Mittwoch, 25. Februar 2015

[Rezension] Judith Winter - Lotusblut

Titel: Lotusblut
Autorin: Judith Winter
Erscheinungsdatum: 01.02.2015
Verlag: dtv Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Frankfurt/Main
Handlungszeit: Gegenwart




„Lotusblut“ von Judith Winter ist der zweite Fall für die Frankfurter Ermittlerinnen der Abteilung für Kapitaldelikte Emilia Capelli und Mai Zhou, die zunächst auf der Suche nach der 10-jährigen, aus Tibet stammenden Kaylin sind. Diesmal wurde für das Cover eine Libelle gewählt, die im Englischen „Dragonfly“ heißt. Dieses Insekt steht für Beharrlichkeit, den die beiden Ermittlerinnen im vorliegenden Fall benötigen.  Hierin findet sich aber auch der Bezug zum aufzuklärenden Verbrechen dieses Thrillers, denn der Mörder ist in der Gedankenwelt von  Kaylin ein Drache. Der Titel dagegen deutet an, aus welchem Bereich der Welt einige Personen wie beispielsweise Kaylin gebürtig sind. Ihre Herkunft führt den Leser nach Asien, dort wird der weiße Lotus in verschiedenen Ländern als Symbol der Reinheit angesehen. Wird Blut dieses Bild, wie auf dem Titel, beflecken?

Der Unternehmer  Peter Klatt  und seine Frau werden in einem Hotelzimmer erschossen. In ihrem Zimmer anwesend ist Kaylin, die Tochter eines asiatischen Geschäftspartners. Sie bleibt unbehelligt, weil sie vor dem Mörder fliehen konnte.  Nachdem Emilia und Mai sie gefunden haben, können sie ihre Identität zunächst nicht ermitteln, da sie bei der Befragung schweigt. Als die Kriminalabteilung schließlich ihre Eltern ermittelt hat, flieht sie erneut, auf der Suche nach einer Bezugsperson, der sie sich anvertrauen kann.  Davon können natürlich die Ermittlerinnen nichts wissen und suchen nicht nur nach dem Mörder des Ehepaars, sondern auch danach, warum Kaylin im Hotelzimmer anwesend war und sie nicht zu ihren Eltern zurück möchte.

Für das Verständnis des vorliegenden beschriebenen Falls ist es nicht unbedingt nötig den ersten Band „Siebenschön“ gelesen zu haben, doch es ergänzt das Gesamtbild, das man als Leser vom Verhältnis zwischen Emilia und Mai erhält, in passender Weise. Es scheint fast, als ob die beiden ein gewisses Vertrauen zueinander gefunden haben, doch allein die Tatsachen, dass sie sich nach einem halben Jahr Zusammenarbeit immer noch siezen, erhält eine imaginäre Grenze aufrecht, die nicht so leicht zu überwinden scheint. Gleichzeitig zeugt sie aber auch vom gegenseitigen Respekt der beiden voreinander. Zu den weiteren Kollegen der Abteilung hat vor allem Emilia ein eher kumpelhaftes Verhältnis, auch weil sie schon länger in der Abteilung arbeitet als Mai, die ebenfalls mit ihren Arbeitskameraden lockerer umgeht als mit Emilia. Hier bleibt noch Raum für weitere Annäherungen in weiteren Fällen, die die beiden zu lösen haben werden. Und wer weiß,  vielleicht werden sie dann noch zu Freundinnen.

Dem eigentlichen aufzuklärenden Fall hat die Autorin einen Prolog vorausgeschickt, bei dem sie beschreibt, wie Emilia und ihre Freundin als Kinder eine im Wasser treibende Leiche finden. Dieses Kapitel hat mit den Ermittlungen wenig zu tun, führt den Leser aber zu den bis heute noch vorhandenen Ängsten der Kommissarin. Vor allem aufgrund des Alters von Kaylin fühlt sie sich an dieses Ereignis in ihrem eigenen Leben nachdrücklich erinnert. Im folgenden Verlauf der Geschichte ist jedes Kapitel mit Zeit und Ort versehen, so dass der Leser stets den Überblick behält. Grundsätzlich erzählt Judith Winter im Perfekt, wechselt aber zwischendurch immer mal zu den Geschehnissen die Kaylin gerade erlebt und in Folge dessen sind diese Abschnitte im Präsens geschrieben. Hierbei lässt die Autorin das Mädchen sich auch an ihre Vergangenheit zurückerinnern. Ihre Kindheit bleibt dabei aber etwas nebulös.

Wie beim ersten Band kommen die beiden Ermittlerinnen bei ihrer Arbeit nur dadurch weiter, indem jede ihren eigenen Ideen nachgeht und dadurch auch riskiert, ihren Vorgesetzten zu verärgern. Der Thriller ist fein konstruiert, mit einigen unvorhersehbaren Wendungen. Da sowohl Emilia und Mai wie auch der Leser sehr lange nicht wissen, wer der Mörder ist und warum er gemordet hat, ist in dieser Zeit nicht auszuschließen, dass ein weiterer Mord geschehen könnte. Das erhält den Spannungsbogen. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und ich empfehle es gerne an Thrillerfans weiter. 



Dienstag, 17. Februar 2015

[Rezension] T.R.O.J.A. Komplott - Ortwin Ramadan



Inhalt
In der Zukunft tragen alle Menschen Nanobots im Körper, mit denen ihr Gesundheitszustand überwacht werden kann. Diesen verdankt es Nico auch, dass ihm in seinem letzten Gesundheitstest vor der Ernennung zum FBI-Agent verordnet wird, bis auf weiteres auf Koffein und Fleisch verzichten zu müssen. Das versetzt seiner Freude, endlich ein Agent zu sein, aber nur einen kleinen Dämpfer. Als er für ein streng geheimes Projekt rekrutiert wird, muss er jedoch erfahren, dass die Nanobots mehr können, als der Öffentlichkeit bekannt ist.

In der Zwischenzeit spitzt sich die Situation für Beta, die sich mit dem Kellnern und gelegentlichem Trickbetrügen über Wasser hält, immer weiter zu. Ihr Gesundheitsstatus wurde auf rot gesetzt, weil sie sich dringend ärztlich behandeln lassen soll. Als dann ein Mord in ihrem Umfeld passiert und sie eine mysteriöse Botschaft findet, weiß sie, dass sie die Stadt schleunigst verlassen muss.

Meinung
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der die Gefahr der Gesamtsituation deutlich macht. Nico erwacht aus der Bewusstlosigkeit, mit viel zu dünnen Sachen mitten im Schnee, und muss hinter einem verunglückten Wagen eine Leiche entdecken. Was ist geschehen? Auf die Beantwortung dieser Frage muss der Leser noch eine ganze Weile warten, denn das Buch springt zunächst vier Wochen in die Vergangenheit.

Nico lernt man kurz vor seiner Ernennung zum FBI-Agenten kennen. Seinen Ehrgeiz merkt man ihm gleich an. Nach der Ausbildung brennt er nun darauf, in den aktiven Dienst einzutreten und damit in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Gleichzeitig lernt der Leser Beta kennen, deren Kapitel sich mit denen Nicos meist abwechseln. Sie lebt eher in den Tag hinein und versucht, sich irgendwie über Wasser zu halten. Meist handelt sie impulsiv und immer wieder auch gegen das Gesetz. Dies ist aufgrund ihrer verzwickten Situation aber nicht verwunderlich, und so wurde mir Beta noch schneller sympathisch als Nico.

Die Verbindung zwischen Nico und Beta offenbart sich erst nach einer Weile, denn insgesamt braucht die Geschichte einige Zeit, um in Schwung zu kommen. Sie nimmt sich ihre Zeit, die Hauptcharaktere vorzustellen und den Leser über die Funktionsweise und Akzeptanz der Nanobots aufzuklären. Andere gesellschaftliche und technische Entwicklungen der Zukunft werden angedeutet, aber nicht näher ausgeführt. Der Fokus der Geschichte liegt damit klar auf den Nanobots und der Leser erhält in diesem Einzelband nur die Informationen, die er zum Verständnis der Handlung braucht. Neben den Kapiteln über Nico und Beta werden auch immer wieder Kapitel über die Köpfe hinter den Nanobots und ihre Entscheidungen eingebaut, damit man als Leser die Rollen der beiden Charaktere noch besser versteht.

Auch wenn der Prolog die Vermutung nahe legt, ist dieses Buch nicht von offener Action, sondern eher von untergründiger Spannung geprägt. Nico verbringt viel Zeit in der Einsatzzentrale, während Beta per Anhalter an ihr Ziel gelangen möchte. Das sorgte für gelegentliche Längen, doch gleichzeitig ließen mich die Erkenntnisse über die Nanobots, ihre Einsatzmöglichkeiten und die zahlreichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben mitfiebern, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Wird Nico den Befehlen seiner Vorgesetzten ungefragt Folge leisten? Was wird mit Beta geschehen, falls sie das Ziel ihrer Reise erreicht? Ein Showdown, in dem es für alle Charaktere noch einmal besonders gefährlich wird, rundete das Buch schließlich gelungen ab.

Fazit
„T.R.O.J.A. Komplott“ bietet ein Zukunftsszenario, bei dem nach und nach offenbar wird, in welch gefährliche Richtung sich der Einsatz von Nanobots im Körper entwickelt. Nico und Beta sind zwei völlig unterschiedliche, interessante Protagonisten, deren Leben durch von dem Einsatz der Nanobots in ganz spezieller Weise beeinflusst wird. Das Buch zeichnet sich vor allem durch seine untergründige Spannung aus. Wer Dystopien mag, bei denen es auch einmal ruhiger zugehen darf, dem empfehle ich das Buch gerne weiter.

Buchinfos

Hardcover mit Lesebändchen: 384 Seiten
Preis: 16,95 Euro
Erscheinungsdatum: Januar 2015
Verlag: Coppenrath Verlag
Handlungszeit: Zukunft
Handlungsort: USA
Link zur Buchseite des Verlags

Sonntag, 15. Februar 2015

[Rezension] Die Buchspringer - Mechtild Gläser



Inhalt
In den Sommerferien beschließen Amy und ihre Mutter Alexis spontan, Amys Großmutter Lady Mairead auf der schottischen Insel Stormsay zu besuchen. Diese hat Alexis nicht mehr gesehen, seit sie schwanger mit Amy war und abgehauen ist. Auf der Insel angekommen, verlangt Lady Mairead, dass Amy in das Familiengeheimnis eingeweiht wird: Ihre Familie verfügt über die Gabe, in Bücher springen zu können. Auch wenn Alexis nur wenig begeistert ist, möchte Amy einen Sprung versuchen – und findet sich schon kurze Zeit später im Dschungelbuch wieder. Doch irgendetwas geht in der Buchwelt vor sich: Ein Dieb treibt sein Unwesen und bringt Geschichten völlig durcheinander. Kann Amy der Buchwelt helfen?

Meinung
Als ich den Klappentext des Buches zum ersten Mal las, war ich sofort begeistert. Ein Buch über Bücher kann ich mir nicht entgehen lassen! Entsprechend neugierig startete ich in die Geschichte und fand mich gleich mitten im Geschehen wieder. Alexis und Amy treffen auf der winzigen schottischen Insel Stormsay ein und Amy trifft zum ersten Mal auf ihre Großmutter, die nicht das geringste Problem damit hat, dass die beiden nach Jahren einfach so vor ihrer Türe stehen. Sie ist nur daran interessiert, dass Amy über ihre Gabe erfährt und baldmöglichst am Unterricht für Buchspringer teilnimmt.

Schon nach wenigen Seiten lernte ich gemeinsam mit Amy Will und Betsy kennen, die Buchspringer der einzigen anderen Familie, die über die Gabe verfügt. Diese demonstrieren Amy kurz das Buchspringen, und schon findet sich auch Amy in der Buchwelt wieder und macht so manche interessante Bekanntschaft. Amys Bekanntschaften mit den verschiedensten Buchfiguren lassen sicherlich das Herz jedes Buchliebhabers höher schlagen – wer würde nicht gerne an ihrer Stelle sein? Gleichzeitig wurde mir aber viel zu wenig erklärt. Unter dem Motto „Die Gabe funktioniert eben einfach“ wird das hinein- und hinausspringen, vorblättern, Geschichtenwechseln, Geschichten umschreiben und so weiter nicht näher erläutert, sondern man muss es als Leser einfach so hinnehmen.

Durch den mysteriösen Dieb in der Buchwelt und den Fund einer Leiche kommt bald Spannung in die Geschichte. Der Dieb hastet in Windeseile durch die verschiedensten Geschichten, während Amy und ihre neuen Buchfreunde Werther und Shir Khan ihm auf den Fersen sind. Dabei macht man im Schnelltempo interessanteste Bekanntschaften mit unterschiedlichsten Buchfiguren, bevor man sich auch schon in der nächsten Geschichte wiederfindet.

Während der Charme des Stöberns durch die Buchwelt der große Pluspunkt der Geschichte ist, gibt es neben den mangelnden Erklärungen leider einen weiteren Aspekt, der meinem Lesespaß einen gehörigen Dämpfer verpasst hat. Die ganze Geschichte funktioniert in dieser Form nämlich nur, weil sämtliche Charaktere sich für mich ständig auf nicht nachvollziehbare Weise verhalten. Sie stolpern immer genau dann über ihre eigenen Füße, treffen offensichtliche Schlussfolgerungen nicht und behalten wichtige Informationen für sich, wenn es dafür sorgt, dass die Aufdeckung der Geheimnisse weiter verschoben wird. Dadurch machte die Geschichte auf mich einen extrem konstruierten Eindruck. Auf den letzten Seiten verzehnfachten sich dann auch noch einmal meine „Wie soll das denn jetzt schon wieder funktionieren“-Gedanken, sodass mich auch das abgeschlossene Ende nur bedingt versöhnlich stimmen konnte.

Fazit
„Die Buchspringer“ ist eine Geschichte mit Charme, denn Amys Sprünge in die Buchwelt und ihre Bekanntschaften mit den unterschiedlichsten Buchfiguren lassen sicherlich das Herz jedes Buchliebhabers höher schlagen. Leider erlebte ich den Handlungsverlauf als extrem konstruiert, konnte das Verhalten und Denken der Charaktere oft nicht nachvollziehen und hätte mir noch einige Erklärungen zum Buchspringen gewünscht. Die schöne Grundidee hat für mich in der Umsetzung nur bedingt funktioniert, weshalb ich dem Buch nur 3 Sterne geben kann.

Buchinfos

Hardcover: 384 Seiten
Preis: 17,95 Euro
Erscheinungsdatum: 16. Februar 2015
Verlag: Loewe Verlag
Handlungszeit: Gegenwart
Handlungsort: Stormsay, eine winzige schottische Insel
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Donnerstag, 12. Februar 2015

[Neuzugänge Ingrid] Bestseller von morgen?



Hallo liebe LeserInnen,

diese Woche erreichten mich zwei Neuzugänge. Ich bin schon sehr gespannt, ob sie die Besteseller von morgen in Deutschland sein werden. Nach dem Klappentext zu urteilen, haben sie das Potential dazu. Im folgenden stelle ich sie euch kurz vor:

- "Die Quelle" von Catherine Chanter ist der erste Roman der Autorin und hat den Lucy Cavendish Fiction Prize erhalten. Das Buch erscheint in 20 Ländern. Es ist eine Dystopie: eine Familie erwirbt Land auf dem sich eine Quelle befindet. Dann regnet es nicht mehr, nur noch auf dem Land der Familie entstehen - na klar - Probleme. Mal schauen, was dann passiert!

- "Ein Jahr auf dem Land" von Anna Quindlen ist ein Roman über einen späten Neubeginn. Die Protagonistin Rebecca ist geschieden, ihr Sohn ist ausgezogen und als Künstlerin ist die Fotografin nicht berühmt geworden. Die Einnahmen bleiben aus. Sie verkauft ihr Apartment in New York und zieht aufs Land. Der Roman war in den USA in den Top-Ten. Wird er das auch hier schaffen? Ein Interview mit der Autorin verspricht ein Happy-End für Rebecca *seufz* schöön

Schon mal von den Büchern gehört? Könnte das auch was für euch sein?

Liebe Grüße
Ingrid

Mittwoch, 11. Februar 2015

[Rezension] Die Stadt der besonderen Kinder - Ransom Riggs



Die Reihe

Band 1: Die Insel der besonderen Kinder (Rezension)
Band 2: Die Stadt der besonderen Kinder
Band 3: ?

Inhalt
Jacob und die besonderen Kinder aus Miss Peregrines zerstörter Zeitschleife sind den Wights nur knapp entkommen. Sie konnten sich aufs englische Festland retten, werden aber weiterhin verfolgt. Damit Miss Peregrine wieder ihre menschliche Gestalt annehmen kann, müssen sie nun eine andere Ymbryne finden, die ihr helfen kann. Doch wo suchen, wenn die meisten von ihnen schon gefangen wurden? Die Kinder begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, stets auf der Flucht vor Wights und Hollows, und machen dabei so manche besondere Bekanntschaft…

Meinung
Nachdem mich der erste Teil der Reihe, „Die Insel der besonderen Kinder“, bereits vor einer ganzen Weile begeistern konnte, habe ich mich riesig über die Nachricht gefreut, dass nun auch die Fortsetzung übersetzt wurde. Auch wenn nur die allerwichtigsten Ereignisse des Vorgängers kurz aufgegriffen werden, habe ich mich schnell wieder in der Geschichte zurechtgefunden. Der mitreißende Schreibstil des Autors katapultierte mich gleich mitten auf eine stürmische See, und von der ersten Seite an fieberte ich mit Jacob und seinen Freunden um eine erfolgreiche Flucht und Miss Peregrines Rettung.

Die kurze Übersicht über alle wichtigen Personen am Buchanfang hat mir sehr dabei geholfen, die besonderen Kinder und ihre Fähigkeiten schnell einordnen zu können. Die außergewöhnlichen Charaktere habe ich in Windeseile wieder in mein Herz geschlossen. Viele von ihnen bekommen in diesem Teil die Gelegenheit, zu zeigen, was in ihnen steckt. Es machte Spaß zu beobachten, wie sie alle ihr Bestes geben, um die Gruppe zu schützen und ihre Headmistress zu retten. Jakob selbst macht ebenfalls eine große Entwicklung durch, auch wenn er dabei immer wieder von Zweifeln geplagt wird.

Auf ihrer Flucht machen Miss Peregrines Kinder einige neue, besondere Bekanntschaften. Diese Charaktere bleiben Nebenfiguren, aber auch hier hat der Autor seiner Fantasie in Bezug auf besondere Talente freien Lauf gelassen und den Figuren kleine, aber entscheidende Rollen zugewiesen. Wie auch im Vorgänger rankt sich die Geschichte zudem um zahlreiche mysteriöse Fotografien, was das Buch erneut zu einem außergewöhnlichen Leseereignis machte. Ich hätte mir allerdings noch richtungsweisendere Entwicklungen gewünscht, denn gerade weil der Autor sich so viel Zeit für die einzelnen Charaktere und ihre Fähigkeiten nimmt, kommt die eigentliche Handlung eher langsam voran. Die explosiven Entwicklungen auf den allerletzten Seiten machten mir jedoch schon jetzt große Lust auf den dritten und finalen Teil, in dem Ransom Riggs hoffentlich noch einmal alles aus seiner Geschichte herausholt.

Fazit
„Die Stadt der besonderen Kinder“ schließt spannend an seinen Vorgänger an und bietet nicht nur eine gefährliche Flucht vor Wights und Hollows, sondern gibt den Charakteren auch zahlreiche Gelegenheiten, sich weiterzuentwickeln und ihre besonderen Fähigkeiten einzusetzen. Die Kinder habe ich dabei mehr und mehr ins Herz geschlossen und mich daher gefreut, dass der Autor dem Leser die Gelegenheit gibt, die einzelnen Charaktere ausführlicher kennen zu lernen. Diese außergewöhnliche Fantasyreihe kann ich daher nur weiterempfehlen!

Buchinfos

Hardcover: 480 Seiten
Preis: 16,99 Euro
Erscheinungsdatum: 2. Februar 2015
Verlag: Knaur
Handlungszeit: 1940er Jahre
Handlungsort: England
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Dienstag, 10. Februar 2015

[Rezension] Lauren Graham - Lieber jetzt als irgendwann

Titel: Lieber jetzt als irgendwann
Autorin: Lauren Graham
Übersetzerin: Susanne Goga-Klinkenberg
Erscheinungsdatum: 22.01.2015
Verlag: Fischer Taschenbuch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Taschenbuch
Handlungszeit: 1995



New York, Broadway – davon träumen sicher viele Schauspieler und Schauspielerinnen. An diesem Handlungsort  spielt der Roman  „Lieber jetzt als irgendwann“ von Lauren Graham. Mit weit geöffneten Armen scheint die junge Frau auf dem Cover das Leben der brodelnden Stadt in sich aufzunehmen, und das möchte auch Frances Banks, genannt Franny, mit ihren 27 Jahren gerne tun. Sie hat sich ein dreijähriges Ultimatum gesetzt. In dieser Zeit will sie erreichen, dass sie von den Einnahmen aus ihrer Tätigkeit als Schauspielerin leben kann. 

Franny ist zu Beginn der Erzählung bereits seit zwei Jahren in der Stadt und lebt eigentlich nur von ihrem Job als Kellnerin. Inzwischen besucht sie aber eine Schauspielschule und erhält bei einem Showcase die Möglichkeit ihr Talent zu zeigen. Nach einem solchen Event bekunden Agenten ihr Interesse an den jeweiligen Darstellern. Doch ihr geschieht ein Missgeschick.  Allerdings wird sie von gleich zwei Agenten kontaktiert. Ist das nun endlich ein Durchbruch? 
 
Das Buch spielt im Jahr 1995, also zu der Zeit in der auch die Autorin darauf gehofft hat, ihr Talent beweisen zu können.  Man merkt es dem Roman an, dass er von jemand geschrieben wurde, der sich in der Schauspielszene auskennt. Obwohl die Figur der Franny nur fiktiv ist, stecken eigene Erfahrungen, die Lauren Graham auf ihrem eigenen Weg gemacht hat, mit in diesem Charakter. Daher wirkt er sehr authentisch. Frances Banks ist eine liebenswerte  Protagonistin. Auch ihre beiden Mitbewohner sind sympathisch. Leider erfährt man über Jane wie auch über Frannys Freund wenig über ihre Vergangenheit. 

Franny erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form, so dass man auch ihre Gedanken und Empfindungen nachvollziehen kann. Sie wäre nicht in New York, wenn sie nicht an ihr Schauspieltalent glauben würde, doch nach so langer Zeit ohne Angebote hat ihr Selbstvertrauen gelitten. Sie hat sich verliebt, muss dann aber feststellen, dass die Beziehung nicht so ist wie von ihr erhofft. Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen, selbst dann nicht, als ihr alternativer Lebensplan zu scheitern scheint. Der Roman macht Mut nicht aufzugeben. Die Erzählung lässt sich leicht lesen, auch dank einer guten Übersetzung. Eine nette, auflockernde Idee der Autorin sind die immer mal wieder eingefügten Filofaxseiten aus dem Kalender von Franny mit Terminen, Einkaufslisten und kleinen Zeichnungen. 

„Lieber jetzt als irgendwann“ ist ein realistisch geschriebenes Buch, zwar ohne großen Tiefgang aber mit hohem Unterhaltungswert.  

Montag, 9. Februar 2015

[Rezension] Ian McEwan - Kindeswohl

Titel: Kindeswohl
Autor: Ian McEwan
Übersetzer: Werner Schmitz
Erscheinungsdatum: 09.01.2015
Verlag: Diogenes Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Rezensionsexemplar
Handlungsort: London/England
Handlungszeit: Gegenwart




Fiona May ist Ende 50 und Richterin am High Court in London. Als ihr Mann mit ihr reden möchte, um ihre Zustimmung zu einer außerehelichen Affäre zu erhalten, überdenkt sie gerade einen aktuellen Gerichtsfall. Sie spricht sich dagegen aus und verweist ihren Mann der gemeinsamen Wohnung, wenn er seinem Verlangen nachgehen möchte. Dann erhält sie den Fall des siebzehnjährigen Jungen Adam, der Bluttransfusionen benötigt um zu genesen. Seine Eltern und er lehnen die Blutübertragungen aus religiösen Gründen ab. Um die unverfälschte Meinung des Jungen einzuholen, begibt sie sich, was eher ungewöhnlich ist, zu ihm ins Krankenhaus. Die Unterhaltung berührt sie tief und hallt in ihr nach. Zu Hause wartet nur eine leere Wohnung auf sie, es ist nicht der gewohnte Alltag in dem sie ankommt. Dennoch hat sie eine Entscheidung zu treffen, die sie routiniert auf Basis der Gesetze angeht. Doch damit ist der Fall für sie nicht abgeschlossen, denn der Junge ist ihr nicht nur dankbar, sondern hat auch ihre Argumentationsweise schätzen gelernt. Er sucht den weiteren Austausch mit ihr.

Ian McEwan nimmt den Leser als allwissender Erzähler mit in die Gedankenwelt der Fiona Maye. So nach und nach erzählt er nicht nur die gegenwärtigen Ereignisse, sondern auch Szenen der Jugend Fionas, die dazu führten, dass sie den Beruf der Richterin ergriffen hat. Der Gerichtsfall Adam ist nicht der einzige den der Autor beschreibt. Es sind aus meiner Sicht schwierige Urteile die Fiona zu sprechen hat nach bestem Wissen und Gewissen, die mir eine Menge Respekt für Fiona und damit dem Autor gegenüber abverlangt haben. Die Fälle sind fiktiv, doch meines Erachtens nach kommt Ian McEwan zu konkludenten Entscheidungen auf der Basis des englischen Rechts. Im Vordergrund steht immer das Wohl des Kindes. 

Die Sprache des Romans ist bildhaft in ihren Beschreibungen der Personen und der Umgebung. Dadurch konnte ich mir die Szenen sehr gut vorstellen. Fiona scheint als Richterin brillant, doch ihr Mann bringt sie in eine ungewöhnliche Lage, die sie fassungslos macht. Ihre Gedanken arbeiten, doch um zu entscheiden, ob sie die Affäre ihres Ehemannes akzeptieren soll ohne die Ehe zu beenden findet sie keine gesetzliche Grundlage. Ein Hintergedanke blitzt auf, ob sie in ihrem Alter noch begehrenswert ist. Doch auf privater Ebene geht es nicht um Recht und Gerechtigkeit. Ihre Beziehung zu Adam führt zu einem unbedachten Moment der ihre innere Haltung auf privater Ebene verändert.  Der Roman ist in weiten Teilen kühl und rational, doch unter der Oberfläche von Fiona ist eine angreifbare Frau zu entdecken – ein lesenswertes Buch!

Sonntag, 8. Februar 2015

[Rezension] Graeme Simsion - Der Rosie-Effekt

Titel: Der Rosie-Effekt - Noch verrückter nach ihr
Autor: Graeme Simsion
Übersetzerin: Annette Hahn
Erscheinungsdatum: 28.10.2014
Verlag: Fischer Krüger Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Ausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: New York/U.S.A.
Handlungszeit: Gegenwart



„Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion spielt wenige Monate nach dem Vorgängerband „Das Rosie-Projekt“. Die beiden Protagonisten des ersten Buchs, der kühl rational denkende Genetiker Don Tillman und seine ihm frisch angetraute Frau Rosie, sind nach New York gezogen. Dort möchte Rosie ihre Doktorarbeit zu Ende schreiben. Beide arbeiten abends stundenweise in einer Bar, da die Miete und das Leben vor Ort teuer sind. Und dann wird Rosie schwanger, außerhalb der Planung die Don für die nächsten Monate gemacht hat. Doch woher nur das Geld für eine größere Wohnung nehmen? Zum Glück hat Don Dave, der zu seinen sechs Freunden gehört und hm glücklicherweise in Verbindung mit einem Gefallen eine neue Unterkunft besorgen kann. Dann kündigt Gene, seines Zeichens Psychologieprofessor und schon in das Rosie-Projekt involviert, seinen Besuch an. Er hat sich von seiner Frau getrennt und möchte längere Zeit bei Don wohnen, doch mit Rosie versteht er sich nicht besonders. Don muss nun nicht nur Rosies Zustimmung zu Genes Aufenthalt in der gemeinsamen Wohnung erwirken, sondern vor allem beginnen sich bestmöglichst auf seine Rolle als Vater vorzubereiten. 

Mit seiner bereits im ersten Buch hervorstechenden logischen Denkweise macht sich Don an die Lösung seiner Probleme. Da ihm empathische Fähigkeiten weitgehend fehlen, kann er nur durch Beobachtung lernen oder sich das nötige Wissen anlesen. Weil Don in der Ich-Form erzählt, kann der Leser genau nachverfolgen, welche Gedanken ihn bei seinen Planungen beschäftigen. Er erfasst alles strukturiert, nach Möglichkeit  in Auflistungen und Tabellen. Sein oft auf seine Mitmenschen ungewöhnlich wirkendes Verhalten bringt ihn in manche schwierige Situation. Man kann ihm nicht richtig böse sein kann, egal wie er sich verhält. Eigentlich sollte er darauf vertrauen, dass Rosie ihn inzwischen gut genug kennengelernt hat um seine Reaktionen einschätzen kann. Doch Dons allererstes Anliegen ist es, jeglichen Stress von Rosie fern zu halten um dem Kind nicht zu schaden. Und nun macht er sich daran, bestimmte Dinge zu verheimlichen. Dadurch sind Missverständnisse nahezu vorprogrammiert. 

Die sympathische Rosie hat sich ein Baby gewünscht, doch die Schwangerschaftshormone machen ihr nicht nur physisch sondern auch psychisch zu schaffen. Dadurch gelingt es ihr nicht immer, Verständnis für ihren Mann aufzubringen. Der Autor belastet die Beziehung zwischen Don und Rosie sehr, so dass es schließlich für Don zum Rosie-Effekt kommt: wahre Freude im Beisammensein erkennt man erst in der Bedrohung ihn zu verlieren. Auch Dons Freunde Gene und Dave sorgen für manch humorvolle Szene. Trotzdem stimmen einige Themen im Buch, mit denen Don sich auf seine Weise ernsthaft auseinanderzusetzen weiß , den Leser nachdenklich.  

Insgesamt gesehen ist „Der Rosie-Effekt“ ein würdiger Nachfolger für „Das Rosie-Projekt“. Die Figur des Don ist zwar nicht mehr so überraschend, aber Graeme Simsion hat auf besondere Art und Weise alltägliche Probleme und Lösungen von Don, seinen Freunden und Bekannten zusammengestellt, die ineinandergreifen und so ein rundes Ganzes als Erzählung ergibt. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses Buch.

Ingrids Rezension zum Buch "Das Rosie-Projekt": KLICK!
Hannas Rezensionen zu den Büchern "Das Rosie-Projekt": KLICK! und "Der Rosie-Effekt": KLICK!