Donnerstag, 3. April 2014

[Rezension] Kai Meyer - Phantasmen

Titel: Phantasmen
Autor: Kai Meyer
Erscheinungsdatum: 14.03.2014
Verlag: Carlsen Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Buchausgabe Hardcover mit Schutzumschlag
(Haupt-) Handlungsort: Wüste von Tabernas (Spanien)
Handlungszeit: Gegenwart

Hannas Rezension zum Buch: KLICK!



Das Buch „Phantasmen“ von Kai Meyer ist ein Endzeitthriller. Der Titel bedeutet in seiner Übersetzung aus dem Altgriechischen soviel wie Erscheinungen, Vorstellungen oder auch Geister. Und genau solche Erscheinungen sind der Auslöser von Millionen von Todesfällen über die ganze Welt. Das Cover zeigt dazu einige Gesichter, die starr in die gleiche Richtung schauen, wie in dieser Erzählung in der es darum geht, dass an einem Tag plötzlich die Geister der Verstorbenen an der Stelle ihres Todes zum ersten Mal erschienen sind. Die Geister strahlen von innen heraus ein helles Licht aus, doch sie bieten keinen körperlichen Widerstand. Kontinuierlich erscheinen im weiteren Zeitablauf nicht nur die aktuell Gestorbenen, sondern ab diesem sogenannten Tag Null rückläufig auch die Verstorbenen der Vergangenheit.

Die 19 jährige Rain und die 17 jährige Emma sind Schwestern, die vor drei Jahren ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz über der Wüste von Tabernas in Spanien verloren haben. Die beiden konnten sich ausrechnen, an welchem Tag die Geister ihrer Eltern an der Absturzstelle erscheinen würden und haben sich deshalb mittels Pkw von England aus auf die Reise gemacht. Doch während die Geschwister im Pulk der Geister nach ihren Eltern suchen, beginnen diese plötzlich zu lächeln und dieses Lächeln wirkt auf unerklärliche Weise tödlich. Wie sich herausstellt, hält es eine gewisse Zeit an und beginnt wieder nach einigen Stunden. Emma bemerkt auf ihre recht unprätentiöse Art, dass zwölf Geister der Passagiere fehlen. Kurz nachdem der junge Norweger Tyler an der Absturzstelle mit seinem Motorrad erscheint, um sich von seiner verstorbenen Freundin zu verabschieden, tauchen Scheinwerfer am Horizont auf, die zu Fahrzeugen einer Gruppe Söldner gehören. Die drei ergreifen gemeinsam die Flucht. Langsam schleicht sich bei den Geschwistern die Vermutung ein, dass der Flugzeugabsturz kein Unfall gewesen sein kann. Sie machen sich auf die Suche nach den Hintergründen und es beginnt eine dramatische Flucht vor den Söldnern und Geistern. 

Die Frage, was die Geistererscheinungen und schließlich das Lächeln der Geister ausgelöst hat, steht beim Lesen ständig im Raum. Die Idee dahinter, die Menschheit damit auszulöschen, ist für mich neu. Keine Maschine, kein Medikament, ganz zu schweigen von einem neuen Gesetzeserlass kann den Untergang aufhalten. Welche Chance, die Katastrophe zu überleben, haben also Rain, Emma und Tyler, wenn sich die Erde zunehmend mit Geistererscheinungen füllt? Die alleinige Vorstellung des Szenarios in der Realität ist horrend und macht auf eine gewisse Weise Angst.

Die Eltern von Rain und Emma waren Entwicklungshelfer. Die Arbeit stand immer im Vordergrund, so dass die Geschwister hauptsächlich in der Obhut ihrer Großeltern aufgewachsen sind. Doch Rain eckte mit ihren Einstellungen ständig an und kam in diesem Umfeld nicht besonders gut zurecht. Emma dagegen verweigert seit dem Tod der Eltern, ihre Gefühle nach außen hin zu zeigen. Rain fühlt sich zum Teil dafür verantwortlich, das sie Emma in dieser schwierigen Phase allein gelassen hat. Denn um dem ständigen Ärger mit ihren Großeltern zu entgehen, macht Rain sich auf nach Afrika. Die Spannung konnte durch den Rückblick von Rain auf die Erlebnisse in Afrika nochmal gesteigert werden. Denn was sie dort erlebt hat endete in einer Katastrophe und basierend darauf hat Rain regelmäßig Alpträume. Bei ihrer scheinbar aussichtslosen Flucht hat sie ein Déjà-Vu, so dass sie plötzlich nicht mehr weiß, ob sie noch in der Realität weilt oder in einem ihrer Träume. Nur der Charakter von Tyler in Verbindung mit der Liebe zu seiner Freundin Flavie konnte mich nicht vollends überzeugen. Hier fehlte mir ein wenig die Erklärung für die starke Bindung der beiden zueinander. 

Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Die Szenarien konnte ich mir gut vorstellen, vor allem das Geisterlicht, das sich über die Weltkugel verteilt und an bestimmten Stellen wie z.B. Großstädten sammelt, fand ich in meiner Vorstellung beeindruckend. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene die Endzeitromane mögen, werden dieses Buch gerne lesen. Von mir gibt es dafür 4,5 Sterne, die ich auf 5 aufrunde.

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