Mittwoch, 10. September 2014

[Ingrids Rezension] Beatrix Mannel - Der Klang der blauen Muschel

Titel: Der Klang der blauen Muschel
Autorin: Beatrix Mannel
Erscheinungsdatum: 11.08.2014
Verlag: Diana Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsorte: München, Samoa, San Francisco (USA)
Handlungszeit: 1905-1906




„Der Klang der blauen Muschel“ von Beatrix Mannel ist ein historischer Liebesroman, der den Leser mitnimmt auf eine traumhafte samoanische Insel und ins quirlige San Francisco zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sehr schön finde ich die Übersichten auf der ersten sowie der letzten Umschlagseite die zeigen, in welchem Teil der Erde Samoa sich befindet beziehungsweise welche Orte die deutschen Samoainseln Savaii und Upolo umfassen. 

Die jungen Münchner Zwillingsschwestern Henriette und Sophie sind den Konventionen ihrer Zeit unterworfen. Doch nachdem Henriette einen Anfall von „automatischem Schreiben“ hatte, finden sie eine Möglichkeit an mehreren Séancen teilzunehmen mit dem Wunsch nach Aufklärung des seltsamen Phänomens. Das Medium ist jedoch krank und steckt  Sophie mit Tuberkulose an, so dass diese einige Wochen später nicht an der Auswanderung ihrer Familie nach Samoa teilnehmen kann. Ihr Vater hat dort mit den Erlösen aus seinen Goldfunden am Klondike eine Plantage gekauft.
Auf Samoa würde Henriette sich gern mit Samoanern in ihrem Alter befreunden, doch das wird nicht gern gesehen. Daher trifft sie sich heimlich mit ihnen und lauscht interessiert den Schilderungen von deren samoanischen Gepflogenheiten. Dabei erhält sie eine wunderbare blaue Muschel geschenkt, deren Rauschen nicht jeder wahrnehmen kann. Auch zu dem chinesischen Hausmädchen entwickelt sie eine Beziehung und staunt ebenfalls über deren Erzählungen über Sitten und Gebräuche ihres Volkes. 

Bereits kurze Zeit nach ihrem Eintreffen auf der Insel verlangt Henriettes Vater von ihr, dass sie sich mit einem Mann namens Hofmann verheiratet soll, bei dem er seit seiner Zeit am Klondike noch eine Schuld zu begleichen hat, wobei er sich nicht genau über seine Verpflichtung ausspricht. Obwohl Hofmann ihr äußerlich gut gefällt, wird er immer zudringlicher und Henriette deckt bei ihm eine Lüge nach der anderen auf. Der Verrat von Hofmann geht so weit, dass er ein absolutes Tabu der Samoaner bricht, und einer ihrer samoanischen Freunde, Sohn eines Dorfverwalters das Vergehen zu rächen hat. Verzweifelt versucht sie einen Ausweg zu finden. Doch ihr Plan bringt weiteres Unglück mit sich und sie flieht nach San Francisco zu ihrer Tante, die dort ein eignes Hotel führt. Mit kleinen Zuverdiensten spart sie eine Überfahrt für Sophie. Diese hat während ihrer Krankheit auch einiges erlebt und sich weiterentwickelt. So haben die Geschwister sich eine Menge zu erzählen. Doch Henriette holt in San Francisco die Vergangenheit, die sie durch ihre Flucht abzustreifen gehofft hatte, wieder ein. 

Beatrix Mannel versteht es, den Leser in ihre mystisch angehauchte Geschichte hineinzuziehen. Bereits das Cover des Buchs, lädt den Leser förmlich ein, den Weg zum Meer entlangzulaufen. Der Pfad erscheint wie eine Einladung, in den Roman einzutreten. Mit einem leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil baut sie von Beginn an Spannung auf. Was ist es, was Henriette da ohne ihren Willen auf Papier schreibt? Henriette versteht die Worte in einer fremden Sprache nicht. Doch diese Episode ist faszinierend und ich habe schnell weitergelesen, um zu erfahren, ob die Zwillingsschwestern den Sinn des Geschriebenen herausfinden werden. Vorher jedoch überschlagen sich die Ereignisse, denn die Familie der beiden wandert nach Samoa aus und Sophie bleibt in München zurück. Noch mehr Abwechslung erhält der Roman dadurch, dass die Autorin ab einem gewissen Erzählfortschritt Kapitel einfügt, die aus der Sicht des jungen Münchner Fotografen Julius erzählt werden. Wie dieser zu den Schwestern in Beziehung steht, erfährt man im Laufe der Story und trägt noch mal zum Spannungsaufbau bei.

Eine ganz große wichtige Rolle spielt auch die blaue Muschel in diesem Roman. Sie ist neben dem automatischen Schreiben ein weiteres mystisches Element und zeugt von der Fantasie der Autorin, die den Leser verzaubert. Doch nicht nur hiermit kann Beatrix Mannel punkten, sondern auch mit vielen Riten und Legenden aus Samoa und China, die sie geschickt in die Geschichte einwebt. Des Weiteren basiert der Roman auf einem gut recherchierten welthistorischen Hintergrund. Sehr bemerkenswert finde ich das eingefügte Glossar, in der der Leser nochmals die relevantesten im Roman vertretenen historisch verbürgten Personen und Ereignisse, sowie im Buch erwähnte bedeutende Orte und Bräuche nachlesen kann.

Es hat sich ausgezahlt, dass die Autorin vor Ort recherchiert hat, denn so hat sie in ihren detaillierten Beschreibungen der Handlungsorte auch ihre Empfindungen weitergeben können, die den Leser in die Erzählung hineinziehen. 

Obwohl Henriette und Sophie Zwillingsschwestern sind, ist Sophie im Vergleich etwas schlanker und draufgängerischer als Henriette, die den Mut und die aufmunternde Weise ihrer Schwester auf Samoa sehr vermisst. Beide haben ein sympathisches Wesen, ganz im Gegensatz zu ihrem Vater. Vor allem aber ist Hofmann bei weiterem Kennenlernen ein unangenehmer Mensch. Die Tante der beiden Schwestern in San Francisco scheint zunächst eine selbständige, modern eingestellte Frau zu sein, die sich zunächst aber auf die Seite ihres Bruders stellt, weil sich Henriette ihr nicht rechtzeitig anvertraut hat. Dies gibt dem Buch nochmals eine neue Wendung. Der tapfere samoanische Prinz, das kluge chinesische Hausmädchen und der treue Fotograph Julius sind nur einige der abwechslungsreich gestalteten Figuren dieses Romans. 

„Der Klang der blauen Muschel“ ist ein faszinierender Roman, der einen mit den Charakteren hoffen lässt. Wer allerdings einen mystischen Touch nicht mag, sollte hier nicht zum Leser werden. Für alle anderen Leser historischer Romane gebe ich gerne eine klare Leseempfehlung.

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