts des zu erwartenden Geldes, das der „Heiratsvermittler“ für sie im Beutel bereit hält, der leider vom Titelaufdruck überdeckt wird. Durchaus treffend wird hier die Verführbarkeit einer Frau in der frühen Neuzeit durch Gold und Edelsteine gezeigt. Diese Frau steht als Synonym für die Titelheldin des Romans Anna, die ursprünglich sich als Hure verdingende bildhübsche Gattin des begüterten Hamburger Weinhändlers von Sien.
Der Roman beginnt im Jahr 1695. Anna ist ihrem Ehemann weggelaufen und hat sich einer Truppe wandernden Komödianten angeschlossen. Doch ihr Mann findet sie in Leipzig und fordert von ihrem neuen Liebhaber Satisfaktion. Sie entzieht sich den beiden durch ihre Flucht. Etwa zur gleichen Zeit blickt Nickel List in sicherer Entfernung  auf seine brennende Schankwirtschaft, die er selbst angezündet hat um sich an seiner 2. Frau zu rächen, die mit ihrem Geliebten im Ehebett ruht. Nickel macht sich auf den Weg zu seiner vorherigen Wirkungsstätte Beutha, wo er ebenfalls eine Gaststube betrieben hat. Auf diesem Weg begegnet er Anna, die sich jedoch maskiert zunächst als junger Mann Hannes ausgibt und als Knecht in seinen Dienst tritt. In Beutha erwartet die beiden in der Schänke ein alter Bekannter von List, der sich, als Rosshändler getarnt, den Weg in die Wohnung  begüterter Bürger sucht um diese zu bestehlen. Dem Bekannten gelingt es, Nickel dazu zu überreden, sein Partner zu werden. Damit beginnt die zweifelhafte Karriere des Nickel List als Meisterdieb. Er setzt sein Können in der Schlüsselherstellung dazu ein, Nachschlüssel aufgrund von Wachsabdrücken zu fertigen. Damit macht er sich zum Anführer einer Bande von Dieben und wird aufgrund seines steigenden Bekanntheitsgrads von weiteren dubiosen Gaunern in anderen deutschen Kleinstaaten kontaktiert um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Anna scheint er in Liebe ergeben und er ist bereit sich an jedem, ihm angebotenen Beutezug zu beteiligen, um sein eigenes und ihr kostspieliges Leben zu finanzieren. Als Deckung gibt er sich mit fortschreitender Zeit als feiner Herr von der Mosel aus. Stets hat er mit Verrat, Neid und Missgunst zu rechnen bis er schließlich nicht mehr weiß, wem er noch vertrauen kann. Er sehnt sich nach einem ruhigen, ehrlichen Leben in dem er seinen Studien nachgehen kann, aber selbstverständlich ohne Mangel zu leiden. Daher sieht er den Raubzug um die Goldene Tafel der Michaeliskirche in Lüneburg als Höhepunkt und Ende seiner Diebeslaufbahn. Doch ihm und seinen Helfern und Helfershelfern sind die Gesetzesvertreter längst auf den Fersen.
Die von Bettina Szrama erzählte Geschichte beruht zum größten Teil auf historischen Begebenheiten wie auch der Text auf der Buchrückseite den Leser informiert. Ohne aufgesetzte historische Sprache liest sich der Roman sehr flüssig. Die Örtlichkeiten wurden von der Autorin mit den heutigen Bezeichnungen versehen, so dass der Leser die verschiedensten Reisen der Personen leicht nachvollziehen kann. Stets weiß sie, manchmal in kleinen Nebensätzen, darüber zu informieren, wo man sich gerade befindet. Bei den ständigen Bewegungen unterschiedlichen, umherziehenden Räuberbanden ist dies unerlässlich. Ein wichtiges Augenmerk setzt die Autorin auf die Beschreibung ihrer Charaktere, in dem sie deren Beweggründe für einen  liederlichen Lebenswandel detailliert darstellt. Sie versucht zu erklären, warum Nickel in Anna verliebt war.
Die Schere zwischen Arm und Reich stellt die Erlaubnis für die Räuber dar, sich vom Reichtum zur Beseitigung ihrer Bedürftigkeit zu bedienen. Für Nickel List, von dem sich übrigens ein kleines Foto auf dem Vorsatzblatt befindet, ist die zunehmende Größe seiner Bande ein Versorgungsproblem. Oftmals bleibt ihm kaum ein Gewinn an einem Raubzug wenn die Hehler ihm nur einen Bruchteil des Werts der Ware bieten. Ein großer Teil der Beute wird für die Reisen, die Aufenthalte in Schänken und ständigen Saufgelage verbraucht. Der Leser weiß nicht recht, ob er Anna sympathisch finden soll, weil sie berechnend ihre Gunst demjenigen schenkt, der ihr an Gold und Geschmeide am meisten zu bieten hat. Nickel dagegen ist der Intellektuelle, der aufgrund seiner geringen Herkunft kein Studium aufnehmen konnte, als Soldat nicht seine Berufung gefunden hat und von seiner zweiten Frau betrogen wurde. Er ist dein Gentleman-Dieb, stets bemüht auf seinen Raubzügen weder zu morden noch zu verletzen und immer besorgt um seine Vertrauten. Leider hat er in einem Handgemenge zwei Menschen erschossen. Er selbst würde gerne  seinen Gewinn im Stillen mehren, aber dazu ist nicht genug für ihn übrig. Bettina Szrama weiß den Leser auf seine Seite zu ziehen. Durch die historische Authentizität ist das Ende jedoch unabänderlich.
Entlang der Historie entfaltet sich ein Roman, der trotz einer frühen Verfolgung durch die Gesetzeshüter nicht mit erstaunlichen Wendungen im Geschehen geizt, wodurch die Diebe sich der Strafbarkeit lange entziehen können. „Die Hure und der Meisterdieb“ ist ein sehr gut recherchierter Roman, der aufgrund der geschichtlichen Grundlage eine kleine Länge im Mittelteil aufweist, aber dennoch sehr unterhaltend ist. Ich kann das Buch allen Fans des Genres empfehlen, vor allem solchen die Freude am verbürgten Leben historischer Personen haben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen