Sonntag, 28. April 2013

Rezension zu Kristen Simmons - Artikel 5



~ Inhalt ~


Im Amerika der Zukunft leben die 17-jährige Ember und ihre Mutter. Doch eines Tages wird bricht ihre Welt zusammen: Ihre Mutter wird von der Moralmiliz in Gewahrsam genommen, da sie gegen Artikel 5 der Moralstatuten Amerikas verstoßen hat: Ember kam nicht als Kind eines verheirateten Paares auf die Welt, sie kennt ihren Vater nicht. Ausgerechnet Chase, ihr ehemaliger Nachbarsjunge und große Liebe, ist als Mitglied der Moralmiliz bei der Verhaftung dabei. Hat er sich seit ihrer letzten Begegnung so sehr verändert? Auch Ember nimmt die Moralmiliz mit, sie wird in eine gefängnisähnliche Resozialisierungsanstalt für Mädchen gesperrt, in der sie bis zu ihrem 18. Geburtstag sittliches Verhalten lernen soll. Doch Ember denkt nicht daran, bis zu ihrem Geburtstag zu warten: Sie möchte unbedingt fliehen und ihre Mutter suchen. Doch die Strafen für Ungehorsam sind hart, und Fluchtversuche werden mit dem Tod bestraft. Wird Ember trotzdem zu ihrer Mutter finden?

~ Meinung ~


Das Cover zeigt ein Mädchen, das Ember sein könnte, die den Leser mit ernstem Blick betrachtet. Insgesamt ist das Cover in dunklen Farben gehalten, die zur düsteren, bedrückenden Atmosphäre des Buches passen. Den Leser erwartet ein dystopisches Amerika, in dem Willkür, Gewalt und Egoismus zum Alltag geworden sind.

Das Buch beginnt gleich mit dramatischen Entwicklungen. Hat der Leser auf den ersten Seiten von der Existenz der Moralstatuten und der Moralmiliz erfahren, wird schon wenige Seiten später Embers Mutter verhaftet und Ember selbst in die Resozialisierungsanstalt geschickt. Alles geschieht rasant, und schon war man mitten im Geschehen gefangen.

Das folgende Geschehen führt dem Leser den Schrecken dieses dystopischen Amerikas hautnah vor Augen: Schikanierungen und Gewalt sind an der Tagesordnung, wer nicht gehorcht, bekommt die Strafe zu spüren. Die hier beschriebene Gewalt ist für ein Jugendbuch recht stark ausgeprägt. Im Gegensatz dazu stand für mich allerdings die ebenfalls recht ausgeprägte Naivität Embers, mit der sie durch die Geschichte stolpert. Immer wieder handelte sie wie ein trotziger Teenager, bricht Regeln und hält sich nicht an die Empfehlungen anderer. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Strafen konnte ich nur den Kopf schütteln, wenn sie sich wieder gegen alle Vernunft zu einer Impulshandlung hinreißen ließ. Ihr kompliziertes Verhältnis zu Chase, welches in der Geschichte viel Raum einnimmt, konnte mich außerdem nicht so recht berühren, da ihre Gefühlsschwankungen und Reaktionen für mich oft nicht nachvollziehbar waren.

Nach dem spannenden Beginn der Geschichte empfand ich den Mittelteil des Buches als etwas zäh. Ember hat ein Ziel vor Augen, gerät jedoch treffsicher immer wieder an die falschen Leute, befindet sich dann in großer Gefahr und muss schließlich entkommen oder gerettet werden. Das wiederholte sich in unterschiedlichen Konstellationen für meinen Geschmack zu häufig, bevor sie im letzten Viertel des Buches ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt näher kommt. Dieses letzte Viertel hielt dann nochmal einige Überraschungen bereit, die mich für den Mittelteil etwas entschädigt haben.

Über die Hintergründe der Gesellschaft habe ich für meinen Geschmack zu wenig erfahren. Wer hat die Moralstatuten eingeführt? Warum werden sie von so vielen Leuten angenommen? Wie kam es zu dem inzwischen beendeten Krieg, warum gibt es evakuierte Zonen und warum werden sie nicht neu besiedelt? Es werden viele Aspekte angeschnitten, denn die gesellschaftlichen Strukturen sind für die Geschichte wichtig. Diese werden dann aber nicht so ausführlich erklärt, wie ich es mir gewünscht hätte.

„Artikel 5“ ist eine spannende, oft rasante, aber auch brutale Dystopie, die für Jugendliche ab etwa 16 Jahren geeignet ist. Leider empfand ich den Mittelteil als recht zäh und konnte die Handlungen der Protagonistin oft nicht nachvollziehen. Auch über die Hintergründe der Gesellschaft hätte ich gerne noch mehr erfahren, aber vielleicht wird in der Fortsetzung noch mehr erklärt? Trotzdem wird das Buch Dystopiefans sicherlich unterhalten können.


Weitere Informationen zum Buch


Broschiert: 432 Seiten
Preis: 16,99 Euro
Erscheinungsdatum: 16. April 2013
Verlag: ivi
Link zur Buchseite des Verlags

Vielen Dank an den ivi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!


Freitag, 26. April 2013

Rezension zu Allison Winn Scotch - Ein Sommer und ein Tag

Titel: Ein Sommer und ein Tag
Autorin: Allison Winn Scotch
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
Erscheinungsdatum: 02.04.2013
Verlag: Rowohlt Verlag
Buchausgabe: Taschenbuch
ISDN: 9783499259623
Preis: 9,99 Euro



„Ein Sommer und ein Tag“ von Allison Winn Scotch ist als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen und umfasst 382 Seiten inklusive einer Danksagung der Autorin. Den Kapiteln vorweg gestellt ist eine Playlist mit zwölf „Best of“ Titeln der Protagonistin Nell Slattery. Der Roman ist in 33 Kapitel eingeteilt. Wenn ein Song der „Best of“-Liste darin vorkommt ist das Kapitel damit überschrieben, der Titel nimmt dann in der nachfolgenden Erzählung eine besondere Stellung ein. Auf dem Cover ist eine nachdenkliche, im Gras liegende junge Frau abgebildet. Genauso stelle ich mir Nell vor, die nach einer dissoziativen Amnesie einen Neubeginn sucht und die die Fehler ihrer Vergangenheit vermeiden möchte. Doch genau darin liegt die Schwierigkeit, denn sie kann aufgrund der Amnesie nicht an ihr bisheriges Leben erinnern. „Ein Sommer und ein Tag“, so lange benötigt Nell in etwa um einen Weg zu finden, ihr weiteres Leben im Einklang mit sich selbst fortzusetzen.

Nach einem Flugzeugabsturz bei dem außer ihr und dem Schauspieler Anderson Carroll alle anderen Passagiere ums Leben gekommen sind, erwacht Nell im Krankenhaus und kann sich weder an den Absturz noch an ihr vorheriges Leben erinnern. Ihre Mutter, ihre Schwester und ihr Mann erzählen ihr Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit, doch schnell merkt sie, dass diese Erzählungen Auslassungen beinhalten. Den Reporter Jamie kann sie dazu überreden im Gegenzug für Exklusivberichte über sich, Details ihres Lebens aufzudecken. Eine bedeutende Rolle, die sich nicht nur auf ihre Beziehung zu ihrer Mutter ausgewirkt sondern auch auf ihre Ehe ausgewirkt hat, nimmt das Verschwinden ihres Vaters ein als sie dreizehn Jahre alt war. Nell erinnert sich Stückchenweise, unterstützt auch durch ihre Lieblingssongs an ihre vorherige Persönlichkeit zurück, doch inzwischen hat sie sich neue Meinungen über ihr Umfeld gebildet und weiß nun nicht mehr, ob der Weg zurück richtig ist oder ob sie die neue Chance ihr Leben gestalten zu können, nutzen soll.

Die ganz große Frage für die Protagonistin in diesem Roman ist die Frage danach, wem sie vertrauen kann. Die Erinnerung an die Vergangenheit fehlt ihr und die Menschen denen sie die meiste Zuneigung entgegenbringen sollte erzählen ihr nur Bruchstücke, d.h. in weiteren Gesprächen erhält sie immer wieder neue Informationen zu bereits erzählten Teilen ihres Lebens. Doch ist verschweigen besser wie lügen? Mühsam versucht sie zu ergründen, warum sie bestimmte Entscheidungen getroffen hat und so gelebt hat wie man ihr schildert. Schnell wird klar, dass ihre Jugend durch den Weggang des Vaters stark beeinflusst wurde. Daher begibt sie sich auf die Suche nach ihm, nach seiner Persönlichkeit und nach ihrer eigenen. Die Autorin stellt Einzelheiten für die Handlungsgründe der Personen dar. Die interessanten Charaktere siedelt sie fast ausnahmslos im Umfeld der Kunst, Musik oder des Fernsehens an. Einige wenige Kapitel sind kursiv gedruckt. Sie stehen für einen Wechsel der Erzählperspektive. Die Geschichte wird ansonsten aus der Ich-Perspektive von Nell erzählt. Doch durch die Sichtänderung kann nun der Leser auch an den Gefühlen anderer Personen Anteil haben, da die Autorin die in diesen Kapiteln einfließen lässt. Allerdings blieb für mich die Beziehung zwischen Nell und ihrem Ehemann eher farblos und nur bezogen auf den Grund ihrer Trennung. Obwohl mir die Geschichte gut gefallen hat, fand ich den Flugzeugabsturz als Erklärung für die Amnesie zu spektakulär. Der Roman lässt kurz innehalten und darüber nachdenken, ob die Chance auf einen radikalen Bruch im Leben ein Wunschtraum sein kann. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für dieses Buch. 
 Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 25. April 2013

Rezension zu Tanja Heitmann - Tiamat: Liebe zwischen den Welten



 ~ Inhalt ~


Anouk lebt in einem ganz und gar ungewöhnlichen Haus: Das alte Herrenhaus „Himmelshoch“ verbirgt in seinem Kellergewölbe den riesigen Maelstrom Tiamat. Dieser wird von ihrem Vater und Sander, den sie in der Schule als ihren Bruder ausgibt, bewacht. Allerdings tauchen in letzter immer häufiger Besucher aus dem Maelstrom auf, die sie angreifen und skurrile Veränderungen im Haus hinterlassen. Zum Glück können Sander und ihr Vater diese meist im Nu vernichten. Anouk selbst ist als Wächterin leider völlig ungeeignet. Während Anouk feststellen muss, dass der bisher langweilige Tammo aus ihrer Schule plötzlich gar nicht mehr so fade ist, aber auch Sander ein verstärktes Interesse an ihr zeigt, droht Tiamat zu einer Gefahr zu werden. Bald befindet sich Anouk im Durcheinander der Gefühle, aber auch im Wettlauf gegen die Zeit, um die Gefahr durch Tiamat abzuwenden.

~ Meinung ~


Das Buch beginnt mit dem rasanten Zusammenstoß von Anouk mit einem Besucher, welcher den Leser sofort mitten ins Geschehen versetzt. Durch Anouks Augen lernt man das glibschige Besucherproblem kennen, das zum Glück durch Sanders Vernichtungskünste in Grenzen gehalten wird, sowie das ganz und gar ungewöhnliche Himmelshoch mit seinem Maelstrom im Keller. Nach der rasanten Anfangsszene nimmt sich Tanja Heitmann Zeit, dem Leser die Bewohner Himmelshochs und Anouks Freunde aus der Schule vorzustellen, welche in der weiteren Geschichte eine größere Rolle spielen werden. Bald schon hatte ich das Gefühl, die Welt Anouks gut zu kennen und war bereit für das folgende Abenteuer.

Das Buch bietet eine spannende Fantasygeschichte und gleichzeitig eine Liebesgeschichte. Beides wird gelungen vermischt. Im Fantasyteil der Geschichte droht Tiamat als Tor zwischen zwei Welten einzubrechen und die Bewohner Himmelshochs suchen mit Hochdruck nach einer Lösung, ohne dass der berüchtigte Wächterzirkel Himmelshoch und damit die Wacht übernehmen wird. Hier kommt es zu rasanten und fantasievollen Szenen, die mich haben mitfiebern lassen. Gleichzeitig beginnt die Liebesgeschichte als Dreieck zwischen Anouk, Tammo und Sander und hält zunächst eine der klassischen Dreieckssituationen bereit. Dann entwickelt sich alles jedoch in eine untypische Richtung, denn beide Jungen bergen ein Geheimnis, das die Situation in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt und gleichzeitig die Verbindung zur Fantasygeschichte schafft. Mit Anouks Freundinnen Becks und Laboe wurden außerdem zwei ungewöhnliche Charaktere geschaffen, die Anouk zur Seite stehen und sie bei der Lösung ihrer kleinen und großen Probleme tatkräftig unterstützen.

„Tiamat“ ist eine wundervoller Fantasy- und Liebesgeschichte zugleich. Die gelungene Verbindung dieser beiden Elemente konnte mich überzeugen. Ebenso hat mir die innovative Idee der Geschichte sehr gefallen – Was tut man, wenn man einen Maelstrom im Keller hat, aus dem immer häufiger glibschige Besucher auftauchen? Ich konnte ganz in die Geschichte eintauchen, mich mit den Charakteren identifizieren und mit ihnen hoffen, dass sich die Ereignisse zum Guten wenden. Für jugendliche Leser ist dieses Buch bestens geeignet, und auch älteren Lesern, die sich für eine fantasievolle und romantische Geschichte begeistern können, kann ich „Tiamat“ weiterempfehlen.



Weitere Informationen zum Buch


Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Preis: 16,99 Euro
Erscheinungsdatum: 22. April 2013
Verlag: cbt
Link zur Buchseite des Verlags

Montag, 22. April 2013

Rezension zu Stephan M. Rother - Öffne deine Seele





~ Inhalt ~


Mitternacht. Nach sechs Monaten Zwangspause ist Jörg Albrecht wieder Leiter des Hamburger PK Königstraße. Und schon wenige Minuten später wird er zu seinem ersten Tatort gerufen. Beim Anblick der Leiche im Dahliengarten ist klar: Dieser Fall wird Aufsehen erregen. Denn niemand anderes als Falk Sieverstedt, Sohn eines bekannten Hamburger Konsuls, liegt dort im Bassin. Warum musste er sterben? Die Spuren führen zur Firma seines Vaters, aber auch zum Fernsehmoderator Marius, in dessen Beratungssendung Falk kurz zuvor seinen Selbstmord angedroht hat. Die Ermittlungen werden für Jörg Albrecht, Hannah Friedrichs und das restliche Team der PK Königstraße zu einem Lauf gegen die Zeit.

~ Meinung ~


Das Cover von „Öffne deine Seele“ ist im Stil ebenso gehalten wie das seines Vorgängers „Ich bin der Herr deiner Angst“, sodass die Zusammengehörigkeit der Bücher klar ist. Die Ereignisse von „Öffne deine Seele“ finden ein halbes Jahr nach dem ersten Buch statt. Im Buch wird teilweise auf Ereignisse des ersten Buches verwiesen, jedoch wird nichts Entscheidendes über den Ausgang von „Ich bin der Herr deiner Angst“ verraten. Man kann also auch mit dem zweiten Teil beginnen. Ich empfehle trotzdem, mit dem ersten Teil zu beginnen, um die Entwicklung der Charaktere besser nachvollziehen zu können.

Am meisten freute ich mich in diesem Buch darauf, die liebgewonnenen Charaktere aus Band eins wiederzutreffen. Diese haben an ihrem eigenwilligen Charme nichts eingebüßt. Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs stehen natürlich wieder im Mittelpunkt. Während Albrecht sich aufgrund seiner Bekanntschaft zur Familie des Opfers  fragen muss, ob er nicht zu befangen ist, um die Ermittlungen zu leiten, kämpft Hannah noch immer mit den Konsequenzen ihrer Affäre mit Joachim Merz, dem Staranwalt. Im aktuellen Fall vertritt dieser den Moderator Marius, wodurch sie ihn erneut häufiger sieht, als ihr eigentlich lieb ist. Wird sie die Beziehung zu ihrem Mann Dennis trotzdem wieder kitten können? Skurrile Nebencharaktere wie der IT-Spezialist Winderfeldt und der Bayernimport Sedlmeyer lockern die ernsten Ermittlungen mit ihrer Art zwischenzeitlich auf.

Die Ermittlungen selbst gestalten sich spannend und dramatisch. Fehlen zunächst sämtliche Hinweise und ist völlig unklar, in welche Richtung sich tiefergehende Ermittlungen lohnen, tauchen allmählich vielversprechende Spuren auf. Stephan M. Rother versteht es dabei, den Leser in die Irre zu führen. Schließlich gipfelt das Geschehen in einen dramatischen Showdown, der den Charakteren alles abverlangt und sie dem Titel entsprechend dazu bringt, ihre Seele zu öffnen.

„Öffne deine Seele“ ist ein neuer hochspannender Thriller aus der Feder von Stephan M. Rother, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Wer sich für facettenreiche Charakteren, dramatische Entwicklungen und einem Blick in die Psyche des Menschen begeistern kann, dem kann ich das Buch weiterempfehlen.

 Die Rezension von Girdie zum gleichen Buch findet ihr hier: "Öffne deine Seele" aus Girdies Sicht

Weitere Informationen zum Buch


Taschenbuch: 512 Seiten
Preis: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 1. März 2013
Verlag: rororo
Link zur Buchseite des Verlags

Sonntag, 21. April 2013

Rezension zu Ken Bruen - London Boulevard

Hallo liebe Leser und Leserinnen,

das folgende rezensierte Buch werden wir hier auf unserem Blog in der Zeit vom 23. bis 30. April 2013 verlosen im Rahmen der Aktion :
Weiter Informationen hierzu erhaltet ihr auf unserem Blog am 23.04.!!!

Ein besonderes Dankeschön gilt dem Suhrkamp Verlag, der uns für diese Aktion das Buch zur Verfügung stellt! Das Buch, das wir verlosen ist neu und ungelesen. Der Suhrkamp Verlag war so freundlich, mir für die Rezension mein eigenes Exemplar zuzuschicken. Auch hierfür vielen Dank! Übrigens: Das Buch wurde bereits in einer abgewandelten Story unter gleichem Titel mit Colin Farrell und Keira Kneightley in den Hauptrollen verfilmt.

Nun macht euch selbst ein Bild vom Buch - hier ist meine Rezension: 


Titel: London Boulevard
Autor: Ken Bruen
Übersetzerin: Conny Lösch
Erscheinungdatum: 15.11.2010
Verlag: Suhrkamp Verlag (Buchseite des Verlags)
Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783518462089
Preis: 8,95 Euro

„London Boulevard“ von Ken Bruen ist als Taschenbuch im Suhrkamp Verlag erschienen und umfasst 262 Seiten mit drei betitelten Teilen, die in meist recht kurze Kapitel unterteilt sind. Auf dem Cover befindet sich das Symbol für die Londoner Untergrundbahn, das sonst mittig stehende „Underground“ wurde durch den Buchtitel ersetzt. Ein Bezug zum Roman besteht insoweit als der Protagonist Mitchell für seine Fahrten durch London häufiger die U-Bahn benutzt. Ein langer Schatten liegt über dem Symbol, der für mich in Verbindung steht zum Schatten der Vergangenheit von Mitchell, von dem er nach seiner Haftentlassung ziemlich schnell wieder eingeholt wird. Von ihm wird London als Ganzes als Boulevard, also als Prachtstraße angesehen, daher der Buchtitel.


Nachdem er drei Jahre wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis gesessen hat, wird Mitchell entlassen und von seinem angeblichen Freund Billy Norten abgeholt. Mitchell kann sich an seine eigentliche Tat nicht mehr erinnern und im Laufe der Erzählung erfährt er schließlich, wer dafür verantwortlich ist. Doch auch so war er in der Vergangenheit zur Gewaltanwendung bereit. Unter Alkoholwirkung steigt Mitchell beim ersten Halt auf der Abholfahrt aus und bricht einem Fensterputzer ohne lange Vorankündigung den Arm. Billy, der als Geldeintreiber arbeitet, hat für ihn eine Wohnung besorgt und bietet ihm an, mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Auf einer Party aus Anlass zu seiner Entlassung begegnet er einer Journalistin, die ihm einen legalen Job bei der alternden Schauspielerin Lillian Palmer besorgt. Lillian entwickelt ein persönliches Interesse an ihm. Durch einen Gelegenheitsjob  an der Seite von Billy beim Geldeintreiben gerät er in das Blickfeld von dessen Auftraggeber und das wird ihm zum Problem, denn dieser möchte, dass Mitchell Aufträge für ihn ausführt. Dafür geht er auch über Leichen. 


Mit simplen Worten in kurzen Sätzen und sehr dialoglastig gelingt es Ken Bruen eine einzigartige Form eines Kriminalromans zu schaffen. Es ist kein Krimi nach dem Muster Tat – Ermittlung. Die Erzählung ist in einem stets zur Gewalt bereiten Umfeld angesiedelt. Das ständige aggressive Verhalten  wirkt auf mich abstoßend. Allerdings lernt der Leser auch Mitchells fürsorgliche Seite kennen. Für seine besten Freunde und seine Schwester tut er alles zu deren Schutz, aber gegen seinen größten Feind scheint er keine Waffe zu besitzen. Wie es häufig der Fall ist, erfährt er, dass Gewalt zu Gegengewalt führt. Schnell merkt der Leser, dass es hier vor allem um Machtspiele geht. Vor allem mit dem Charakter von Mitchell schafft der Autor eine Person, der man zwiespältig gegenüber steht. Einem solchen Menschen, dessen Sinn ständig nach Alkohol steht und der hauptsächlich unter dessen Einfluss seine Aggressionen auslebt, traut man kaum zu, dass er tiefsinnige Musik hört und Dichter wie Rilke und Camus liest und zitieren kann. Sehr viel Wert legt er auch darauf, stets für jede Gelegenheit richtig gekleidet zu sein. Das Besondere an diesem Roman liegt in der Sprache. Trotz Einfachheit stechen häufige Enumerationen aus dem Text hervor, in dem sie ohne Komma, untereinander aufgeführt werden.  Mit wenigen Worten versteht der Autor stets ganze Szenen treffend zu beschreiben. Dieser Krimi eignet sich nur für Leser, die einen ganz eigenen Krimistil erlesen möchten und vor Gewalt im Roman nicht zurückschrecken.