Freitag, 24. August 2012

Rezension zu Rainer Maria Wacke - Des Teufels Drucker

Druckkunst und Hexenjagd im Mittelalter


Inhalt


Ewald wird als Junge ins Kloster Eberbach im Rheingau aufgenommen. Dort lernt er die Kunst des Schreibens und Verzierens von Büchern. Als er jedoch eine Freundin aus Kindertagen wiedertrifft und ein Verhältnis mit ihr beginnt, wird er entdeckt und muss das Kloster verlassen. Ewald begibt sich nach Mainz. Dort lernt er die Kunst des Druckens und kann mit seinem Talent überzeugen. Eines Tages erhält die Druckerei vom Inquisitor Henricus die Aufgabe, sein Buch zur Hexenbekämpfung zu Drucken, das „Mallus Maleficarum“, den Hexenhammer. Engagiert macht sich Ewald an die Arbeit und begibt sich auf Reisen, um das Buch zu vertreiben. Doch dann muss er feststellen, dass von diesem Buch große Gefahr ausgeht…


Meinung



Das Cover passt sehr gut zum Buch. Das alte Buch deutet das Thema Druckkunst im Mittelalter an, das in diesen Roman ausführlich behandelt wird. Auch der Titel passt gut, denn oft stellte sich die Frage, wer der Charaktere mit dem „Teufel im Bund“ war und wer ehrenhafte Absichten verfolgte.

Der Schreibstil des Romans ist flüssig. Schnell konnte ich mich in das Thema Schreib- und Druckkunst im Mittelalter sowie die Vorgänge der Hexenverfolgung hineindenken. Die Angst der Bevölkerung vor Hexen in Zeiten von Überfällen, Pest und Hungersnöten konnte ich gut nachvollziehen und damit auch, wie es zu der aus heutiger Sicht völlig unverständlichen Hetzjagd vor allem auf kräuterkundige Frauen kam. Durch die anschaulichen Beschreibungen konnte das Mittelalter beim Lesen lebendig werden.

Die Charaktere des Buches sind facettenreich und infolge dessen war ihre Entwicklung interessant zu verfolgen. Da die Handlung des Buches mehrere Jahre abdeckt, begleitet der Leser Ewald von Kindesbeinen an bis ins Erwachsenenalter. Sein innerer Kampf zwischen dem Wunsch nach Gottgefälligkeit und dem Ausleben seiner Wünsche begleitet ihn über die Jahre hinweg und stellt ihn immer wieder vor das Fällen von Entscheidungen, die seinen Lebensweg maßgeblich beeinflussen. Immer wieder war es spannend zu verfolgen, für welchen Weg sich Ewald entscheidet.
Auch die Geschichte des Inquisitors Henricus, der im Gegensatz zu Ewald eine historische Persönlichkeit ist, wird ausführlich beschrieben. Aufgrund seiner Unzufriedenheit über die bisherigen Verläufe der Hexenprozesse fasst er den Entschluss, ein Buch zu schreiben, dass die Verurteilung von Hexen erleichtern soll. Mit dem Auftrag, das Buch zu drucken, beeinflusst er nicht nur Ewalds Schicksal, sondern auch das zahlreicher Frauen in Deutschland.

Die Kriminalhandlung kam mir im Roman leider etwas zu kurz. Die Kindheit Ewalds und sein Weg in die Druckerei wird in der ersten Hälfte des Buches interessant und temporeich, aber auch ausführlich beschrieben, während der Druck des Hexenhammers und seine Folgen in der zweiten Hälfte etwas schneller abgehandelt werden. Aufgrund des Titels und Klappentextes hätte ich dieses Thema schon früher erwartet. Auch die Beschreibung der Liebesgeschichte hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

Fazit



„Des Teufels Drucker“ ist ein spannender, temporeicher Roman, der dem Leser neben einer interessanten Handlung auch viele Einblicke in die Kunst und Technik des Schreibens und Druckens sowie die Hexenverfolgung liefert. Lesern von historischen Romanen gebe ich daher eine klare Leseempfehlung!


Weitere Informationen zum Buch

Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Emons
ISBN-10: 3897059444
ISBN-13: 978-3897059443

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