Freitag, 31. August 2012

Rezension zu Norbert Klugmann - Weiberkranckheiten

Ein Dankesschön für dieses Rezensionsexemplar an den Sutton Verlag!

Titel: Weiberkranckheiten
Autor: Norbert Klugmann
Erscheinungsdatum: 01.08.2012
Buchausgabe: Taschenbuch
Verlag: Sutton Verlag
ISBN: 9783954000913
Preis: 12,00 Euro


Der historische Roman „Doctor Boff - Weiberkranckheiten“ von Norbert Klugmann ist im Sutton Verlag als Taschenbuch erschienen und umfasst 282 Seiten mit 52 Kapiteln. Die Erzählung spielt im Jahr 1732 in Halle an der Saale. Dementsprechend zeigt das Cover eine Darstellung der Untersuchung einer Frau zu eben jener Zeit. Im Hintergrund befindet sich die stilisierte Kulisse des Marktplatzes von Halle mit Kirche und Rotem Turm.
Der Stadtphysicus Tänzer betreibt eine gutgehende Praxis am Marktplatz in Halle. Er ist Spezialist für Frauenkrankheiten. Eines Tages wird er angegriffen von einem Mann, der ihm die Fehlbehandlung seiner Frau vorwirft. Tänzer fällt aufgrund der Verletzungen ins Koma. Die Stadt sucht nun dringend nach Ersatz für den Physicus. Ihre Wahl fällt auf den weitgereisten und zurzeit in Halle anwesenden Doctor Boff. Er soll vorübergehend die Praxis und die Aufgaben des Stadtphysicus übernehmen. Nach einigen Einwendungen willigt er ein. Dabei beschäftigt er die langjährige Praxishilfe seines Vorgängers Stine weiter, die für den guten Organisationsablauf der Praxis zuständig ist. Zusätzlich engagiert er die ihm bekannte Hebamme Hermine, die ihm während der Untersuchungen als seine rechte Hand dient, da zu dieser Zeit natürlich kein Mann eine Frau abtasten durfte schon gar nicht unter der Kleidung. Einige Frauen schicken auch ihre Männer, die dann Berichten und aufgrund deren Schilderung dann die Behandlung festgesetzt wird. Doctor Boff findet aufgrund seiner Behandlungsmethoden schnell das Vertrauen der Frauen auch höheren Standes, die nach ihm schicken lassen. Als Stadtphysicus gehört es zu seinen Aufgaben sich auch um die in der Stadt weilenden Zahnreißer und Heiler zu kümmern. Er akzeptiert diese und ihre Behandlungsmethoden und gerät dadurch in Gegensatz zur allgemeinen Meinung der Doktoren und Stadtmitarbeiter. So beginnt ein Intrigenspiel gegen ihn. Turbulent wird es, als Tänzer aus der Bewusstlosigkeit erwacht.
Der Roman ist in einem ganz eigenen Stil geschrieben mit stellenweise feinem, hintergründigem Witz. Die Geschichte liest sich flüssig. Etwas verwirrt hat mich, dass es einige Handlungssprünge gibt, bei denen zunächst eine Veränderung beschrieben wird und erst später der Handlungshergang.  Der Autor beschreibt treffend wie Boff sich den Erwartungen der Stadt entzieht und seine ganz eigene Art einzubringen vermag. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, jedoch sieht sich Boff mit seiner Einstellung nicht nur den Mitarbeitern der Stadt sondern letztlich auch der gesamten Ärzteschaft von Halle gegenüber. Norbert Klugmann schafft mit Doctor Boff einen starken Charakter, dessen Vergangenheit zwar nicht vollständig zur Neugier des Lesers aufgedeckt wird, der jedoch Sympathien aufgrund seiner Haltung für sich zu gewinnen weiß.  Auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft Anfang des 18. Jahrhunderts in der ihr der Zugang zur Universität und so auch beispielsweise einer Tätigkeit als Ärztin verschlossen bleibt bringt der Autor anhand der Schilderung starker Frauencharaktere in die Geschehnisse mit ein. Da ist z.B. die Frau des Rektors, die aufgrund dieser Eigenschaft Vorlesungen besucht oder Hermine, die wie alle Hebammen dieser Zeit unabhängig praktizieren darf. Mir hat der Roman gut gefallen und ich empfehle ihn allen Lesern des Genres uneingeschränkt weiter.

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