Mittwoch, 23. September 2015

[Lesungsbericht Ingrid] Ursula Posznanski liest aus "Layers"



Am Freitag, 19.09.2015 sind Hanna und ich einer Einladung vom Jungen Literaturhaus Köln (JLK) zu einer Lesung mit Ursula Poznanski gefolgt. Nach ersten Schwierigkeiten im Nahverkehr bei der Anreise sind wir dennoch ganz kurz vor Lesungsbeginn im Literturhaus eingetroffen.

Ann-Beke Möllmann, die im JLK die Programm- und Pressearbeit macht, begrüßte die Zuschauer und stellte als Moderatorin der Lesung die freie Autorin Tanja Lieske vor sowie als speziellen Gast Ursula Poznanski, die nachfolgend aus ihrem Jugendbuchthriller "Layers" vorlesen würde. Doch zunächst stellte Tanja Lieske einige Fragen an Ursula Poznanski, die diese gerne und mit viel Vergnügen beantwortete.


von li. nach re.: Tanja Lieske, Ursula Poznanski und Ann-Beke Möllmann
Frau Lieske stellte zunächst fest, dass in den drei Romanen von Ursula Poznanski "Erebos, Saeculum und Layers“ jeweils ein nicht ganz fassbares Element enthalten ist. Von Frau Poznanski wollte sie dann wissen, wie sie dazu kam, mit dem Schreiben zu beginnen. Die Autorin hat parallel zu ihren ersten Texten für Kinder von sechs bis sieben Jahren die Idee zu einem Fantasyroman entwickelt, an dem sie ungefähr fünf Jahre geschrieben hat. Sie fand auch eine Agentur, die aber kein Interesse an dem  nur den angebotenen Fantasyroman zeigte. Daraufhin entwickelte sie eine neue Idee und schrieb "Erebos".

Auf Frau Lieskes Frage hin, ob ihr Alltag auch unheimlich wäre, antwortete Frau Poznanski, dass der höchste Thrill für sie hauptsächlich im Einhalten der Deadline zur Abgabe ihres jeweiligen Manuskripts besteht. Frau Lieske bewundert die offene und ehrliche Art der Autorin von "Layers", die auch öffentlich darüber spricht, wenn etwas bei ihrer Arbeit nicht klappt wie gewünscht.

Ursula Poznanski erzählt auf eine entsprechende Frage der Moderatorin hin, dass ihr die Idee zu "Layers" beim Lesen eines Artikels über den Zoo von (vermutlich) San Diego kam. Dort erhalten die Besucher eine Datenbrille mit einigen Raffinessen. Im Buch geht es um Kontrolle und Manipulation der Realität.
Für Frau Poznanski hängen beide zusammen und ergänzen sich, wie sie auf eine diesbezügliche Frage antwortet. Die Autorin ist weniger daran interessiert, wie Kontrolle ausgeübt wird, sondern eher, wie man ihr entgehen kann. Sie hält eine objektive Wahrheit nicht für herstellbar und empfiehlt den Anwesenden nicht alles zu glauben, was man sieht und hört.

Nach diesem sehr interessanten, informativen Teil beginnt Ursula Poznanski ihre Lesung aus "Layers". Als erstes stellt sie ihren Protagonisten Dorian vor, der auf den Obdachlosen Emil trifft. In der nächsten Szene findet sich Dorian in einer für ihn unglaublichen Lage wieder. Er sieht Emil in einer Blutlache liegend vor sich, auf dem Boden liegt sein eigenes blutverschmiertes Messer. In diese Situation tritt nun Nico, den Dorian für einen Sozialarbeiter hält. Er verspricht Dorian zur Villa Bornheim zu bringen, die obdachlose Jugendliche gegen gewisse Auflagen eine komfortable Unterkunft und Unterricht bietet. Dorian stimmt dem zu und übernimmt wie die anderen Mitbewohner zweimal wöchentlich die Verteilung von Flyern an öffentliche Plätzen in der Stadt. Auf seinen Wunsch hin wird ihm nach einiger Zeit eine neue Tätigkeit gegeben, die darin besteht, in einem Kästchen verpackte Werbegeschenke an ausgesuchte Kunden nach einem vorgesehenen Ritual zu überreichen. Nach einem solchen Besuch bei dem der Kunde das Geschenk rigoros abgelehnt hat, wird er nicht wieder abgeholt und zur Villa zurückgefahren. Ganz ohne Kommunikationsmittel und Geld überlegt er, was er nun tun soll. Schließlich öffnet er das Päckchen und findet "sie“. Mehr möchte ich hier nicht verraten und empfehle euch, das Buch zu lesen oder zu einer Lesung von „Layers“ zu gehen.



Ganz gebannt lauschten die Zuhörer auf den fast voll besetzten Plätzen der sehr gut verständlichen Stimme von Frau Poznanski, die mit ruhiger Stimme und einem kaum wahrzunehmenden, aber sehr charmanten österreichischen Dialekt aus ihrem Buch vorlas.

Im Anschluss an den Lesungsteil bedankte Tanja Lieske sich bei Frau Poznanski und stellte noch einige Fragen, beispielsweise ob die Autorin bewusst Manipulationen in ihre Texte einbaut. Darauf antwortete die Autorin, dass sie einen Teil davon plant, es sich manchmal aber auch aus dem Schreibprozess ergibt. Sie wies darauf hin, dass die Entwicklung der Auswertung von Daten, die Nutzer von Software durch deren Gebrauch zur Verfügung stellen, weiter gehen wird. Eines der neuesten Produkte in dieser Hinsicht ist die Apple Watch.

Auf eine diesbezügliche Frage hin bekannte Ursula Poznanski, dass sie sich selten eine Auszeit vom Internet nimmt, weil sie hier sehr viele Sozialkontakte pflegt. Ihr Arbeitsablauf sieht vor, gegen 6.30 Uhr aufzustehen, weil sie ein schulpflichtiges Kind hat. Im Anschluss daran, läuft sie eine Runde, danach macht sie sich Frühstück. Sie hat für sich selbst keine Vorgabe, wie viel Text sie jeden Tag schreiben sollte, aber 1.300 Worte sieht sie als optimal an. Dabei berücksichtigt sie, dass das Schreiben am Anfang eines Buchs langsamer voran geht, weil hier mehr Denkarbeit gefordert ist.

Nun stand das Mikrophon den anwesenden Besuchern für Fragen zur Verfügung. Eine Anwesende erkundigte sich nach Filmplänen für die veröffentlichten Bücher. In dieser Hinsicht gibt es einiges Angedachtes, aber nichts Konkretes. Die Autorin erklärte auf eine weitere Frage hin, dass sie wenig Ahnung von Technik hat und diese daher für sie etwas nahezu „Magisches“ besitzt. Sie sucht nicht bewusst in dieser Richtung nach Themen für ihre Bücher.

Auf die Frage, ob sie die Handlungsabläufe für ihre Bücher plant, bekannte Frau Posznanski, dass sie das macht, weil sie es für sinnvoll hält, vor allem bei einer Trilogie, damit jeder Teil einen gewissen Abschluss hat und sich dennoch ein Bogen um alle drei Bücher ziehen lässt. Eine weitere Frage bezieht sich auf die Auswahl der Protagonisten für ihre Bücher. Hier nimmt die Autorin es so wie es kommt. Das Geschlecht wählt sie beispielsweise nicht im Wechsel zu ihrem letzten Buch aus, sondern passend zu der anstehenden Geschichte. Weiter war zu erfahren, dass sie selbst kreuz und quer liest, vor allem sehr viel von Kollegen. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbuch merkte sie a , dass Bücher sehr schwer zu vergleichen sind. Zu ihren liebsten Geschichten gehören zum Beispiel die Bücher über Harry Potter, Fräulein Smillas Gespür für Schnee, Helmut Krausers Melodien oder auch Bücher von Patrick Rothfuss.

Tanja Lieske bedankte sich für das Gespräch und die gelungene Lesung. Mit einem herzlichen Applaus wurde die Veranstaltung beendet. Die Autorin stand noch zum Signieren der mitgebrachten Bücher zur Verfügung. Gerne gab sie aber auch eine unterzeichnete Autogrammkarte an die Interessierten. Wer wollte, konnte im Vorraum an einem Büchertisch Romane von Ursula Poznanski erwerben und sich diese ebenfalls gleich signieren lassen.
Ursula Poznanski mit Hanna beim Signieren
Mir hat es sehr gut gefallen und ich möchte mich an dieser Stelle bei dem Jungen Literaturhaus Köln für die Organisation bedanken, bei Tanja Lieske für die Moderation und natürlich bei Ursula Poznanski für die wunderbare Lesung und die geduldige Beantwortung jeder Frage.

Voraussichtlich werde ich Ursula Poznanski am 02.11.2015 in Geilenkirchen wiedersehen, wenn sie gemeinsam mit Arno Strobel aus dem Thriller „Fremd“ vorlesen wird. Ich freue mich darauf.

Eure Ingrid

(Text und Fotos: Ingrid Eßer)

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