Montag, 28. April 2014

[Rezension] Wolf Serno - Der Medicus von Heidelberg

Titel: Der Medicus von Heidelberg
Autor: Wolf Serno
Erscheinungsdatum: 03.03.2014
Verlag: Knaur Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
Rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
(Haupt-) Handlungsort: Siegershausen und Basel (Schweiz), Erfurt, Heidelberg
Handlungszeit: 1500 bis 1507



„Der Medicus von Heidelberg“ von Wolf Serno entführt den Leser in die Welt des Jahres 1500. Eine schwarz-weiß Lithografie der Stadt Heidelberg ziert das Cover, ein Heilkraut mit blauen Blüten bietet einen farblichen Kontrast dazu. Beides untermalt den Titel und lässt den Leser wissen, dass es sich um einen historischen Roman handelt, auch wenn dies nicht auf dem Umschlag aufgedruckt ist. Das Buch untergliedert sich in die drei größeren Abschnitte „Der Magister“, „Der Studiosus“ und „Der Medicus“. Jeder Teil beinhaltet einen wichtigen Lebensabschnitt des Lukas Nufer aus Siegershausen im schweizerischen Kanton Thurgau, dem Protagonisten der Erzählung.

Lukas ist 14 Jahre alt im Jahr 1500. Seine Stiefmutter bekommt ein Kind, doch dieses hat sich nicht in die normale Geburtsposition gedreht. Lukas‘ Vater ist Kaponenmacher. Nachdem er um den Tod seiner Frau fürchtet, beschließt er sein blitzsauberes Werkzeug zu einer Schnittentbindung einzusetzen. Es ist der erste historisch verbürgte Kaiserschnitt! Die Geschehnisse, bei denen Lukas seinem Vater assistiert, geben letztlich den Ausschlag dafür, dass er Medicus werden möchte. Doch als Rüstzeug dazu ist zuerst einmal ein Studium der Künste notwendig. So geht Lukas nach Basel um dort vier Jahre zu studieren und seinen Magistertitel zu erhalten. Auf Empfehlung seines Professors macht er sich auf den gefahrvollen Weg nach Erfurt zum Studium der Medizin. Auf der Kutschfahrt entlang des Rheins Richtung Norden lernt er bei einem räuberischen Überfall Odilie kennen, die Tochter des Kürfürsten von der Pfalz, in die er sich verliebt. Er verspricht, sie zum väterlichen Schloss nach Heidelberg zu bringen, bevor er seine Reise nach Erfurt fortsetzt. Doch nicht nur hierbei, sondern auch in Erfurt und später wieder in Heidelberg gerät er in bedrohliche Situationen durch weitere Anschläge auf sein Leben oder Krankheiten, deren Heilungsmöglichkeiten damals beschränkt waren.

Die gesamte Geschichte ist in der Ich-Form aus Sicht von Lukas geschrieben. So bleibt der Leser stets an dessen Seite und teilt Freud‘ und Leid mit ihm. Die erste erfolgreich verlaufende und niedergeschriebene Schnittentbindung in der Geschichte der Medizin ist der Ausgangspunkt für die vorliegende Erzählung. Die Details dazu hat Wolf Serno akribisch recherchiert. Und nicht nur darüber, im Laufe des Romans beschreibt der Autor einige Methoden der damaligen Heilkunst, bei denen die Aufgaben unter verschiedenen Berufen aufgeteilt waren. Aber auch über das Gebiet der Heilkräuterkunde ist einiges zu erfahren. Bis heute werden die Kräuter entsprechend eingesetzt. Manch bekannter Name historischer Persönlichkeiten fällt denn auch in diesem Zusammenhang wie beispielsweise der der Hildegard von Bingen. Auch im Roman selbst spielen einige Personen mit, die tatsächlich gelebt haben, allen voran Martin Luther dem Lukas fiktiv in Erfurt begegnet ist und den er zu seinen Freunden zählte. Gerade im mittleren Teil stockt die Geschichte jedoch und kommt aufgrund der etwas langatmigeren Erläuterungen zu medizinischen Details nicht recht voran. Wer aber Interesse an der damaligen Ausführung von Medizin hat, wird hier bestens bedient.

Lukas ist ein großer Sympathieträger, dem man zunächst die hochnäsige Odilie nicht an seiner Seite wünscht. Doch sie ändert ihr Verhalten und nun hofft auch der Leser auf eine gemeinsame Zukunft der beiden. Lukas immer zur Seite steht Schnapp, ein junger Hund den er in den Trümmern von Basel findet und in seine Obhut nimmt. Nicht nur daran, sondern auch im Verhalten zu seinen Freunden, erkennt der Leser sein großmütiges Wesen, das ihn manches Mal eigene Restriktionen in Kauf nehmen lässt. 

Insgesamt gesehen ist der Roman von großem Unterhaltenswert und weiß den Leser von Beginn an, wohl auch durch den guten, flüssig zu lesenden Sprachstil, mit entsprechenden Beschreibungen in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Bis auf den bereits oben kritisierten Mittelteil und das unerwartet kurze, aber die Vermutung auf eine Fortsetzung gebende Ende, hat mir die Geschichte gut gefallen.

1 Kommentar:

  1. Der Autor hat schon einmal einen Roman mit Fortsetzung geschrieben. Nach "Der Chirurg von Campodius" kam "Der Wanderchirurg", die mir beide gut gefallen haben.

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