Freitag, 13. Juni 2014

Interview mit der Autorin Rebecca Michéle zu ihrem neuen Buch "Im Schatten der Vergeltung"

Foto: von der Autorin zur Verfügung gestellt


Weitere Informationen zur Autorin und zu ihrem Roman "Im Schatten der Vergeltung":

Liebe Frau Michéle, zuerst möchte ich Sie kurz unseren Lesern vorstellen:

Rebecca Michéle wurde 1963 im Baden-Württembergischen Rottweil geboren und ist dort aufgewachsen. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Stuttgart. 1996 wurde ihr erster Roman veröffentlicht. Seither wurden weitere 27 Romane bei unterschiedlichen Verlagen in den Genres Historischer Roman, Historischer Liebesroman, Liebesroman, Krimi, Familiensagas und – geschichten publiziert. Einige Romane von ihr erscheinen unter Pseudonym. Nach ungefähr 20 Jahren als Angestellte ist Rebecca Michéle seit 2000 freie Autorin. Neben dem Schreiben widmet sie sich bereits seit 1986 dem Turniertanz und ist auch als Tanzsporttrainerin tätig. Gerne organisiert sie für Reisegruppen ihrer Heimat Fahrten nach Großbritannien und Irland und leitet diese vor Ort.


  • Bitte erläutern Sie doch unseren Lesern wie es zu dem Pseudonym Rebecca Michéle kam und warum Sie noch unter weiteren Namen veröffentlichen.


Als ich 1996 meinen ersten Roman veröffentlichte, hieß ich wirklich Michéle, dieser Teil des Namens ist also kein Pseudonym. Da mein Roman aber in England spielt und mein wahrer Vorname so richtig schön typisch deutsch ist, war es der Wunsch des Verlages, einen Vornamen zu wählen, der auch englisch sein könnte. Da ich seit meiner Kindheit den Roman und den Film Rebecca (von Daphne du Maurier) liebe und ich mir immer wünschte, wenn ich eine Tochter haben sollte, diese Rebecca zu nennen, war es eine Sekundenendscheidung, den Vornamen Rebecca zu wählen. An Rande: Das mit der Tochter hat nicht geklappt …

2001 heiratete ich dann und nahm den Nachnamen meines Mannes an, ließ allerdings Rebecca Michéle auf meinem Ausweis eintragen, weil ich bis dato bereits mehrere Romane unter diesem Namen veröffentlich hatte und natürlich keinen Wechsel wollte. Somit ist Rebecca Michéle kein klassisches Pseudonym, denn ich führe diesen Namen gleichbedeutend mit meinem anderen und trete in der Verlagswelt nur unter Rebecca Michéle auf.

Zu den weiteren Pseudonymen (Ricarda Martin, Michelle Ross und Mia Richter) kam es durch Genrewechsel meiner Geschichten. Hier wollten die jeweiligen Verlage die Pseudonyme, um die verschiedenen Genres klar voneinander zu trennen.


  • Ihre Bücher spielen fast alle in Großbritannien. Recherchieren Sie immer vor Ort?


Eigentlich ist es anders herum, zuerst war die Recherche, dann begann ich mit dem Schreiben. Seit meiner Kindheit bin ich von Großbritannien und britischer Geschichte fasziniert und las bereits als 12jährige die ersten Biografien von englischen Herrschern – bevorzugt aus der Tudorzeit. Mit zwanzig reiste ich dann zum ersten Mal auf die Insel und bin seitdem diesem Land verfallen J. Alle in meinen Romanen erwähnten Schauplätze habe ich mehrmals bereist, und mein Wissen über die historischen Hintergründe ist sehr umfangreich. Allein meine eigene Bibliothek über britische und irische Geschichte umfasst ca. 500 Bücher, Bildbände und sonstiges Material. 

Natürlich recherchiere ich bei jedem neuen Projekt die Feinheiten des historischen Hintergrundes erneut explizit, reise auch dann gezielt nochmal zu diesen Orten und lasse das Flair intensiv auf mich einwirken. 


  • Der Roman „Im Schatten der Vergeltung“ führt den Leser ins 18. Jahrhundert. Sie thematisieren dabei die Auswirkung der Niederschlagung des 2. Jakobitenaufstands. Wie kamen Sie auf dieses Thema? Wird der Leser auch historisch verbürgten Figuren begegnen?


Das Herrscherhaus der Stuarts war schon immer eines meiner geschichtlichen Lieblingsthemen. Und wenn man einmal auf dem Schlachtfeld von Culloden steht (ich war inzwischen 8 Mal dort), drängen sich diese furchtbaren Vorgänge einem einfach auf und lassen einem nicht mehr los. So war es nur ein kleiner Schritt, bis die Geschichte in meinem Kopf entstand. Allerdings wollte ich nicht direkt die Zeit des Jakobitenaufstandes beschreiben, weil es darüber auch schon viele Romane auf dem Markt gibt, sondern eher die Auswirkungen auf das einfache Volk in den Jahrzehnten danach. Darüber hinaus fand sich die Kombination von Schottland und Cornwall reizvoll, weil zwischen diesen Menschen ein großer Unterschied bestand und heute noch besteht. Ja, und schließlich sollte es auch eine Familiengeschichte werden, in der das Schicksal von drei Generationen zum Tragen kommt, das eng miteinander verknüpft ist.

Ja, einige historische Figuren spielen in dem Roman eine zentrale Rolle. Z.B. Robert Burns, der bekannte schottische Dichter, der zur Zeit meiner Geschichte aber noch am Anfang seiner Laufbahn steht, ebenso König Georg III, seine Ehefrau Charlotte, sowie sein Sohn George, der Prinzregent, der für sein ausschweifendes Leben und seine Liebe zu jungen, hübschen Frauen berühmt-berüchtigt ist. Die politischen Ereignisse, die während dieser Zeit stattfanden, bilden eine zentrale Rolle in meinem Roman und waren für einen stimmigen Plot unverzichtbar.


  • Welchem Ablauf beim Schreiben von der Idee zum Buch folgen Sie? Gehen Sie eher systematisch vor oder schreiben Sie erstmal drauflos?


Es gibt zwei Sorten von AutorInnen: Die einen planen und plotten bis ins letzte Detail, die anderen haben einen roten Faden und lassen dann der Geschichte beim Schreiben seinen freien Lauf. Ich gehöre zu der zweiten Kategorie. Zuerst war die grobe Handlung da, dann fing ich einfach an zu schreibe. Da Im Schatten derVergeltung mit 600 Buchseiten ein eher umfangreicher Roman ist, wusste ich auf den ersten 200 Seiten so manchen Handlungsstrang noch nicht. Irgendwann tippten mir dann Figuren auf die Schulter, erzählten mir ihre Erlebnisse und wollten in der Geschichte auch vorkommen. Diesen Wünschen habe ich gern entsprochen…;-)

Es kommt auch vor, dass ich einen Roman nicht von vorne bis hinten durchschreibe, sondern durchaus einzelne Szenen notiere, die ich dann später an den richtigen Stellen einbaue. Das bedeutete dann später eine sehr intensive und genau Überarbeitung, damit am Ende alles rund und stimmig ist.


  • Haben Sie zum Schreiben einen festen Schreibplatz und wenn ja, wie sieht dieser aus?


In der Regel arbeitete ich in meinem Arbeitszimmer, bei schönem Wetter auch mit dem Laptop im Garten. Das Arbeitszimmer hat nur ca. 8 qm² und beinhaltet meinen Schreibtisch und an den Wänden Regale mit Büchern und Aktenordnern. An der Tür hängt von außen ein Schild mit der Aufschrift: „Bitte nicht stören –in mir denkt’s“. Wenn die Tür geschlossen ist, bedeutete das für meinen Mann keinen Eintritt ;-).

Selten schreibe ich auch unterwegs und/oder im Urlaub. Dann sammle ich eher Ideen und notiere diese auch grob, die Ausfertigung erfolgt aber dann in alle Ruhe bei mir zuhause. Zum Schreiben brauche ich Ruhe und eine gewisse Regelmäßigkeit, dann flutschen die Wörter am besten aus meinen Fingern.


  • An wie vielen Büchern schreiben Sie gleichzeitig?


In der Regel schreibe ich immer nur an einem Manuskript, um in die Geschichte richtig eintauchen zu können. Dann werden die Charaktere auch fast wie reale Menschen für mich, die mich auch außerhalb der Schreibzeiten stets begleiten. Bei sehr umfangreichen Manuskripten (600 – 900 Seiten) arbeite ich jedoch bevorzugt mit Teillektoraten. Das heißt, dass ich ca. alle 150 – 200 Seiten diese dem Verlag zukommen lassen und auf ein Feedback warte, ob sich die Geschichte und die Charaktere sich gemäß den Vorstellungen des Verlages entwickeln. Dieses Feedback kann durchaus ein paar Wochen dauern. In dieser Zeit schreibe ich dann an einem anderen Roman die erste rohe Fassung, um die Zeit zu nutzen. Ein Wechsel findet also nur alle paar Wochen statt. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen, zeitgleich an zwei Werken gleichbedeutend intensiv zu schreiben.


  • Gibt es ein Genre in dem Sie nie schreiben werden?


Schon James Bond sagte: „Sag niemals nie!“ ;-). Als Autorin wie als Mensch entwickelt man sich weiter, lernt stetig dazu und wechselt auch seine Vorlieben bzw. Abneigungen. Daher ist die Frage nicht pauschal zu beantworten. Im Moment ist es so, dass ich zwar einige Bücher aus dem Bereich Fantasie sehr gern lese, mir selbst aber nicht vorstellen kann, selbst in diesem Genre zu schreiben. Das ist doch eine ganz eigene Welt, zu der ich nicht so richtig Zugang bekomme. Wer weiß jedoch, wie es in drei, vier oder fünf Jahren aussieht? Vielleicht schießt mir dann eine wirklich gute Idee durch den Kopf und ich wage mich auch an Fantasy.

Ansonsten bin ich offen, richte mich hier natürlich auch etwas nach den Verlagen. Derzeit schreibe ich ja historische Romane und zeitgenössische Krimis. Diese Abwechslung macht mir zu gleichen Teilen sehr viel Spaß.


  • Welches Genre lesen Sie selbst am Liebsten? Haben Sie ein Lieblingsbuch?


Wie oben erwähnt, wechselt auch das bei mir ständig. Generell lese ich quer Beet, wobei das Genre mir egal ist, der Schreibstil und die Geschichte muss mich einfach fesseln. Nach wie vor lese ich gern historische Romane vor dem Hintergrund der britischen Geschichte, wobei ich hier eher zu englischen Autoren und Autorinnen greife, die nicht ins Deutsche übersetzt werden, weil deren Hintergründe derart explizit sind und für Nicht-England-Kenner vielleicht nicht so interessant sind. Darüber hinaus nach wie vor geschichtliche Abhandlungen und Biografien.

Lieblingsbücher habe ich einige, denn Bücher, die mich einmal gefesselt haben, lese ich in Abständen immer wieder. Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste – ja, es gibt ein Buch, dass ich zum ersten Mal mit zwölf Jahren las und seitdem ca. alle 2-3 Jahre wieder: „Es muss nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel. Somit könnte das wohl als mein Lieblingsbuch bezeichnet werden.


  • In Ihrer Freizeit sind Sie begeisterte Turniertänzerin. War der Tanzsport schon einmal Thema in einem Ihrer Romane?


Ganz aktuell diese Tage ist der Roman „Rhythmus derLeidenschaft“ als E-Book bei dotbooks erschienen. Hier geht es nicht nur um große Gefühle, sondern es wird auch so Einiges aus „hinter den Kulissen“ des Tanzsportes geschildert, denn Turniertanz ist ein harter Leistungssport, auch wenn es oft nicht so scheint, da wir Tänzer und Tänzerinnen immer tolle Kleider tragen und auf den Fläche strahlend lächeln.

In den nächsten zwei Jahren ist ein Krimi geplant, in dem der Tanzsport ebenfalls eine tragende Rolle spielen wird.


  • Wenn Ihnen das Schreiben, Tanzen und Reisen noch etwas Zeit lassen, was machen Sie dann am Liebsten?


Natürlich lese ich in meiner Freizeit sehr viel und bewege mich gern an der frischen Luft. Wandern, Fahrradfahren, Schwimmen, im Winter auch Skifahren. Darüber hinaus liebe ich Gesellschaftsspiele jeglicher Art, treffe mich mit Freunden und bekoche diese auch sehr gern. Ich mag es, neue Kreationen auszuprobieren, ohne mich dabei streng an Rezepte zu halten.

Zusätzlich bin ich noch im Tierschutzverein unserer Stadt aktiv und arbeite mehrmals wöchentlich ehrenamtlich im Tierheim im Bereich der Katzenhilfe. Ich habe selbst zwei Stubentiger, denen ich gern und viel Zeit widme.


  • An welchen Buchprojekten schreiben Sie im Moment? Sind schon weitere Veröffentlichungen geplant?


Die Tage gerade abgeschlossen habe ich den 4. Band der Cornwallkrimi-Reihe mit Mabel Clarence und Victor Daniels (erscheint im September im Goldfinch-Verlag, Frankfurt). Mit Schreiben begonnen habe ich bereits mit einem historischen Roman, dessen Geschichte sich auf zwei Zeitebenen bewegt und ein langgehütetes Familiengeheimnis zum Inhalt hat (erscheint im Frühjahr 2015 im Dryas-Verlag, Frankfurt). Als nächstes steht dann auch schon der 5. Band der Cornwallkrimis auf dem Programm, danach der 3. Band der Lokalkrimis mit Schauplatz Rottweil, Baden-Württemberg. Weitere Romane sind in Planung, hier werden gerade die entsprechenden Verträge geschlossen. 

Ganz herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und weiterhin viel Erfolg! 
Ihre Ingrid Eßer

Ich bedanke mich ganz herzlich für die interessanten Fragen und hoffe, den Lesern mit dem Roman „Im Schatten der Vergeltung“ viele schöne Lesestunden zu bereiten.

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