Mittwoch, 21. Mai 2014

[Rezension] Susanne Goga - Tod in Blau

Titel: Tod in Blau
Autorin: Susanne Goga
Erscheinungsdatum: 01.02.2014
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (Link zur Buchseite des Verlags
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Berlin
Handlungszeit: 1922

Bisher erschienen Bände der Serie "Ein Fall für Leo Wechsler":
  • Band 1: Leo Berlin (Rezension)
  • Band 2: Tod in Blau (Rezension siehe unten)
  • Band 3: Die Tote von Charlottenburg
  • Band 4: Mord in Babelsberg (Rezension)
Einen Beitrag zum historischen Hintergrund des Buches findet ihr hier.


Auch im Kriminalroman „Tod in Blau“ von Susanne Goga reist der Leser wie bereits im Vorgängerband der Serie rund um Kommissar Leo Wechsler wieder ins Berlin von 1922. Das Cover wurde passend zur Reihe wieder in schwarz-weiß gestaltet und nur der Mantel der jungen Frau im für diese Zeit typischen Schnitt mit Fellkragen farblich hervorgehoben. Der Roman führt zu Arnold Wegener, einem Maler, dessen Bilder teilweise auf die Gesellschaft verstörend wirken, denn sie zeigen Szenen in denen er bewusst Kontraste setzt. Teilweise führen diese den Betrachter in die Zeit des Ersten Weltkriegs zurück, in denen er gedient hat. Der Titel des Krimis bezieht sich auf eines seiner Werke, eigentlich nur eine Zeichnung, die er „Die blaue Stunde“ nennt und das eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen im Buch spielt.

Nur wenige Wochen nachdem Leo Wechsler und sein Team die Morde an einem Wunderheiler und einer älteren Prostituierten aufgeklärt haben, wird die Leiche von Carl Bremer, einem Ladenangestellten in einem Berliner Konfektionsgeschäft, aus dem Landwehrkanal gezogen. Der Mann ist ertrunken, weist aber eine Kopfverletzung auf, darum wird vermutet, dass Fremdeinwirkung vorliegt. Während Leo Wechsler und seine Kollegen nach einem Täter und dessen Motiv suchen, verbrennt in seinem Atelier der Maler Arnold Wegner. Kann es ein Unfall gewesen sein? Ein Brief aus der Wohnung von Bremer führt Wechsler zur Asgard-Gesellschaft, einer rechtsextremen Gruppierung die unter dem Deckmantel einer wissenschaftlichen Vereinigung agiert und in der viele Offiziere des Ersten Weltkriegs Mitglied sind. Die Bilder von Wegner sind der Gesellschaft ein Dorn im Auge. Besteht vielleicht hier ein Zusammenhang zum Verbrechen an Wegner? Nachdem die Ermittlungen in diesem Fall eher zäh voran gehen, findet sich endlich ein Hinweis auf einen möglichen jugendlichen Zeugen. Doch dieser hat ein Geheimnis zu wahren. 

Auch im Privatleben entwickelt Susanne Goga ihre Figur Leo Wechsler weiter. Nachdem er im ersten Band die Buchhändlerin Clara kennengelernt hat, vertieft sich die Beziehung zu ihr zunehmend, bis er durch Zufall mit ihren geschiedenen Mann zusammentrifft. Die Begegnung stellt die Freundschaft von Clara und Leo auf einen Prüfstein.

Auch im zweiten Fall für Leo Wechsler weiß die Autorin die historischen Begebenheiten wieder gekonnt in das Umfeld des Krimis einzubauen. Sie nimmt den Leser mit in wohlhabende Adelskreise wie auch zu den Armen der damaligen Gesellschaft, die durch ihre Arbeit kaum ihre Familie ernähren können und die auf kleinstem Raum leben. Geld wird immer weniger wert, sparen lohnt sich nicht mehr. Stattdessen gehört der Kauf von Bildern zu einer guten Geldanlage, weswegen die Kunst an Bedeutung gewinnt. Nach Arbeitsschluss geht man gern noch auf ein Bier aus oder ins Café. Theater, Kleinkunst und Kinobesuche sind auch für weniger Betuchte erschwinglich und eine nette Abwechslung. 

Leider wird der Fall des Toten aus dem Landwehrkanal nicht vollständig aufgeklärt. Insgesamt ist der Krimi jedoch von Beginn an spannend aufgebaut. Das Tatmotiv bleibt lange im Dunkeln, so dass der Spannungsbogen aufrechterhalten wird. 

Tod in Blau ist ein lesenswertes Buch, dessen Lesevergnügen noch dadurch gesteigert werden kann, wenn man den ersten Band bereits kennt. 

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