Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension zu Ildefonso Falcones - Die Pfeiler des Glaubens



~ Inhalt ~


Im 16. Jahrhundert wird Andalusien Schauplatz eines schweren Konfliktes zwischen Christentum und Islam. 1592 wurde mit der Übergabe Grenadas die letzte große Stadt aus der Hand der Muslime gegeben. Die Muslime wurden daraufhin zwangsbekehrt. Von den Altchristen werden die sogenannten Neuchristen oder Morisken streng überwacht. Auch der junge Hernando und seine Familie bekommen dies zu spüren. Als Ergebnis einer Vergewaltigung seiner muslimischen Mutter durch den christlichen Pfarrer des Dorfes fühlt er sich zwar als Muslim, wird von den anderen Morisken jedoch als „Nazarener“ verspottet und findet sich immer wieder zwischen den Fronten wieder. Ganz besonders leiden muss er unter der Behandlung seines Stiefvaters Ibrahim, für den Hernando eine begabte, aber verachtenswerte Arbeitskraft ist. Als die Morisken einen verzweifelten Aufstand wagen, wird Andalusien ein Schauplatz von Grausamkeit und Fremdenfeindlichkeit in seinen schlimmsten Zügen, die auch für Hernando und seine Familie einen großen Umbruch bedeutet.

~ Meinung ~


Der Einstieg ins Buch ist mir sehr schwer gefallen. Die ersten etwa 150 Seiten berichten, wie Hernando den Aufstand der Morisken miterlebt. Als Maultiertreiber befindet er sich immer mitten im Geschehen und wird so Zeuge von Gewalt und Grausamkeit zwischen Christen und Muslimen. Jene ersten 150 Seiten waren so stark geprägt von den Beschreibungen der verschiedenen Schlachten, in denen stets Tötungen und Vergewaltigungen recht genau beschrieben wurden, dass ich kurz davor war, das Buch beiseite zu legen. Die historischen Ereignisse mögen vielleicht so stattgefunden haben, aber in der Länge lese ich so etwas trotzdem nicht gerne.

Dann jedoch konnte mich die Geschichte doch noch in ihren Bann ziehen. Mit dem Ende des Aufstandes und der Ansiedlung von Hernando und weiteren Morisken in Cordoba legt sich die offene Gewalt, und es entsteht eine gut lesbare Geschichte, in welcher Hernando auf friedliche Weise für den Erhalt des muslimischen Glaubens in Andalusien kämpft, aber weiterhin von keiner der beiden Glaubensrichtungen gänzlich akzeptiert wird. Neben seinem Wirken für den Islam wird auch Hernandos Privatleben in die Geschichte eingebunden: Die Beziehung zu seiner Mutter und die Feindschaft zu seinem Stiefvater bieten ebenso Erzählstoff wie auch seine Bemühungen, seiner großen Liebe nah sein zu dürfen.

Durch die verschiedensten Stationen, welche Hernando im Laufe der Geschichte durchläuft, erhält der Leser die unterschiedlichsten Einblicke in den Konflikt zwischen Christen und Muslimen sowie auch das alltägliche Leben in Andalusien im 16. und 17. Jahrhundert. Immer stärker habe ich mit Hernando mitgefiebert: Kann er vor den Christen geheim halten, dass er noch immer Richtung Mekka betet? Kann er sich aus den Fängen seines Stiefvaters befreien und seine große Liebe heiraten? Nach einem schwachen Einstieg habe ich mich doch noch für das Buch begeistern können, auch wenn immer wieder einige Längen auftraten. Ich kann das Buch an Leser von historischen Romanen weiterempfehlen.



~ Weitere Informationen zum Buch ~


Broschiert: 928 Seiten
Preis: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: August 2012 (HC-Ausgabe ist im September 2010 erschienen)
Verlag: Goldmann Verlag

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