Samstag, 3. Januar 2015

[Rezension Hanna] Marmorkuss von Jennifer Benkau



Inhalt
Jarnos großer Traum ist es, eine Ausbildung zum Fotografen zu machen. Mit einer Canon, seinem wertvollsten Besitz, ist er daher auf der Suche nach dem perfekten Motiv zum Thema „Sehnsucht nach Wärme“, denn beim zugehörigen Wettbewerb winkt einer der seltenen Ausbildungsplätze. Als Urban Explorer geht er auch in den entlegensten Ecken der Stadt auf die Suche. Eines Tages findet er in einer verlassenen Villa eine Marmorstatue, die ihn gedanklich nicht mehr loslässt. Warum übt sie so eine starke Anziehungskraft auf ihn aus?

Viele Jahre zuvor will Klara Lehrerin werden. Gleichzeitig ist sie aber heimlich mit Johan verlobt, was aufgrund des Lehrerinnenzölibats nicht sein darf. Bald wird sie sich zwischen Beruf und Ehe entscheiden müssen. Doch dann tritt eine geheimnisvolle Zauberin in ihr Leben, und nichts ist mehr, wie es war. Was will sie von Klara?

Meinung
Der erste Teil des Buches wird abwechselnd aus der Sicht von Jarno und Klara erzählt, von deren gänzlich verschiedenen Leben man schnell einen ersten Eindruck gewinnt. Während Jarno auf der Suche nach dem perfekten Motiv so manches Wagnis eingeht, verläuft Klaras Leben in geordneten Bahnen – wenn da nur nicht das Dilemma Beruf oder Ehe wäre. Klaras Kapitel waren etwas kürzer, doch sie ist mir gleich sympathisch geworden. Jarno hingegen ist ein ungewöhnlicher Charakter, dessen Ausflüge dem Leser zu Orten mitnehmen, die man selbst wohl eher nicht aufsuchen würde. Er machte es mir nicht immer einfach, ihn zu mögen. Zwar wirkt er absolut aufrichtig, doch er traf immer wieder Entscheidungen, die auf mich kurzsichtig und undurchdacht wirkten.

Die Abschnitte von Jarno und Klara enden immer mit Sätzen, die vom jeweils anderen ergänzt werden, und so flog ich mühelos von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Für beide spitzt sich die Situation immer weiter zu, und der in der Buchbeschreibung versprochene Dornröschenkuss rückt allmählich näher. Auf dem Weg dorthin zogen sich für mich vor allem Jarnos Kapitel etwas in die Länge, und zum Zeitpunkt des Kusses ist die Geschichte tatsächlich schon fast auf der Hälfte angelangt.

Nach dem von mir heiß ersehnten Kuss tritt die Geschichte leider noch stärker auf der Stelle als zuvor. Zu Beginn fand ich es noch unterhaltsam, Klara bei ihren ersten Tagen in der modernen Welt zu begleiten, doch bald hat sich diese eingefunden und die Geschichte dreht sich mit den immer gleichen Fragen im Kreis. Gespannt wartete ich darauf, dass die böse Zauberin und ihre Magie für Wirbel sorgen werden, doch leider spielte das eine sehr viel kleinere Rolle als von mir erhofft. Auch das Thema Fotographie, das in Jarnos Leben zu Beginn eine so große Rolle einnahm, rückt nach seinem Aufeinandertreffen mit Klara leider stark in den Hintergrund.

Zum Weiterlesen motivierten mich die wunderschönen Momente zwischen Klara und Jarno, in denen alle Probleme für kurze Zeit in den Hintergrund rückten. Obwohl die zwei nicht nur vom Typ völlig unterschiedlich sind, sondern auch aus unterschiedlichen Zeiten stammen, stimmte die Chemie zwischen ihnen. Im großen Showdown zieht die Autorin schließlich alle Register und konnte mich mitreißen und begeistern, sodass ich das Buch mit einem guten Gefühl beendet habe.

Fazit
„Marmorkuss“ baut auf der Idee des Dornröschenkusses eine ganz eigene Geschichte auf. Während Klara mir gleich sympathisch wurde, war Jarno ein interessanter und ungewöhnlicher Charakter, bei dem ich aber häufig meine Schwierigkeiten hatte, seine Entscheidungen nachzuvollziehen. Für so manche Längen wurde ich mit schönen Momenten zwischen Klara und Jarno sowie einem tollen Showdown entschädigt. Ich vergebe daher gute drei Sterne.

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Hardcover mit Schutzumschlag: 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2014

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