Donnerstag, 9. Januar 2014

Blogtourbeitrag zu Anna Seidls Buch "Es wird keine Helden geben"




Das Buch "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl beginnt mit einem Amoklauf an einer unbenannten Schule in Deutschland. Kurz nachdem zwei Schüsse gefallen und das Schniefen und die Schritte des Gewalttäters auf dem Flur verhallt sind, traut die Protagonistin Miriam sich aus ihrem Versteck heraus und schaut auf den Flur. Sie sieht ihren Freund schwer verletzt auf dem Boden liegen. Doch ihre Angst vor dem Mörder ist zu groß, sie traut sich nicht, ihm zu Hilfe zu eilen. Wir haben versucht, nach Erklärungsansätzen für Miriams Verhalten zu suchen.  

Warum ist Miriam nicht zu Tobi geeilt und hat ihm geholfen, warum ist sie nicht zum Helden für ihn (und dann auch für andere) geworden?


Auf Wikipedia haben wir zunächst geschaut, was ein „Held“ ist. Dieser definiert sich in einer aktuellen Begriffsbestimmung folgendermaßen:  „Helden sind Männer (oder seltener Frauen), die für Andere oder im Namen einer Idee große Taten vollbringen und dabei ihr Leben wagen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Held)

Als Miriam jedoch ihren Freund Tobi auf dem Boden liegen sieht, während der Amokläufer sich noch in der Nähe befindet, setzt sie nicht ihr Leben aufs Spiel und wird nicht zum Helden. Stattdessen verharrt sie in ihrem Versteck. Was hat sie dazu bewegt, diese Entscheidung zu treffen? War sie einfach viel zu geschockt, um einen Entschluss zu fassen und hat deshalb nichts getan? Oder war in diesem Moment ihr eigenes Bedürfnis, am Leben zu bleiben stärker als die Möglichkeit, dass sie Tobis Leben durch den Einsatz ihres Lebens vielleicht noch retten kann? 

Im Allgemeinen steht nach dem Strafgesetzbuch (§ 323c) auf unterlassene Hilfeleistung eine Strafe, jedoch auch nur, wenn dabei das eigene Leben nicht in Gefahr ist. Darüber dürfte sie in diesem Moment allerdings nicht nachgedacht haben. Ihre Gedanken arbeiteten fieberhaft und sie war hin und her gerissen, ob sie zu ihrem Freund rennen sollte. Ihr Verhalten entspricht der ersten Phase einer akuten Belastungsreaktion. Unter anderem kommen „… dissoziative Symptome vor, also das Gefühl, nicht man selbst zu sein oder alles wie durch einen Filter oder eine Kamera zu erleben…“(http://de.wikipedia.org/wiki/Akute_Belastungsreaktion).

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Verlauf einer Akuten Belastungsreaktion:

1. Akutphase: setzt mit dem Erleben der belastenden Situation ein und dauert Stunden, Tage, eventuell Wochen 
2. Verarbeitungsphase: im Anschluss an die Akutphase, dauert bis zu vier Wochen, bei längeren Andauern spricht man von Posttraumatischer Belastungsstörung

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Was folgt, kann man schlichtweg damit beschreiben, dass ihre Gefühle Achterbahn gefahren sind. Grundsätzlich ist es so, dass vor einer Hilfeleistung ein Abwägen der Kosten und Nutzen erfolgt. In lebensgefährlichen Situationen entscheiden Menschen allerdings spontan und ihre Handlungen sind plötzlich und unerwartet (Zimbardo, Psychologie, 5. Aufl., S. 374).

Letztendlich können wir nicht sagen, was Miriam dazu bewegt hat, zu verharren und keine Hilfe zu leisten. Doch mit ihrer Entscheidung hat sie sicherlich keine Schuld auf sich genommen. Nicht sie und auch sonst niemand konnte etwas dafür, dass sie sich in der Toilette verstecken konnte und ihr Freund Tobi sich auf dem Gang befand. Wäre sie eingeschritten, hätte sie im schlimmsten Fall nur ihr Leben gelassen, ohne dass es etwas an Tobis schwer verletztem Zustand geändert hätte. Sicherlich wäre diese Tat eine große Geste von ihr gewesen – doch nicht jeder wird in einer solchen Situation zum Helden.

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Unsere Rezensionen zum Buch von Anna Seidl: Es wird keine Helden geben findet ihr hier:
Hannas Rezension: KLICK!
Ingrids Rezension: KLICK!

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Am heutigen Tag erscheinen noch sehr interessante weitere Blogbeiträge zum Buch zu den Themen Liebe, Wut, zwei Interviews mit der Autorin und anderes. Diese Beiträge findet ihr hier:

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Noch bis Freitag, 10.01.2013 könnt ihr euch bei Interesse für die Lovelybooks-Leserunde zum Buch bewerben. Zur Leserunde gelangt hier hier: KLICK!

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 Ab dem 10.01.2013 könnt ihr hier auf unserem Blog und auf allen an der Blogtour teilnemenden Blogs an einem Gewinnspiel teilnehmen. Pro Person könnt ihr allerdings nur 1x insgesamt gewinnen. Die Auslosung erfolgt daher zentral um Mehrfachgewinne zu vermeiden.

Auf unserem Blog werden wir 10 von der Autorin Anna Seidl signierte (!) Bücher "Es wird keine Helden geben" verlosen.

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