Samstag, 10. August 2013

[Rezension] Matthias Wenzel - Chronist: Der erste Kreuzzug

Autor: Matthias Wenzel (Webseite des Autors)
Titel: Chronist - Der erste Kreuzzug
Erscheinungsdatum: 04.05.2013
Verlag: CreateSpace Independent Platform
Buchausgabe: Broschur
ISBN: 9781484888513
Preis: 19,90 Euro





Ein düsteres Cover passend zu einem dunklen Kapitel der Christenheit, damit präsentiert sich der historische Roman von Mathias Wenzel „Chronist – Der erste Kreuzzug“, den er auch selbst verlegt hat. Vor der Silhouette der Stadt Jerusalem, aus der beträchtlicher Rauch aufsteigt, kniet andächtig ein Mönchsbruder. Die Last des unendlich langen Wegs scheint ihm auf den Schultern zu liegen. Der Mönch, der da kniet, könnte Raimund von Aguilers sein, ein Chronist des Ersten Kreuzzugs, der in den Diensten des Grafen Raimund IV. von Toulousse stand. Er ist der Protagonist des Romans und sein Leben von der Kindheit an bis zur Eroberung von Jerusalem durch die Kreuzritter zu deren Gefolge er gehörte, hat der Autor hier aufgezeichnet.


Raimund von Aguilers kommt im 11. Jahrhundert in einem kleinen Dorf in der Provence zur Welt. Schon sehr früh ist er von den Geschichten der Bibel fasziniert, so dass der Pfarrer vor Ort ihn als Messdiener anleitet. Außerdem bringt er ihm Lesen und Schreiben bei, ohne dass sein Vater davon weiß. Als er schließlich älter wird, beschließt der Priester seine Talente in einem Kloster weiter ausbauen zu lassen. Damit konfrontiert er eines Abends Raimund’s Vater, der sich auf ihn stürzt und zu Tode prügelt. Raimund flieht mit seiner Mutter und seinen Schwestern. In eben diesem Kloster findet er Aufnahme. Herangewachsen, darf er als Kaplan Abt Artaud auf dessen Bitte hin zum Konzil nach Clermont begleiten. Dort ruft Papst Urban II. zum Kreuzzug nach Jerusalem auf, um die dortigen Christen von der Herrschaft Andersgläubiger zu befreien. Raimund hat sich immer schon gewünscht, mehr von der Welt zu sehen und so zaudert er nur kurz als er von Graf Raimund IV. von Toulouse die Aufforderung erhält, ihn auf diesem Kreuzzug als Chronist zu dienen. Doch bis nach Jerusalem ist es ein langer, anstrengender, entbehrungsreicher Weg mit zahlreichen Kämpfen und hohen Verlusten.


Im Buch „Chronist“ lässt Matthias Wenzel Geschichte lebendig werden. Wer nachliest, sieht schnell, dass er sehr viel der tatsächlichen Ereignisse in seinem Roman eingesponnen hat.  Detailliert beschreibt der Autor das tägliche Leben der Personen während des Kreuzzugs, vom Fußvolk bis hin zu den Rittern. Er schildert das Vorwärtskommen des Trosses auf den Pilgerabschnitten und Besonderheiten eines so großen Menschenzugs bei einer Rast. Sein Fokus liegt stets auf der Person des Chronisten Raimund. So nimmt der Leser an dessen Auseinandersetzungen um die Sinnhaftigkeit des Kreuzzugs teil. Denn am Anfang zweifelt Raimund nicht daran, dass seine Bemühungen mit der Erlösung von jeder Schuld belohnt werden, wie der Papst es in seiner flammenden Rede in Clermont versprochen hat. Doch nachdem zunächst die Armen und Kranken unter den Reisenden durch Übergriffe und Entbehrungen Opfer werden, nimmt das Blutvergießen durch Kämpfe immer mehr zu und sowohl Heiden wie Christen finden ihren Tod. Auf der langen Reise begegnet Raimund Andersgläubigen, die ihm von ihrer Religion erzählen, die er gar nicht so verschieden von seiner eigenen findet, so dass er zunehmend darüber nachdenkt, ob es all der Toten bedarf um Schulderlösung zu finden. Zu einer Frau in seiner Nähe entwickelt er Gefühle, die er als Mönchsbruder nicht haben dürfte. Mit Feinsinn entwickelt der Autor hier eine Liebesgeschichte. Hiervon hätte ich mir unter den Randfiguren wie beispielsweise den mitreisenden Zofen der Gräfin von Toulouse noch etwas mehr gewünscht. Die einzelnen Kapitel sind zur besseren Orientierung jeweils mit dem Ort und der Jahreszahlt versehen, ein Kapitelverzeichnis befindet sich vorne im Buch. Eine Betitelung der Kapitel hätte ich besser gefunden. Die Geschichte ist in modernem Deutsch geschrieben, auch in der gesprochenen Sprache. Durch einfache, aber ausführliche Beschreibungen ist es leicht der Erzählung zu folgen. Das Buch kann ich jedem Leser von historischen Abenteuerromanen empfehlen. 

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