Montag, 21. Oktober 2013

[Rezension] Zu zweit tut das Herz nur halb so weh von Julie Kibler



☆ Inhalt ☆


Schon seit Jahren kümmert sich die farbige Dorrie jede Woche um die Haare der weißen Isabelle, die bereits 90 Jahre alt ist. Eines Tages bittet Isabelle Dorrie, sie zu einem wichtigen Termin quer durch Amerika, von Texas nach Cincinnati, zu fahren. Dorrie willigt ein, und die beiden Frauen begeben sich auf die mehrtägige Reise. Während Dorrie per Telefon mit ihren zwei Kindern und ihrem neuen Freund in Kontakt steht und auf diesem Weg mit diversen Problemen konfrontiert wird, beginnt Isabelle, ihr ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Sie wuchs in einem Stadtteil in Kentucky auf, in dem Farbige sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aufhalten durften. Dort verliebte sie sich Ende der 1930er Jahre in den farbigen Hausangestellten ihrer Eltern. Konnte ihre Liebe überhaupt eine Zukunft haben?

☆ Meinung ☆


Die Geschichte beginnt in der Gegenwart aus der Sicht Isabelles. Sie blickt darauf zurück, wie sie Dorrie kennen lernte. Inzwischen ist sie fast zu ihrer Tochter geworden, weshalb sie den Entschluss fasst, Dorrie um ihre Begleitung bei der bevorstehenden Reise zu bitten. Warum glaubt Isabelle, dies nicht alleine zu schaffen? Meine Neugier war geweckt.

Auf dem folgenden Roadtrip wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Frauen beschrieben. In der Gegenwart übernimmt Dorrie die Erzählung. Sie berichtet von den Ereignissen auf der Fahrt und ihren nicht ganz undramatischen Gesprächen mit Sohn und Freund per Telefon. Isabelle hingegen blickt in ihre Vergangenheit zurück, beginnend mit dem Jahr 1939. Gemeinsam mit Dorrie fragte ich mich, warum Isabelle ihre Geschichte ausgerechnet während der Fahrt erzählt. Gibt es eine Verbindung zum aktuellen Geschehen? Beide Erzählebenen haben mir gut gefallen, wobei Isabelles Geschichte mich nachhaltiger beschäftigt hat. Die ständigen Zeitsprünge werden durch kurze Kapitel ausgeglichen, sodass ich stets den Überblick behalten konnte, an welchem Punkt in der Vergangenheit und der Gegenwart die Geschichte sich gerade befindet.

Dorrie und Isabelle stehen in der Geschichte klar im Mittelpunkt. Beide erlebte ich als starke, authentische Frauen, die im Leben so manchen Fehler gemacht haben und daran gewachsen sind. Dorries Situation ist in der heutigen Zeit sicherlich kein Einzelfall. Als alleinerziehende Mutter fragt sie sich, ob sie die Beziehung zu ihrem neuen Freund intensivieren sollte. Außerdem scheint ihr Sohn ihr etwas zu verheimlichen. Im Vergleich dazu ist Isabelles Geschichte außergewöhnlich. 1939 herrschte eine große Kluft zwischen Schwarz und Weiß, und die Liebe einer Weißen zu einem Farbigen war in den Augen vieler Personen schlichtweg unmöglich und verboten. Es entsteht ein facettenreiches Bild der damaligen Zeit. Der Leser lernt verschiedene Charaktere kennen, die dieser Liebe mehr oder weniger ablehnend gegenüberstehen. Ich zitterte um Isabelles Glück und durchlebte mit ihr Höhen und Tiefen, dramatische und überraschende Momente. Auch wenn die Geschichte meist sachlich bleibt, konnte nachvollziehen, wie Isabelle sich gefühlt haben muss und von ihrer Erzählung berührt werden. Ihre Geschichte ist ein Einzelfall, welcher den Leser jedoch über die generelle Kluft zwischen Schwarz und Weiß in der Vergangenheit und auch heute nachdenken lässt.

„Zu zweit tut das Herz nur halb so weh“ erzählt von einer Reise zweier ungleicher Frauen. Während Isabelle in die Vergangenheit blickt und mich mit ihrer Geschichte berühren konnte, hat mir Dorries aufrichtige Art in der Gegenwart gefallen. Mit seinen ruhigen Tönen, emotionalen und dramatischen Momenten konnte mich dieser Roman überzeugen.


Weitere Informationen zum Buch


Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Preis: 16,99 Euro
Erscheinungsdatum: 20. August 2012
Verlag: Pendo
Link zur Buchseite des Verlags
Coverquelle: http://www.piper.de/typo3temp/pics/3308e6aeac.jpg

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