Sonntag, 6. Januar 2013

Rezension zu Petra Schier - Das Haus in der Löwengasse

Titel: Das Haus in der Löwengasse
Autorin: Petra Schier
Erscheinungsdatum: 01.09.2012
Verlag: Rowohlt Verlag
Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783499259012
Preis: 8,99 Euro


„Das Haus in der Löwengasse“ von Petra Schier ist als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen und umfasst 350 Seiten mit 30 Kapiteln. Der Titel wurde passend zum hauptsächlichen Handlungsort des Romans gewählt. Das Cover zeigt den oberen Teil eines schmiedeeisernen Doppeltors dessen linker Flügel leicht geöffnet ist. Symbolisch kann man das als Einladung zum Lesen der Geschichte sehen. Im Hintergrund ist nur das Dach eines Hauses zu erkennen, so bleibt genügend Spielraum für die Fantasie des Lesers sich das Herrenhaus in der Löwengasse bildlich entsprechend der Beschreibung im Roman vorzustellen. Die Farbgebung ist entsprechend eines mit Patina überzogenen Fotos und weist so auf einen historischen Roman hin.

In den 1820er Jahren tritt die junge Pauline Schmitz nach dem Tod ihres Onkels, bei dem sie aufgewachsen ist, eine Stelle in Bonn als Gouvernante an. Der Hausherr begehrt Pauline und lässt trotz ihres Bittens nicht von ihr ab, bis die beiden in flagranti erwischt werden. Daraufhin wird Pauline des Hauses und der Stadt verwiesen. Sie erhält kein Arbeitszeugnis, jedoch einen Fahrschein für die Postkutsche nach Köln. Durch Zufall findet sie unmittelbar nach ihrer Ankunft eine Stellung als Magd. Ihre wahren Talente bleiben zunächst verborgen, bis sie den verwitweten  Textilunternehmer Julius Reuther kennenlernt, der bei den Dienstherren von Pauline zu Gast weilt. Nachdem dieser einige Erkundungen bezüglich ihrer Vergangenheit über sie eingezogen hat, stellt er sie als Gouvernante für seine beiden Kinder ein. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, weiß aber um Paulines Problem sich aufgrund der schlechten Erfahrung von Männern fernzuhalten. Und spekulative Geschäfte bringen Julius fast an den Ruin den er scheinbar nur noch durch die Ehe mit einer reichen Braut verhindern kann. Wird es eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben?

Beim Buch „Das Haus in der Löwengasse“ bleibt es aufgrund einiger Wendungen lange offen, ob Pauline und Julius zueinander finden werden, denn zu sehr scheinen beide mit den Erwartungen die sich durch ihre Herkunft ergeben, verknüpft zu sein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Standesdünkel noch sehr ausgeprägt, weshalb Ehen in höheren Ständen möglichst zweckmäßig nach dem Willen der Eltern ausgehandelt wurden und nicht aus Liebe. Diesem Diktat scheint auch Julius unterworfen. Pauline dagegen ist zu dieser Zeit als Frau nicht erbberechtigt und nach dem Tod ihrer nächsten Verwandten nahezu mittelos. Auch sie ist sich ihrer Stellung durchgehend bewusst. Nachstellungen von Dienstherren waren durchaus üblich, solange sie diskret im Verborgenen stattfanden. In den meisten Fällen trugen die Frauen die Konsequenzen. Gerne habe ich mitgefiebert, ob die beiden gegen die von ihnen verlangte Vernunft handeln werden. Neben Pauline und Julius lässt die Autorin mit Frieda, der Tochter eines gut situierten Fabrikanten, einen weiteren liebenswerten Charakter entstehen, der dem Leser von der Intention her eigentlich unsympathisch sein sollte. Die beiden recht aufmüpfigen Kinder von Julius wachsen den Lesen zunehmend ans Herz.  Es finden sich allerdings noch genügend bei Pauline und so auch beim Leser unbeliebte Personen und wie sich später herausstellt, findet auch Julius Gegenspieler, die ihm geschäftlich Schaden wollen. Petra Schier schreibt einfühlend und feinsinnig. Sehr detailgenau sind die Ausführungen in der historischen Ausgestaltung des Geschehens in Bezug auf Örtlichkeiten,  Mode,  Interieur und Erziehung. So kann man sich das Leben in der damaligen Zeit sehr real vorstellen. Der Roman liest sich sehr flüssig. Die Sprache ist modern gehalten mit einigen wenigen dialektischen Einstreuungen, die das historische Ambiente unterstreichen und für mich als Rheinländerin einfach zu verstehen waren. Gerne gebe ich für diesen Roman eine uneingeschränkte, eindeutige Leseempfehlung an die Freunde historischer Romane.


Die Rezension von Nabura zum gleichen Buch findet ihr hier: "Das Haus in der Löwengasse" aus Naburas Sicht

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