Donnerstag, 22. Mai 2014

[Rezension] Judith Winter - Siebenschön

Titel: Siebenschön
Autorin: Judith Winter
Erscheinungsdatum: 24.01.2014
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Frankfurt am Main
Handlungszeit: 27.10.-24.11.2012



Mit „Siebenschön“ hat Judith Winter einen spannenden, wohldurchdachten Debütthriller geschrieben. Die Blutspritzer auf dem Cover geben dem Leser bereits einen Hinweis darauf, dass die Autorin in ihrer Szenenbeschreibung nicht zimperlich vorgeht. Das Wort für  Schmetterling im Altgriechischen ist Psyche, so dass die Titelseite bereits als eine Anspielung darauf gesehen werden kann, dass das Buch auf eine gewisse Weise in die Gefühlswelt einer handelnden Person, sei es Ermittler, Opfer oder Mörder führen wird. Und schön ist er, dieser Schmetterling auf dem Cover, der damit in Bezug steht zum Titel, der sich aus der Nummerierung der Opfer herleitet. 

Emilia Capelli ist Hauptkommissarin in der Abteilung für Kapitaldelikte in Frankfurt. Ihr Partner hat Vaterschaftsurlaub genommen. Sie kann es kaum glauben, ist doch ihre eigene Beziehung gerade erst in die Brüche gegangen. Doch aufgrund dessen erhält sie eine neue Partnerin, wobei sie eigentlich damit gerechnet hat, dass einer ihrer Bekannten diese Position einnehmen wird. Doch dann wird ihr Mai Zhou zugewiesen, die gerade erst von einer mehrmonatigen Fortbildung beim FBI in Quantico/USA zurück ist. Direkt an deren ersten Tag werden die beiden konfrontiert mit dem Mord an einer jungen Frau, die in einer nicht eingeschalteten Tiefkühltruhe in einer verlassenen Lagerhalle gefunden wird. Der Fund ist nur möglich, weil der Täter der Grafikerin Christina Höffgen einen Brief mit entsprechenden Hinweisen geschrieben hat, den diese beim Heimkommen auf ihrem Wohnzimmertisch bei der Tagespost vorfand. Doch dies ist nicht der einzige Mord. Schon bald ergibt sich aus den Tatorten, der Totdesart und den Hinweisen bei den Leichen die Ahnung auf ein bestimmtes Schema. Doch wenn Emilia und Mai nicht die richtigen Schlüsse ziehen, wird es bald wieder einen neuen Mord geben …

Judith Winter stellt in diesem Thriller ein eher ungewöhnliches Ermittlerduo vor. Emilia Capelli, 28 Jahre, wird gerne von ihrer aus Italien abstammenden Familie mit kleinen Hilfsdiensten beauftragt, was ihr gar nicht recht ist, da sie sich stark in ihrem Beruf engagiert. Mit Frauen arbeitet sie grundsätzlich nicht gerne zusammen. Ihr Eigensinn ist im Team bekannt, doch sie ist beliebt, auch weil ihre eigene Vorgehensweise oftmals zum Erfolg führt. Ihre neue Partnerin Mai Zhou wurde von ihrem aus Hongkong stammenden Vater zur Zurückhaltung und Höflichkeit erzogen. Mit diesen Charaktereigenschaften steht sie sich in ihrer Eigenschaft als Ermittlerin manches Mal selbst im Weg. Auch Emilia vermutet am Anfang, dass sie aufgrund ihrer Abstammung etwas anderes äußert als das, was sie denkt. Beide Frauen verbinden ihr scharfer Verstand und eine hohe Motivation für ihre Arbeit. Sie müssen eine gemeinsame Linie finden um die ihnen anvertrauten Fälle zu lösen. Im Laufe der Ermittlungen lernen sie die jeweilige Arbeitsweise der Partnerin besser kennen. Doch zum gegenseitigen Vertrauen ist es noch ein langer Weg.

Der Thriller startet gleich zu Beginn mit einem Mord. Doch noch kann der Leser diesen nicht in das Schema einordnen nach dem der Täter vorgeht. Für Emilia und Mai deutet die erste Nachricht, die Christina Höffgen erhält, darauf hin, dass die Tote bereits das siebte Opfer ist. Der Leser muss sich ebenso wie die Ermittlerinnen fragen, und wie viele es noch geben wird bis der Täter gefasst ist. Bald schon wird klar, dass alle Ermordeten mit einem Mann bekannt waren. Personen aus seinem Umfeld werden befragt. Für mich als Leser stand dabei immer die Frage im Raum, ob ich gerade dem Mörder begegne. So ist der Thriller von Beginn an spannend.  Der Spannungsbogen bleibt aufgrund des klugen Aufbaus der Konstruktion hoch. Emilia scheint eine Lösung vor Augen zu haben, kann sie aber noch nicht fassen und trotz Mitdenkens kommt auch der Leser der Aufklärung nicht näher. Die Szenenbeschreibungen beim Auffinden der Leichen sind gut vorstellbar, aber blutig. Mir das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne an Thrillerleser mit guten Nerven weiter. Ich freue mich schon auf den zweiten Band "Lotusblüte" der im Februar 2015 bei dtv erscheinen wird.

Interesse an einer zweiten Meinung? 
Hannas Rezension zum gleichen Buch findet ihr hier: KLICK!

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