Montag, 27. Mai 2013

Rezension zu Linn Ullmann - Das Verschwiegene

Titel: Das Verschwiegene
Autorin: Linn Ullmann
Übersetzerin: Ina Kronenberger
Erscheinungsdatum: 22.04.2013
Verlag: Luchterhand Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783630874098
                                      Preis: 19,99 Euro



Das Buch „Die Lügnerin“ von Linn Ullmann hat mich vor einigen Jahren in einzigartiger Weise berührt und es zu einem meiner Lieblingsbücher werden lassen ohne dass ich dessen Reiz genauer erklären könnte. Von dem zuletzt erschienen Buch der Autorin habe ich mir also sehr viel versprochen, doch leider konnte es mich nicht auf die gleiche Art und Weise faszinieren. Dennoch ist der Roman „Das Verschwiegene“ etwas Besonderes. Von einer einzigen Begebenheit ausgehend, dem Verschwinden der 21-jährigen Mille während der Geburtstagsfeier der Großmutter der Kinder auf die sie aufzupassen hatte, breitet Linn Ullmann ein Netz voll kleiner Geschichten aller Familienangehöriger aus. Sie benutzt dazu die Sicht jeder Person auf die Vorkommnisse in der Gegenwart und rückblickend auf die Entwicklung bis zur Feier. Außerdem begleitet der Leser die Personen bis zum Auffinden der toten Mille zwei Jahre später. Schnell ist ein Mörder gefunden, doch unterschwellig bleibt bei dem Leser das Gefühl zurück, dass noch einige ungesagte Dinge über Mille im Verborgenen sind. Und eben genau diesen Eindruck bedient die Autorin mit ihrer Erzählung der kleinen Nebensächlichkeiten, um mit und mit die jeweiligen Geheimnisse der Familienmitglieder ans Licht zu bringen. Symbolisch dafür sehe ich die Einbandgestaltung: Linn Ullmann bahnt dem Leser einen Weg durch das verbergende hohe Gras. Die Beziehung der Eheleute Jon und Siri steht im Mittelpunkt. Jon schreibt seit Jahren am dritten Band einer Trilogie, darum verdient Siri als Inhaberin und Köchin mit ihren beiden Restaurants den Hauptteil des Familieneinkommens. Sie vermutet, dass Jon ein Faible für jüngere Frauen hat. Beide haben ein schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber, denen sie wenig Zeit widmen. Vor allem die Persönlichkeit der älteren, Alma, überfordert die Eltern. Ich finde, dass die ganze Zeit eine recht kühle, angespannte Atmosphäre vorherrscht. Jeder bleibt für sich, eine Aussprache auf einer gemeinsamen Ebene scheint nicht möglich. Leider konnte mir dadurch keiner der ausgezeichnet charakterisierten Personen sympathisch werden. Der Roman vermittelte mir einen interessanten, glaubhaften Blick auf die alltägliche Gefühlswelt der Darsteller weswegen ich gerne eine Leseempfehlung gebe.


1 Kommentar:

  1. Der Roman ist eine interessante psychologische Studie über die Schwächen der Menschen. Auch von mir eine klare Leseempfehlung.

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