Sonntag, 16. August 2015

[Rezension Ingrid - bebildert] Helmut Wichlatz - Mordsclique



Titel: Mordsclique
Autor: Helmut Wichlatz
Erscheinungsdatum: 03.08.2015
Verlag: Sutton Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Erkelenz
Handlungszeit: 2009 und 1988
  


Fotos zum Text: Ingrid Eßer 


„Mordsclique“ heißt der Debütkrimi des Erkelenzer Autors Helmut Wichlatz. Seinen Kriminalroman hat er dort angesiedelt, wo er beheimatet ist. Die Tür des alten Ladengeschäfts auf dem Cover des Kriminalromans, führt mitten in den Fall hinein. Diese Tür wird wohl dauerhaft geschlossen bleiben, denn die Besitzerin wurde im Hinterzimmer ihres Ladens im Erkelenzer Stadtteil Venrath erschossen.

Der Mord geschah 1988. Der nach Aktenlage verurteilte Täter hat inzwischen seine Strafe verbüßt. Im Jahr 2009 jährt sich das Bestehen des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz zum 150ten Mal und der Rektor der Schule plant eine große Feier zu der er auch drei Absolventen der Schule geladen hat, die inzwischen berühmt geworden sind. Alle drei haben ihr Abitur 1988 erworben und sind dann von heute auf morgen aus der Stadt verschwunden.  
Ziegelweiher in Erkelenz: hier hat sich die Mordclique im Jahr 1988 getroffen

Der Haupteingang des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz Europa-Schule, rechts oben im Bild ist der Verwaltungstrakt
Durch kurze Rückblenden in die Vergangenheit ahnt der Leser schon bald, dass die Rückkehr der drei früheren, damals miteinander befreundeten Schüler zu Problemen führen könnte. Zu dieser Clique gehörte auch der verurteilte Täter. Was damals wirklich geschah, offenbart sich Stück für Stück, nicht ohne für reichlich Konfliktstoff in der Gegenwart zu sorgen. Kommissar Benjamin Becker bekommt alle Hände voll zu tun um für die Sicherheit der Prominenten zu sorgen. Trotzdem stirbt einer der drei noch bevor die Feierlichkeiten beginnen. Zunächst herrscht Ratlosigkeit. Mit Hilfe seines Freunds, dem Journalisten Markus Müller begibt Becker sich auf Spurensuche.
Eingang zum Innenhof des Hauses Hohenbusch
Blick in den Innenhof, der außerhalb von Veranstaltungen nicht betreten werden darf

Helmut Wichlatz hat mit seinem Debüt nicht nur einen spannenden Krimi geschrieben, sondern bringt auch sehr viel Lokalkolorit in seinem Buch unter. Einen kurzen Blick darf der Leser zwischenzeitlich auf das jeden der eingeladenen prominenten Gäste in seinem  gediegenen täglichen Umfeld werfen, doch Erkelenz ist der Haupthandlungsort auf beiden Zeitebenen. Wenn Müller und Becker sich privat treffen und auch mal zusammen ein Bier in der Stammkneipe trinken gehen, werden Hinweise und Ermittlungsergebnisse ausgetauscht und über dies und jenes im lockeren rheinischen Umgangston miteinander geredet und gescherzt. 
Rathaus in Erkelenz am Marktplatz

Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den beiden zeitebenen. Während sich in der Vergangenheit allmählich deutlicher herauskristallisiert was wirklich passiert ist und wie es zum Mord an der Ladenbesitzerin kam, wird  die Situation in der Gegenwart zunehmend  brisanter nach  dem Eintreffen der berühmten Drei. Die Charaktere der Erkelenzer Ermittler sind stimmig und passen gut in diese Kleinstadt, die da zum Ort von Verbrechen wird.  Da wirkt nichts aufgesetzt, sondern alles so, wie die Menschen hier ihr Leben gestalten. Da ich selbst in Erkelenz wohne und auch hier zur Schule gegangen bin, kann ich das gut beurteilen. Nur die Person des verurteilten Täters war mir nicht ausführlich genug beschrieben, sein Schweigen um das Geschehen fand ich zu wirklichkeitsfern.

Die Sprache ist flüssig zu lesen. Ganz geschickt legt der Autor seine Spuren aus, die nicht nur Becker zunächst in die Irre leiten, sondern auch den Leser von der Ahnung einer Lösung des Falls entfernen. Es kommt zu mehreren ungeahnten Wendungen und schließlich zu einem furiosen Showdown. 
Tagebau Erkelenz-Jackerath

Ich kann dieses Buch allen Krimifans empfehlen und darüber hinaus auch den Erkelenzer, die hier sicher Altbekanntes, aber auch Neues über ihre Heimat erfahren und bestens unterhalten  werden. 



Nur so ganz nebenbei erwähnt: Ich weiß, was damals wirklich passiert ist :) Denn das Cusanus-Gymnasium wurde im Jahr 2009 nicht 150, sondern schon 169 Jahre alt, dafür darf es aber seit 2009 den Zusatz "Europa-Schule" führen (KLICK!) und Hanna hat in dem Jahr am Cusanus-Gymnasium ihr Abitur gemacht (ich selber habe 1982 dort mein Abitur gemacht :).

Mein Lesungsbericht zur Premierenlesung des Buchs: KLICK!

Kommentare:

  1. 1982 .... hmmm .... da hat doch auch der Wichlatz am Cusanus sein Abi nachgeworfen bekommen. Ich glaube, der war im LK Englisch von Herrn Graw.

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  2. Hallo Anonym,

    das ist absolut richtig! Er war ja auch in irgendeinem Kurs mein Mitschüler. Leider weiß ich den Kurs nicht mehr :( ich war im BioLK bei Frau Bohne und hab mich bei Herrn Rohde mit Latein für Anfänger so rumgeschlagen. Literatur beim Rektor war mir ein Vergnügnen.

    LG Ingrid

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  3. Ja, hallo Anonym,

    nachgeworfen hat man es mir wahrlich nicht. Ein bisschen musste ich auch tun. Sogar ein bisschen mehr, weil ich vorher ein bisschen weniger getan habe. Und liebe Ingrid: Danke für den durchaus kritischen Kommentar zu meinem Erstling. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
    Helmut Wichlatz

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    1. Hallo Helmut,
      lieb von dir. Ich geh als Rezensentin immer mit ein wenig Herzklopfen an ein Buch, wenn ich den Autor kenne, denn was soll ich schreiben, wenn das Buch Mist ist?
      Zum Glück war es bei "Mordsclique" nicht so und ich habe es genau so geschrieben, wie ich es empfunden habe, da ist nichts geschönt. Das Buch ist wirklich lesenswert und gibt viel von dem wieder wie die Menschen bei uns so interagieren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Becker und Müller weitere Fälle zu klären haben.
      Übrigens war in den 1980ern der Vater meiner damals besten Freundin Kommissar in Erkelenz :)
      LG Ingrid

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    2. Hallo Ingrid,
      da tun sich ja Abgründe auf!
      Eine Fortsetzung wird es auf jeden Fall geben. Ich wollte zuerst Müller mit Beckers Jette verbandeln, aber bringe es nicht übers Herz. Eine unerfüllte Liebe ist viel romantischer.

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  4. Hallo Helmut,
    gute Entscheidung - vorerst, denn manch ein Leser wird auf der Seite von Müller stehen und darauf hoffen, dass seine Liebe ein Happy End findet, was natürlich Pech für Beckers bedeuten würde ...
    LG Ingrid

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