Dienstag, 22. Juli 2014

[Rezension] David Gordon - Mystery Girl

Titel: Mystery Girl
Übersetzer: Stefanie Jacobs
Autor: David Gordon
Erscheinungsdatum: 14.07.2014
Verlag: Suhrkamp Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Los Angeles/USA
Handlungszeit: Gegenwart


Dieses Buch gab es als Überraschungsgewinn bei vorablesen.de zur Auszeichnung "Blog des Monats". Hierzu gab es als Vorgabe von vorablesen 5 Fragen zu beantworten:



1. Konnte man sich in die Charaktere hineinversetzen?

Nein, Ich konnte mich in keinen der Charaktere hineinversetzen, dazu sind sie einfach zu skurril. Es fehlte mir der Wille mich in Sam, der daran festhält, seine Texte auf seine 20 jährige erfolglose Art zu schreiben, in der übergewichtigen Solar, der unbeirrt zu seinem Umfang steht und in all die Sternchen der Pornoindustrie, die sich auf jegliche Art ins Bild setzen lassen, hineinzufühlen.

2. War der Spannungsbogen/die Erzählung überzeugend?

Zunächst kam Spannung auf durch den Aufbau der Geschichte, der in der Szene mit dem scheinbaren Selbstmord der mysteriösen Frau gipfelt. Doch schon während dieser Darstellung schweifte die Erzählung in ausführlichen Beschreibungen von Filminhalten und anderen Details ab und konnte dadurch auch im weiteren Verlauf nicht mehr fesseln.

3. Was hat überrascht, was war erwartbar?

Grundsätzlich hätte ich diese Art von Story nicht erwartet. Vom Klappentext her habe ich mir einen witzigen Kriminalroman oder eigentlich eher Thriller vorgestellt. Dieser Roman war aber bei weitem abgedrehter, leider auch langweiliger wie erwartet

4. Ein Satz, der das Buch treffend umschreibt?

Der Roman beinhaltet ein „Zuviel“: die Detailverliebtheit der Beschreibungen, die Überdrehtheit der Charaktere, die Überbetonung des laissez faire in Sache Liebe ohne jedoch wirklich Gefühl zu vermitteln

5. Hast du ein Lieblingszitat aus dem Buch
„Ich bin ein stilles Wasser, tief und schmutzig, und ich will nicht darüber reden“. (Sam auf S. 112)

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In „Mystery Girl“ des amerikanischen Autors David Gordon wird ein Verbrechen beschrieben, das im Laufe des Romans immer obskurer wird und Blüten treibt. Das in den auffälligen Farben rot und gelb gestaltete Cover fällt ins Auge, genauso wie die Erzählung aus dem üblichen Rahmen fällt. Das „Mystery Girl“ wird von dem in Los Angels lebenden Sam Kornberg gesucht. Er ist Autor experimenteller Texte, die keine Abnehmer finden und hält sich schwerlich mit gelegentlichen Jobs über Wasser. Eines Tages verlässt ihn seine Frau nach mehreren Jahren Ehe aufgrund seiner Erfolglosigkeit. Daraufhin verstärkt er seine Bemühungen nach Arbeit und hat schon bald Erfolg. Er wird zum Assistenten eines schwergewichtigen Detektivs, der unter Paranoia leidet und aufgrund seines Körperumfangs die Ermittlungen vor Ort nicht mehr ausüben kann. Während eines Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik hat er eine Frau kennen und lieben gelernt und möchte sie nun beschatten lassen. Sams Aufgabe erscheint einfach, doch aufgrund seiner momentanen Ehekrise ist er bereit für ein Liebesabenteuer. So lässt er sich auf diese unbekannte Frau ein und sieht nach einer gemeinsamen Nacht, wie diese vom Hotelbalkon springt. Damit beginnt eine nicht nur für ihn verwirrende Geschichte, bei der er eigentlich nie weiß, welcher Frau er da folgt. 

Ich habe längere Zeit kein Buch mehr wie dieses gelesen, dass mich persönlich so wenig anspricht. Etwa 150 Seiten habe ich die Geschichte interessiert verfolgt und nur die langatmigen Inhaltsangaben von Filmen überschlagen, von denen ich keinen kannte. Was mich dennoch veranlasste weiterzulesen, war die Art von Sams Humor. Die deutsche Übersetzung konnte diese Eigenart gelungen vermitteln.

 Der Roman wird hauptsächlich in der Ich-Form des Protagonisten Sams erzählt und gelegentlich unterbrochen von der Geschichte weiterer Personen, die ebenfalls in der Ich-Form ihr Leben in Kurzform darstellen, sicher ein geschickter Kunstgriff, der wichtige Hintergründe zu diesen Charakteren liefert. Nach den erwähnten Seiten habe ich das Buch nur noch durchgeblättert und den Text überflogen, da die Story sich immer wieder an der Beschreibung weiterer Filmen und auch Bücher festmachte, die die Spannung förmlich ausbremsten. Szenen, die Sam erlebt und Filmszenen, in denen pornographisches Treiben jeglicher Colour wie beispielsweise satanische Messen beschrieben werden, in einer Sprache die kein Blatt vor den Mund nimmt, ließen mich mehrmals angewidert mit Lesen aufhören, Passagen auslassen und schnell weiterblättern. Sowohl Schauspieler und Regisseure scheinen vor keiner Machart zurückzuschrecken und die entsprechenden Personen konnten so meine Sympathie nicht gewinnen.

Durch die detaillierte Beschreibung von Personen und Umgebung bleibt für den Leser kaum Raum dazu seine eigene Fantasie bei diesem Roman einfließen zu lassen. Die Charaktere sind durchweg nicht alltäglich, was aber vom Setting her, das den Leser in die Welt der Trash-Film-Industrie Amerikas mitnimmt, kaum verwundern kann. Im Laufe der Erzählung wird diese immer blutiger, verworrener und unglaubwürdiger. Insgesamt gab es für mich einfach ein „Zuviel“: die Detailverliebtheit der Beschreibungen, die Überdrehtheit der Charaktere, die Überbetonung des laissez faire in Sache Liebe ohne jedoch wirklich Gefühl zu vermitteln. Daher konnte ich mich nicht für das Buch begeistern.

 

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