Montag, 22. Juli 2013

Rezension: Die Karte der Welt von Royce Buckingham



☆ Inhalt ☆


Der siebzehnjährige Wex lebt als Schweinehirte im kleinen Dorf Zornfleck, am Rand des Landes Abrogan. Gleich hinter Zornfleck liegen die Zornberge und damit das Ende der Welt, denn das Land hinter den Bergen wird seit Menschengedenken von einem undurchdringlichen Schleier verhüllt. Dies ist Wexfords Lieblingsmotiv, das er in seiner freien Zeit wieder und wieder zeichnet. Und diese Zeichnung ist es, die sein Schicksal bestimmen wird: Die Soldaten des Fürsten werden auf ihn aufmerksam. Weil ihr eigener Karograph erkrankt ist, bitten sie ihn, Teil ihrer Expedition zu werden, die das Land entlang des Schleiers vermessen soll. Doch bald muss Wex feststellen, dass er mit seinen Zeichnungen den Schleier versetzen kann. Neugierig bricht die Expedition in das enthüllte Land auf, in dem zahlreiche Feinde und wenige Freunde warten.

☆ Meinung ☆


Das Cover des Buches hat mich sehr neugierig gemacht. Die Stadt in der Mitte ist ein Blickfang und signalisiert, dass die Geschichte in einem mittelalterlichen Setting angesiedelt ist. Das Buch selbst spielt allerdings nur im Dorf Zornfleck, den Zornbergen und dem Land jenseits der Berge – von der Stadt selbst wird hingegen nur berichtet. Um die Stadt herum breitet sich die Landschaft Abrogans aus. Das Blut im Vordergrund zeigt schon, dass die Geschichte nicht ohne Blutvergießen auskommen wird – auch beim kartographieren nicht.

High-Fantasy-Geschichten, in welchen die Charaktere durch die Lande von einem Fleck zum nächsten ziehen und dabei allerlei Abenteuer bestehen müssen, konnten in der letzten Zeit das Interesse zahlreicher Leser auf sich ziehen. Wer eine Geschichte sucht, in welcher der Schwerpunkt genau darauf liegt, ist hier richtig aufgehoben.

Wex‘ Reise beginnt recht schnell. Zu Beginn lernt der Leser sein bisheriges Leben als Schweinehirte in Zornfleck kennen, in der er ein ruhiges, aber nicht besonders interessantes Leben führt. Doch schon nach drei Kapiteln ist er mit der Expedition unterwegs in die Zornberge. Die Expeditionsgruppe ist nicht allzu groß und gelingt es dem Leser recht mühelos, den Überblick über die verschiedenen Charaktere zu wahren. Warum allerdings die schöne Brynn mitreisen durfte, die als Tochter des Grafen bald heiraten soll und daher ausgerissen ist, erschloss sich mir nicht ganz. Offenbar wäre die Frauenquote sonst einfach zu gering gewesen. Insgesamt drei Frauen tauchen in der ganzen Geschichte auf, an denen deshalb gefühlt jeder männliche Charakter Interesse hat.

Insgesamt ist das Buch sehr kämpferisch, und der Leser sollte sich darauf einstellen, dass die meisten Bewohner des Landes jenseits der Zornberge vor allem daran interessiert sind, Wex oder andere Expeditionsmitglieder zu töten, was nicht selten auch gelingt. Allmählich entwickelt sich die Geschichte zu einem Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Gruppe vor einem intelligenten Feind quer durchs Land fliehen muss. Kämpfe, Listen und strategische Überlegungen dominieren daher die Handlung. Leider fehlt es den Charakteren an Tiefe, weshalb mich die wenigen Szenen, in denen es um die Liebe ging, nicht wirklich berühren konnten und die Charaktere auch wenig reflektiert auf mich wirkten.

In „Die Karte der Welt“ hat Royce Buckingham eine beeindruckende Fantasywelt erschaffen, in welcher der Leser trotzdem den Überblick behalten kann. Die Handlung fokussiert sich vor allem auf das Abenteuer eine Expedition in ein unbekanntes, gefährliches Land. Kampf und Flucht dominieren die Geschichte, während Emotionen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wer genau das sucht, wird an dem Buch seine Freude haben. Ich hätte mir allerdings eine thematisch abwechslungsreichere Handlung gewünscht.


Weitere Informationen zum Buch


Broschiert: 608 Seiten
Preis: 15,00 Euro
Erscheinungsdatum: 15. Juli 2013
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Link zur Buchseite des Verlags


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