Freitag, 26. April 2013

Rezension zu Allison Winn Scotch - Ein Sommer und ein Tag

Titel: Ein Sommer und ein Tag
Autorin: Allison Winn Scotch
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
Erscheinungsdatum: 02.04.2013
Verlag: Rowohlt Verlag
Buchausgabe: Taschenbuch
ISDN: 9783499259623
Preis: 9,99 Euro



„Ein Sommer und ein Tag“ von Allison Winn Scotch ist als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen und umfasst 382 Seiten inklusive einer Danksagung der Autorin. Den Kapiteln vorweg gestellt ist eine Playlist mit zwölf „Best of“ Titeln der Protagonistin Nell Slattery. Der Roman ist in 33 Kapitel eingeteilt. Wenn ein Song der „Best of“-Liste darin vorkommt ist das Kapitel damit überschrieben, der Titel nimmt dann in der nachfolgenden Erzählung eine besondere Stellung ein. Auf dem Cover ist eine nachdenkliche, im Gras liegende junge Frau abgebildet. Genauso stelle ich mir Nell vor, die nach einer dissoziativen Amnesie einen Neubeginn sucht und die die Fehler ihrer Vergangenheit vermeiden möchte. Doch genau darin liegt die Schwierigkeit, denn sie kann aufgrund der Amnesie nicht an ihr bisheriges Leben erinnern. „Ein Sommer und ein Tag“, so lange benötigt Nell in etwa um einen Weg zu finden, ihr weiteres Leben im Einklang mit sich selbst fortzusetzen.

Nach einem Flugzeugabsturz bei dem außer ihr und dem Schauspieler Anderson Carroll alle anderen Passagiere ums Leben gekommen sind, erwacht Nell im Krankenhaus und kann sich weder an den Absturz noch an ihr vorheriges Leben erinnern. Ihre Mutter, ihre Schwester und ihr Mann erzählen ihr Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit, doch schnell merkt sie, dass diese Erzählungen Auslassungen beinhalten. Den Reporter Jamie kann sie dazu überreden im Gegenzug für Exklusivberichte über sich, Details ihres Lebens aufzudecken. Eine bedeutende Rolle, die sich nicht nur auf ihre Beziehung zu ihrer Mutter ausgewirkt sondern auch auf ihre Ehe ausgewirkt hat, nimmt das Verschwinden ihres Vaters ein als sie dreizehn Jahre alt war. Nell erinnert sich Stückchenweise, unterstützt auch durch ihre Lieblingssongs an ihre vorherige Persönlichkeit zurück, doch inzwischen hat sie sich neue Meinungen über ihr Umfeld gebildet und weiß nun nicht mehr, ob der Weg zurück richtig ist oder ob sie die neue Chance ihr Leben gestalten zu können, nutzen soll.

Die ganz große Frage für die Protagonistin in diesem Roman ist die Frage danach, wem sie vertrauen kann. Die Erinnerung an die Vergangenheit fehlt ihr und die Menschen denen sie die meiste Zuneigung entgegenbringen sollte erzählen ihr nur Bruchstücke, d.h. in weiteren Gesprächen erhält sie immer wieder neue Informationen zu bereits erzählten Teilen ihres Lebens. Doch ist verschweigen besser wie lügen? Mühsam versucht sie zu ergründen, warum sie bestimmte Entscheidungen getroffen hat und so gelebt hat wie man ihr schildert. Schnell wird klar, dass ihre Jugend durch den Weggang des Vaters stark beeinflusst wurde. Daher begibt sie sich auf die Suche nach ihm, nach seiner Persönlichkeit und nach ihrer eigenen. Die Autorin stellt Einzelheiten für die Handlungsgründe der Personen dar. Die interessanten Charaktere siedelt sie fast ausnahmslos im Umfeld der Kunst, Musik oder des Fernsehens an. Einige wenige Kapitel sind kursiv gedruckt. Sie stehen für einen Wechsel der Erzählperspektive. Die Geschichte wird ansonsten aus der Ich-Perspektive von Nell erzählt. Doch durch die Sichtänderung kann nun der Leser auch an den Gefühlen anderer Personen Anteil haben, da die Autorin die in diesen Kapiteln einfließen lässt. Allerdings blieb für mich die Beziehung zwischen Nell und ihrem Ehemann eher farblos und nur bezogen auf den Grund ihrer Trennung. Obwohl mir die Geschichte gut gefallen hat, fand ich den Flugzeugabsturz als Erklärung für die Amnesie zu spektakulär. Der Roman lässt kurz innehalten und darüber nachdenken, ob die Chance auf einen radikalen Bruch im Leben ein Wunschtraum sein kann. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für dieses Buch. 
 Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

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