Montag, 29. Juni 2015

[Rezension] Mario Giordano - Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

Titel: Tante Poldi und die sizilianischen Löwen
Autor: Mario Giordano
Erscheinungsdatum: 12.03.2015
Verlag: Lübbe Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: Sizilien (Italien)
Handlungszeit: Gegenwart




„Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ ist ein turbulenter Kriminalroman aus der Feder von Mario Giordano. Doch zunächst einmal beginnt die Geschichte ziemlich ruhig. Erzählt wird sie von dem fiktiven Neffen der Protagonistin Poldi, dessen Stelle in meiner Vorstellung beim Lesen immer vom Autor des Buches eingenommen wurde. Nach Angabe von Mario Giordano trägt der Roman tatsächlich autobiographische Züge, wurde aber zum Vergnügen des Lesers mit entscheidend erheiternden Elementen fiktiv aufgefrischt. Die sizilianischen Löwen im Titel spielen übrigens eine wichtige Rolle im Zuge der Ermittlungen.

Tante Poldi ist kräftig gebaut dabei aber nicht zu groß, trinkt gerne und eher regelmäßig einen über den Durst, trägt ständig eine schwarze Perücke und legt viel Wert auf angemessene Kleidung für jeden Anlass. Die Abbildung auf dem Cover kommt meinem Bild von ihr sehr nahe. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag äußert sie den Wunsch, schwermütig wie sie manchmal ist,  sich ins Jenseits zu saufen und das mit Meerblick in der Nähe der Familie ihres verstorbenen Ex-Mannes in Sizilien. So packt sie ihre Koffer und reist in Begleitung ihres Neffen zu ihrem Wunschziel. Mit Hilfe der Familie findet sie bald ein passendes Häuschen. Auf den Innenseiten der Klappen finden sich zur besseren Einordnung der Handlungsorte zwei sehr schön gestaltete Karte von Sizilien beziehungsweise von einem Teil der Insel.

Poldis schriftstellernder Neffe besucht sie einmal im Monat und ihm erzählt sie jedes Mal was sich inzwischen ereignet hat. Hin und wieder hilft ihr der junge Valentino. Als dieser eines Tages nicht erscheint, beginnt sie sich Sorgen zu machen. Schließlich begibt sie sich auf die Suche und findet, wie sie es schon geahnt hat, seine Leiche am Meer. Sie hat auch schon eine Vermutung, wer der Täter sein kann, aber ihr fehlen die Beweise. Statt die Aufklärung des Falls dem zuständigen und wie Poldi findet attraktiven Commissario Montana zu überlassen, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. 

Mit Tante Poldi erschafft der Autor einen ganz besonderen Charakter. Ihr Bayrisch, in das sie ungewollt in gewissen Situationen verfällt und in dem sie ihrem Neffen ihre Geschichte erzählt, ist zwar für einen Rheinländer wie mich gewöhnungsbedürftig, aber es gibt der Geschichte eine besondere Note. Hin und wieder bedient Poldi sich unkonventioneller Methoden bei ihren Ermittlungen. Sie ist keine rundum liebenswürdige Figur, wurde mir im Laufe der Erzählung aber immer sympathischer. 

Mario Giordano nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Sizilien und lässt ihn dort an den Schönheiten der Insel wie auch an den Lebensgewohnheiten der Sizilianer teilhaben. Ein Schreibstil mit belebter Sprache und Dialoge mit Wortwitz machen das Buch zu einem lesenswerten Kriminalroman. Der letzte Satz lässt auf eine Fortsetzung hoffen, bei der man vielleicht auch erfährt, was sich eigentlich in Tansania ereignet hat.  

Donnerstag, 25. Juni 2015

[Rezension] Die Seiten der Welt: Nachtland - Kai Meyer



Die Reihe

Die Seiten der Welt

Band 1: Die Seiten der Welt (Rezension)
Band 2: Die Seiten der Welt: Nachtland
Band 3: ?

Inhalt
Seit einigen Monaten hat Furia den Widerstand in der Residenz untergebracht und unterstützt ihn bei verschiedensten Missionen. Jetzt steht sie gemeinsam mit ihren Freunden vor der bislang schwierigsten Aufgabe: Sie wollen den Weg ins Sanktuarium finden, dem Herz der Adamitischen Akademie, jenem Raum, in der die Oberhäupter der Drei Häuser über das Schicksal der bibliomantischen Welt entscheiden. Doch die Sanktuariumskarte befindet sich ausgerechnet in der Hand des mächtigsten Verbrechers in Libropolis‘ Ghetto. Gleichzeitig regt sich etwas in den untersten Refugien: Ist es derselbe Feind, der schon im letzten Krieg in den Nachtrefugien bekämpft wurde? Oder etwas noch Gefährlicheres? Von allen Seiten gejagt geben Furia und ihre Verbündeten nicht auf, um ihren Zielen näherzukommen.

Meinung
Endlich ist Teil zwei der Seiten der Welt da! Angekündigt als Einzelband war ich zunächst skeptisch, was ich von der Ausdehnung auf eine Trilogie halten soll. Der erste Band hat mir aber so gut gefallen, dass ich einfach weiterlesen musste. Und das habe ich nicht bereut! Die Handlung des zweiten Buches beginnt einige Monate nach den Ereignissen von Teil eins. Im Nu war ich wieder mittendrin in der Welt der Bibliomantik, denn Kai Meyer wählt nicht etwa einen ruhigen Start, sondern schickt den Leser gleich mit auf Furias bislang gefährlichste Mission.

Neben Furia stehen vor allem Cat und Finnan sowie Isis und Summerbelle, die dritte Bibliomantin des Widerstandes, im Mittelpunkt. Sie alle sind aktiv als Rebellen unterwegs. Dabei müssen sie ihren Mut unter Beweis stellen und auch auf unerwartete Gefahren reagieren. Immer wieder musste ich darum bangen, ob die Freunde ihr Ziel erreichen oder sich wenigstens rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Mal können kleine Siege gefeiert werden, dann gibt es wieder zahlreiche Rückschläge. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass es für jeden Schritt vorwärts drei zurück geht. Betrachtet man das Kräfteverhältnis zwischen dem Widerstand und der Akademie, ist das aber auch sehr nachvollziehbar. Kai Meyer lässt den Leser spüren, dass der Weg Kampf gegen den übermächtigen Feind für Furia und ihre Freunde kein leichter ist.

Kai Meyer treibt die Spannung immer wieder auf die Spitze, ermöglicht dem Leser dann aber auch wieder Verschnaufpausen. In diesen erfährt der Leser unter anderem, was in der Residenz vor sich geht und lernt einige Mitglieder der adamitischen Akademie näher kennen. Geheimnisse werden gelüftet und ermöglichen es dem Leser, die Welt der Bibliomantik immer besser zu verstehen. Neben neuem Wissen lernt der Leser auch neue bibliomantische Orte kennen. Der Titel des Buches deutet bereits an, dass es sich bei diesen Zielen vor allem um düstere, gefährliche Ecken der bibliomantischen Welt handelt. Mir gefällt die von Kai Meyer geschaffene Welt der Bibliomantik unglaublich gut, sodass ich begierig jedes neue Detail über diese aufgesogen habe.

Nach ruhigeren Phasen stieg die Spannung meist schnell an. Mal müssen die Rebellen möglichst unauffällig agieren, mal Kämpfe bestehen. Dabei setzt sich der Trend des Vorgängers fort, dass so mancher Charakter ein Opfer des tobenden erbitterten Kampfes wird und das Ende des Buches nicht mehr erleben wird. Kein Charakter ist sicher, was mich umso mehr um die Rebellen bangen ließ, die mir mit jeder Seite vertrauter wurden. Doch auch die Kontrahenten des Widerstandes konnte ich durch die zahlreichen Perspektivenwechsel besser verstehen. So unsympathisch sie auch waren, wurde mir ihre Motivation doch verständlich gemacht.

Im Laufe des Buches müssen die Rebellen immer häufiger auf neue Bedrohungen reagieren und diese bewältigen statt proaktiv eigene Pläne zu schmieden. Im letzten Viertel des Buches gibt es dann aber wegweisende Entwicklungen und die Handlung machte ein paar große Schritte voran. Das Finale des Buches kann sich sehen lassen, hier wird das Potenzial der Geschichte voll ausgeschöpft. Die neuen Entwicklungen haben mich so fesseln können, dass ich jetzt darauf brenne, das Trilogiefinale zu lesen, um zu erfahren, wie es in der bibliomantischen Welt weitergeht!

Fazit
In „Die Seiten der Welt: Nachtland“ spitzt sich die Lage in der bibliomantischen Welt zu. Während der Kampf der Rebellen gegen die Akademie gnadenloser wird, scheint noch etwas ganz anderes vorzugehen. Auf mich übt die Welt der Bibliomantik eine ungebrochene Faszination aus. Die Geschichte bietet eine gelungene Themenmischung von Mut und Entschlossenheit über Ehrgeiz und Loyalität bis hin zu Freundschaft und Liebe. „Die Seiten der Welt“ ist ein Muss für Buchliebhaber, und auch die Fortsetzung solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen!

 
Buchinfos

Hardcover: 592 Seiten
Preis: 19,99 Euro
Erscheinungsdatum: 25. Juni 2015
Verlag: Fischer FJB
Handlungszeit: Gegenwart
Haupthandlungsorte: Cotswolds, Libropolis und weitere Refugien
Link zur Buchseite des Verlags

Montag, 22. Juni 2015

[Rezension] Franz Kotteder - Der große Ausverkauf

Autor: Franz Kotteder
Titel: Der große Ausverkauf - Wie die Ideologie des freien Handels unsere Demokratie gefährdet
Erscheinungsdatum: 02.205.2015
Verlag: Ludwig Verlag (Link des Buchs zur Verlagsseite)
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur





„TTIP“ begegnete mir seit geraumer Zeit mehrfach in den Medien. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ zwischen der Europäischen Union und den USA. Mit dem Buch von Franz Kotteder habe ich mich über den genaueren Inhalt des Abkommens informieren können. Hauptsächlich geht es darum, bestehende Handelsschranken abzubauen, mit dem gesetzten Ziel, Unternehmensgewinne zu maximieren, was wiederum zur Schaffung von Arbeitsplätzen führen soll. Dabei geht es um etliche Details, die ausgehandelt werden müssen. Doch die Verhandlungen dazu werden streng geheim gehalten, was natürlich vor allem bei Verbraucherschützern zu großen Bedenken führt. Es hinterlässt den Eindruck, dass hier vor allem Großkonzerne ihre Interessen durchsetzen möchten. Politiker, die das Gemeinwohl der Bevölkerung im Blick haben, werden möglichst umgangen. 

Nach einigen informativen Kapiteln, was und wer sich hinter der Abkürzung TTIP verbirgt, entfaltet der Autor ein Szenario nach dem anderen bei denen er einzelne zu verhandelnde Themen aufgreift wie beispielsweise Verbraucherschutz, Biotechnik, öffentliche Daseinsvorsorge, Arbeit und Datenschutz. Dabei wirft er auch immer wieder einen Blick auf bisherige Abkommen im jeweiligen Bereich. Der Autor nimmt im vollen Umfang die Position des Kritikers ein, wie bereits aus dem Untertitel des Buchs hervorgeht. Er zeigt dem Leser die möglichen Konsequenzen auf, wenn bei den Verhandlungen Unternehmensinteressen im Vordergrund stehen. Dies ist durchgehend beängstigend. Die Darstellung der Auswirkungen der möglichen Partnerschaft finde ich sehr beunruhigend. Im letzten Kapitel zeigt Herr Kotteder zu meiner Beruhigung auf, dass es zahlreiche Gruppierungen von Nichtregierungsorganisationen gibt, die Widerstand gegen das Abkommen leisten. Franz Kotteder räumt ein, dass ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA Handelserleichterungen bringt und in dessen Folge auch einiges Gute bringen kann, wenn denn gewisse Spielregeln dabei eingehalten werden. Die positiven Folgen führt er dabei nicht weiter aus.

Das Buch konnte mir einen guten, verständlichen Überblick über die Problematik des Vertrags, der zwischen der EU und den USA geschlossen werden soll vermitteln. Die weitere Entwicklung werde ich nun mit dem nötigen Hintergrundwissen in den Medien weiter verfolgen können. 

Sonntag, 21. Juni 2015

[Rezension] Mark Peterson - Blood & Bone

Titel: Blood & Bone
Autor: Mark Peterson
Übersetzer: Karen Witthuhn
Erscheinungsdatum: 30.05.2015
Verlag. Rowohlt Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Handlungsort: Brighton/England
Handungszeit: Herbst 2012 und 1992-1996



„Blood & Bone“ von Mark Peterson ist der zweite Teil einer Buchserie bei der Detective Sergeant Minter ermittelt, der im Handlungsablauf zum Detective Inspector ernannt wird. Es ist kein Problem, das Buch ohne Vorkenntnis des ersten Bands zu lesen. Auch ich kenne den ersten Band nicht. Handlungsort ist das britische Seebad Brighton. Der Brighton Pier, in Abendlicht getaucht, ist auf dem Cover zu sehen und wird im Buch zu einem der Schauplätze.

Der Autor führt den Leser zu Beginn des Buchs zurück ins Jahr 1992. Martin Blackthorn beschäftigt sich als Student mit der Erforschung der menschlichen Zellstruktur. In seinem Innern schlummern dunkle Geheimnisse. Nebenbei verdient er sich etwas Geld als Bote. Auf einem seiner Botengänge begegnet er einem zehnjährigen Jungen, dem es an Empathie mangelt. Unter einem Vorwand nimmt er den Jungen mit ins Labor zu den Tierkäfigen und fordert ihn auf, eine Maus aufzuschlitzen.

20 Jahre später wird am Bahnhof in Brighton ein großer Koffer mit einer zerstückelten Frauenleiche aufgefunden, bei der einige Teile fehlen. Ein verwirrter Obdachloser wird als Täter festgenommen. Schnell stellt sich aber heraus, dass er zwar den Koffer abgesetzt hat, aber nicht der Mörder sein kann. Unterdessen wird eine zweite, ebenfalls übel zugerichtete Leiche gefunden. Und dann verschwindet die Tochter einer bekannten TV-Moderatorin. 

Der Titel ist bei diesem Krimi Programm. Für feinfühlige Leser ist er daher weniger geeignet. Obwohl die Misshandlungen während der Tat nicht im Einzelnen beschrieben werden, sondern die Funde, ergibt sich daraus vor dem inneren Auge des Lesers ein brutales Werk des Mörders. Das Buch lässt sich, auch dank einer ordentlichen Übersetzung leicht lesen, verzettelt sich aber in manchen Nebenhandlungen. So beschreibt der Autor beispielsweise die Probleme der Moderatorin in Gegenwart und Vergangenheit, die aber keinen Zusammenhang mit den Fallermittlungen erkennen lassen. Dadurch wird das Geschehen zwar unterhaltsam, aber nicht spannender. Überhaupt bleibt die Spannung eher gedämpft, weil man von Beginn an eine Ahnung hat, wer der Täter ist. Ich habe die ganze Zeit mit einer überraschenden Wendung gerechnet. Ob diese eingetreten ist, verrate ich nicht. 

Bei diesem Buch erfolgen die Ermittlungen nach klassischer Art. Doch der Leser ist nicht in jeden Schritt involviert, sondern erlangt teils in Sprüngen, die sich durch Nebenhandlungen beziehungsweise Retrospektiven ergeben, rückblickend Kenntnisse über neue Ergebnisse. Für mich kam dabei die eigentliche Aufklärungsarbeit, die ich sehr gerne bei Büchern dieser Art verfolge, zu kurz. Die Beschreibung einzelner Charaktere ist dafür umso ausführlicher. Neben den schon erwähnten Problemen der Moderatorin thematisiert Mark Peterson vor allem die schwierige Jugendzeit von DI Minter, die bis in die Gegenwart seine Schatten wirft, ebenso wie das Verhältnis der Opferberaterin Vicky Reynolds zu ihrer Mutter. Beide Figuren werden dem Leser sympathisch und der Ausgang des Buchs deutet darauf hin, dass es eventuell weitere Fälle mit diesen beiden Ermittlern geben könnte. 

Leider konnte mich der Krimi aufgrund des Aufbauschens von Nebensächlichem nicht vollständig überzeugen. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.

[Rezension] Bretonischer Stolz - Jean-Luc Bannalec



Die Reihe

Kommissar Dupin

Band 1: Bretonische Verhältnisse (Rezension)
Band 2: Bretonische Brandung (Rezension)
Band 3: Bretonisches Gold (Rezension)
Band 4: Bretonischer Stolz

Inhalt
Vor fast fünf Jahren wurde Dupin in die Bretagne versetzt, jetzt wurde er von Hauptkommissar zum Leitenden Kommissar befördert. Neben einer Gehaltserhöhung geht das leider auch mit einem ungeliebten Fortbildungsseminar einher. Glück für Dupin, dass ihn in letzter Sekunde ein neuer Fall von der Teilnahme abhält. In Riec-sur-Bélon hat eine ehemalige Schauspielerin neben einem Parkplatz eine Leiche entdeckt. Von dieser fehlt bei Eintreffen er Polizei aber jede Spur. Ist der Fund etwa nur ein Hirngespinst der alten Dame? Als am nächsten Tag eine weitere Leiche in den Mons d’Arrée gefunden wird, muss Dupin mit Hochdruck auch die abwegigsten Spuren verfolgen…

Meinung
Dupin verhält sich von der ersten Seite der Geschichte an wieder genauso, wie man es von ihm erwartet: Um seiner Fortbildung so lange wie möglich zu entgehen, besucht er die Pinguine und wird durch den Fund eines Toten schließlich ganz von der Teilnahme abgehalten. Dupins inzwischen vierter Fall ist von Beginn an ungewöhnlich, denn der Tote ist verschwunden, als die Polizei am Fundort eintrifft. Wird Dupin trotzdem Hinweise finden? Meine Neugier auf den neuen Fall war schnell geweckt.

In gewohnter Manier beginnt Dupin mit seinen Befragungen. Hier steht zunächst vor allem Sophie Bandol im Fokus, welche den verschwundenen Toten gesehen haben will. Dupin ist von ihr im Nu fasziniert, während die alte Dame ihre ganz eigene Vorstellung davon hat, was er als Kommissar zu tun hat. An Einzelheiten des Fundes erinnert sie sich nur bruchstückhaft und immer wieder fallen ihr Dinge ein, mit denen sie Dupin auf Trab hält. Die exzentrische Sophie hat die Ermittlungen mühelos auflockern können.

Mit dem Fund des zweiten Toten gerät Dupin unter Druck. Ermittelt er in zwei separaten Fällen oder gibt es einen Zusammenhang? Durch die Identität des zweiten Toten ergeben sich immerhin Ansatzpunkte für Ermittlungen. Was wissen die Austernzüchter des Ortes? Haben druidische Aktivitäten irgendetwas mit der Sache zu tun? Oder gar der Verdacht des Sandraubs, in dessen Angelegenheit Kadeg übereifrig ermittelt? Durch die Befragungen von relevanten Personen lernte ich als Leserin auch dieses Mal wieder so einiges über Land und Leute, diesmal also speziell über Austern und Druiden.

Bei immer neuen Fällen bietet die Reihe rund um Dupin eine gewisse Konstanz, die ich zu schätzen gelernt habe. Der neue Fall schlägt wieder ein ruhiges Tempo an und kommt ohne lange Actionszenen aus, bietet aber trotzdem überraschende Wendungen. Es gibt kurze Einblicke ins Privatleben der Ermittler, welche sich aber nicht in den Vordergrund der Handlung drängen. Die Ermittler sind inzwischen ein eingespieltes Team, deren Umgang miteinander mich immer wieder unterhalten kann. Für mich ist Dupin zu einer festen Größe der aktuellen Kriminalliteratur geworden, die ich nicht mehr missen möchte.

Fazit
„Bretonischer Stolz“ beginnt mit einer verschwundenen Leiche und lässt Dupin und den Leser im Laufe der Handlung so manches über das Selbstverständnis der Bretonen und ihre Kultur lernen. Dupin ermittelt in verschiedene Richtungen und kommt durch Befragungen und Nachforschungen dem Kern der Sache näher. Spannende Ermittlungen und unterhaltsame Dialoge konnten mich bestens unterhalten. Dieser vierte Teil hält das starke Niveau seiner Vorgänger, sodass ich ihn sehr gerne weiterempfehle.

Buchinfos

Klappenbroschur: 384 Seiten
Preis: 14,99 Euro
Erscheinungsdatum: 17. Juni 2015
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Handlungszeit: Gegenwart
Handlungsort: Bretagne/Frankreich
Link zur Buchseite des Verlags

Mittwoch, 17. Juni 2015

[Rezension] Harlan Coben - Ich vermisse dich

Titel: Ich vermisse dich
Autor: Harlan Coben
Übersetzer: Gunnar Kwisinski
Erscheinungsdatum: 23.03.2015
Verlag: Pag & Turner (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: New York
Handlungszeit: Gegenwart



Ein einsam gelegenes Farmhaus auf dem Cover steht symbolisch für eine der parallel laufenden Geschichten des Thrillers „Ich vermisse dich“ von Harlan Coben. Insgesamt drei Handlungen spielen in den Ablauf hinein. Im Mittelpunkt steht Kat Donovan, um die 40 und Detective bei der New Yorker Kriminalpolizei. Mit dem Songtitel „Missing You“, so die Buchbezeichnung im amerikanischen Original, verbindet Kat eine lange zurückliegende Liebesgeschichte. 

Ihr damaliger Freund Jeff hat sie vor 18 Jahren kurz vor der Hochzeit verlassen und ist seither spurlos verschwunden. Ihre Freundin ist der Meinung, dass sie nun endlich eine neue Beziehung aufbauen soll und meldet sie bei einer Online-Datingbörse an. Mehr oder weniger gelangweilt schaut Kat sich die potentiellen Kandidaten an und traut ihren Augen nicht, als sie eben jenen damaligen Freund erblickt. Er ist verwitwet, hat eine Tochter. Sie würde gerne Kontakt aufnehmen, ist aber unsicher, weil er sie damals verlassen hat. 

Noch bevor Kat eine Entscheidung treffen kann, erfährt sie, dass der Mörder ihres Vaters auf dem Sterbebett liegt. Die Tat geschah etwa zum gleichen Zeitpunkt an dem Jeff verschwunden ist. Seither hat sie vergeblich nach den Hintergründen für den Mord gesucht. Jetzt sieht sie ihre Chance gekommen endlich zu erfahren, wer den Mord in Auftrag gegeben hat. Erstaunlicherweise distanziert der Täter sich von seinem damals abgelegten Geständnis. Nach ihrer Rückkehr ins Büro wird sie von einem jungen Mann aufgesucht, dessen Mutter verreist ist und sich seit einigen Tagen nicht gemeldet hat. Eigentlich kein Fall für die Polizei. Doch Kat erfährt, dass der Reisepartner über eine Partnervermittlung im Internet gefunden wurde und stellt voll Erschrecken fest, dass es sich offensichtlich um Jeff handelt.

Wieder einmal schafft es der Autor seine Geschichte spannend aufzubauen und den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Das schafft er dadurch, dass er aktuell eine Person einbindet die bedroht wird und durch gekonnte Cliffhanger lässt er den Leser mitfiebern, ob diese Person der Bedrohung entkommen kann und der Fall aufgeklärt wird, bevor weitere zu Schaden kommen können. Unterdessen springt die Erzählung zu Kat, die den Mordfall ihres Vaters neu aufrollen möchte, aus den eigenen Reihen aber ausgebremst wird. Und schließlich darf man Anteil nehmen an ihrem Privatleben bis hin zu ihren tiefsten Gefühlen, die eine Entscheidung bringen sollen, ob sie Jeff treffen möchte. Obwohl es heute nicht mehr ungewöhnlich ist, einen Partner im Internet zu finden, spricht Harlan Coban in seinem Thriller einen dabei eher unbedachten Aspekt an. Denn was ist, wenn man sich unerlaubt Zugriff auf Daten von anderen verschafft und diese dann für seine Zwecke ausnutzt?

Kat Donavan ist ein interessanter Charakter. Obwohl sie doch eine erfahren Polizistin ist, wirkt sie verletzlich, setzt sich jedoch über Anweisungen hinweg wenn es darum geht ihre eigenen Ziele zu erreichen ohne über Konsequenzen nachzudenken. Die Motive der handelnden Personen, die ihr dabei Steine in den Weg legen, erfährt der Leser im Laufe der Erzählung. Sie bringen überraschendes zu Tage und davon lebt dieser Thriller.  Über einige Charaktere erfährt der Leser im Laufe der Zeit weitere Details, so dass sich das Bild, das man sich über einen Menschen gebildet hat, durchaus ändern kann. Schritt für Schritt schließen sich die fehlenden Lücken in der Vergangenheit und verknüpfen die beiden Erzählstränge der Gegenwart. 

Um die Spannung noch zu toppen wartet dieses Buch zum Schluss noch mit einem unerwarteten Hintergrund an Kats Vater auf. „Ich vermisse dich“ ist eine Empfehlung für alle Thrillerleser und ein Muss für alle Harlan Coben-Fans.