Montag, 5. Mai 2014

[Rezension] Nicola Förg - Scheunenfest

Titel: Scheunenfest (Band 6 der Serie um die Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl)
Autorin: Nicola Förg
Erscheinungsdatum: 10.03.2014
Verlag: Piper Verlag (Link zu Buchseite des Verlags)
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Handlungsort: Oberbayern (Unterammergau und Umgebung) sowie Norwegen
Handlungszeit: Gegenwart



„Scheunenfest“ von Nicola Förg ist der nun bereits sechste Fall für die Kommissarin Kathi Reindl und ihrer Vorgesetzten Irmi Mangold. Doch zuerst sieht es so aus, als ob Kathi den neuen Fall allein mit ihrer Kollegin Andrea aufklären muss, denn Irmi macht Urlaub im Norden Norwegens. Hier macht sie eine Auszeit von ihrem letzten Fall, der ihr psychisch sehr zugesetzt hat. Doch als Kathi Irmi anruft, erwacht schnell wieder deren Kriminalistensinn.

In Unterammergau ist eine Tenne abgebrannt. Im darin befindlichen alten Holzhochsilo werden zwei Frauenleichen gefunden und, wie sich später herausstellt, auch eine tote Katze. Gerät man in Bodennähe des Silos, stirbt man schon nach kurzer Zeit an den Gärgasen. Eine der toten Frauen war Pflegerin des alten Bauern und seiner Frau, denen der Hof gehört. Für Kathi und der aus dem Urlaub zurückgekehrten Irmi stellt sich nicht nur die Frage danach, welche Identität die zweite Tote hat, sondern ob die Frauen versehentlich ins Silo gerieten oder hineingestoßen wurden. Weitere Fragen wirft eine Phosporbombe auf, wie sie im zweiten Weltkrieg verwendet wurde, die in der Tenne platziert war. In der Familie des Bauern begegnen den beiden Ermittlerinnen Hass und Missgunst. Und erst nach mühsamer Kleinarbeit kommen sie einem alten Familiengeheimnis auf die Spur, das eventuell zur Aufklärung des Falls beitragen könnte.

Ich habe bisher noch keinen Krimi dieser Ermittlerinnen-Reihe gelesen. Doch die Autorin hat entsprechend fehlendes Vorwissen geschickt in den Roman eingebaut, so dass sich für mich letztlich ein rundes Gesamtbild ergeben hat. Von Beginn an merkt man, dass die beiden Vermittlerinnen vertraut im Umgang miteinander sind. Sie ergänzen sich in ihren Eigenschaften sehr gut. Irmi ist die etwas Ältere der beiden und eine typische Dorfbewohnerin. Sie ist geschieden, kinderlos und wohnt zusammen mit ihrem Bruder. Sie kann gut mit anpacken und bringt in ihre Ermittlungsarbeit nicht nur das Wissen über die örtlichen Gepflogenheiten, sondern auch Kenntnisse über handwerkliche Tätigkeiten mit. Kathi ist dagegen ein leicht aufbrausender Typ. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und ist oftmals erschreckend ehrlich, jedoch nicht nachtragend. Zum Glück weiß Irmi Kathis Temperament stets schnell abzukühlen. 

Neben der Liebe zur Heimat fühlt man durch die begeisterte Beschreibung der Landschaft und so mancher norwegischer Eigenheit in diesem Krimi auch ein Faible der Autorin zu Norwegen. Doch unterbrochen wird die Schwärmerei durch viel ernstere Themen, die sich bei der Aufklärung des Falls ergeben. Die Autorin hat dazu sehr gut recherchiert. Feindlichkeiten, die sich aus der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, sei es durch örtliche Verbundenheit oder im größeren Maß ethnisch, werden hier angesprochen. Einen kritischen Blick wirft sie aber auch auf die Probleme junger Osteuropäerinnen, die als Pflegerinnen auf Zeit nach Deutschland kommen. 

Trotz der ernsten Hintergründe war der Krimi sehr unterhaltsam und vom Schreibstil her mühelos zu lesen. Eingeflochtene Wortwechsel im bayrischen Dialekt wirkten auflockernd. Dank einiger unerwarteter Wendungen konnte auch die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten werden. Mir hat es insgesamt sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch gerne an Leser von guten Krimis weiter.


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