Dienstag, 23. September 2014

[Ingrids Rezension] Anselm Neft - Helden in Schnabelschuhen

Titel: Helden in Schnabelschuhen
Autor: Anselm Neft
Erscheinungsdatum: 18.08.2014
Verlag: Knaus Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Klappbroschur
(Haupt-) Handlungort: Bonn
Handlungszeit: Gegenwart



Schon bei der Betrachtung des Buchs „Helden in Schnabelschuhen“ von Anselm Neft erkennt man, dass es ein Buch mit scherzhaften Anklängen ist, denn da schaut den Leser ein Mensch mit aufgesetztem Wildschweinkopf an. Dieser besondere Humor im Roman , der sich aus meist aus der jeweiligen beschriebenen Situation ergibt und manches Mal auch derb ist, trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack, leider auch meinen nicht. Doch neben philosophischen Betrachtungen gibt er dem Roman seine Eigenart. Ferner lässt die Kleidung der Person auf dem Cover den genaueren Betrachter darauf schließen, dass der Roman das Thema Mittelalter anschneidet. Wenn die Geschichte auch in der Gegenwart spielt, so sind die Protagonisten dennoch zu entsprechend gestalteten Aktivitäten unterwegs.

Die große schlanke Katja und das Schwergewicht Max, beide am Ende ihres Studiums, sind auf der Suche nach einem lukrativen Nebenjob. Sie treffen sich mit Katjas Vetter Timo, Banker von Beruf, der ein ganz besonderes Arbeitsangebot hat, denn für ein halbes Jahr sollen sie die verunglückten Mitglieder der Mittelalterband „Kobold“, bei der er selber auch mitspielt, ersetzen. Für Max kommt diese Aufgabe eigentlich nicht in Frage, zumal er gar kein Instrument spielt, aber er möchte gerne in der Umgebung von Katja bleiben, die er seit Jahren anhimmelt. In reichlich betrunkenem Zustand wetten die beiden, ob diese Sache etwas zu Katjas großem Ziel, die Philosophie für Laien zugänglich zu machen, beitragen kann. Gewinnt Katja, muss Max abnehmen, gewinnt Max, muss Katja ihn heiraten. Top, die Wette gilt!

Die Idee zum Buch finde ich ungewöhnlich und sie gefällt mir gut. Allerdings zieht sich Beschreibung der verschiedenen Auftritte mit der Band etwas in die Länge. Jedoch erfährt man zwischendurch immer wieder etwas mehr über die Persönlichkeiten Max und Katja. Durch die Ich-Erzählerperspektive bleibt der Leser stets an der Seite von Max. Dieser ist durchaus selbstkritisch. Schon früh wurde ihm klar, dass er nicht nur beleibter wie andere seines Alters ist, sondern dass er auch viele andere Interessen hat. In Katja scheint er bereits zur Schulzeit eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch über eine bloße Freundschaft sind beide nicht hinausgekommen, weil ihnen die Worte füreinander bisher gefehlt haben und weil ihnen die Erfahrung im Umgang mit der richtigen Reaktion auf passende Gelegenheiten fehlt. Dadurch hat das Verständnis füreinander leider etwas gelitten, denn beide beschreiten neue Wege um die Liebe zu finden. Vielleicht ist das aber auch gut so, um zu erkennen, was man aneinander hat. Bunt ist die weitere Zusammenstellung der Charaktere der Bandmitglieder über die man aber nur so viel erfährt, wie Max von ihnen im Umgang erlebt und erzählt bekommt.

Anselm Neft versteht es immer wieder philosophische Betrachtungen einzubringen, vor allem durch die Person der Katja. Dadurch erhält der Roman Tiefgang und gibt einige Gedankenanstöße. Der Geschichte merkt man an, dass der Autor sich mit der Materie der mittelalterlichen Feste und Feierlichkeiten auskennt, denn mit seiner Schilderung lässt er diese lebendig werden. Ich habe mich gefragt, wie viel erlebtes Leben Anselm Neft in seinem Roman platziert hat. Das Buch ist ein vergnüglicher Zeitvertreib, dem ich 3,5 Lesesterne gebe, die ich gerne aufrunde.

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