Dienstag, 2. Februar 2016

[Rezension Ingrid] Martin Walser - Ein sterbender Mann



Titel: Ein sterbender Mann
Autor: Martin Walser
Erscheinungsdatum: 08.01.2016
Verlag: Rowohlt Verlag (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Der Buchtitel „Ein sterbender Mann“ gewann als erstes meine Aufmerksamkeit. Nachdem ich mir dann die kurze Inhaltsangabe des Verlags durchgelesen habe, fühlte ich mich angesprochen, es klang interessant. Welches Erlebnis ist so einschneidend, dass einen Menschen vom Todeswunsch abbringen kann? ist das erste Buch, das ich von Martin Walser gelesen habe. Die Gedankengänge des Protagonisten fliegen durch den Roman und ich habe versucht ihnen langfristig zu folgen, war aber immer wieder irritiert.

Theo Schadt ist 72 Jahre als er an den „Herrn Schriftsteller“ schreibt. Recht schnell wird klar, dass er jemanden braucht, der zuhört, ohne weitere Diskussionen. Er weiß auch noch nicht, ob er überhaupt seine Briefe abschicken wird. Früher war Theo Schadt ein erfolgreicher Unternehmer, doch dann fühlte er sich verraten durch einen Menschen, der ihm sympathisch war, der ihn gebraucht hat. Und dieser Mensch ist, zufällig oder nicht, ebenfalls ein Schriftsteller. Auch er selbst schreibt nebenher.
Durch die heimtückische Tat für die Theo Schadt keinen Grund erkennen kann, wurde er ruiniert und sitzt nun an der Kasse im Geschäft seiner Frau. Gefühlsmäßig befindet er sich ganz unten und beschließt, sich in einem Internetforum für Suizidgefährdete anzumelden. Dort findet er eine weibliche Person, mit der ein Austausch beginnt. Und dann trifft er bei seiner Arbeit an der Kasse auf eine Kundin, die in ihm die Leidenschaft entfacht. Plötzlich schreit er nach Leben. Stattdessen erhält er wenige Tage später eine alles verändernde Diagnose beim Arzt.

Der Roman spielt sich in einer laufenden Zeitfolge ab, schweift aber durch die Erinnerungen von Theo Schadt immer wieder in die Vergangenheit. Zum einfacheren Verständnis trägt auch nicht bei, dass Theo von der Ich- in die Er-Erzählperspektive wechselt, weil er sich nach eigener Erklärung immer mehr von seiner Vergangenheit distanziert. Unterbrochen wird die Geschichte durch etliche kurze Ausflüge zu Themen aus allen möglichen Bereichen des Lebens. Außerdem finden sich kleine Gedichte und Aphorismen an passenden Stellen, aber ich mochte das nicht, mir war das neben den erwähnten Abschweifungen zu langatmig. Trotz des ernsten Hintergrunds erzählt der Protagonist im Plauderton. Zwischendurch driftet die Geschichte auch mal ins Abstruse ab, als zwei dunkle Gestalten an der Seite von Theo Schadt auftreten.

Den roten Faden des Buchs bildet die Auseinandersetzung der Hauptfigur mit dem Altern und den damit verbundenen Veränderungen ihres Körpers und Geistes. Er ist so auf sich und die Erfüllung seiner Träume fixiert, dass er sich dabei einen riesengroßen Schritt von einer wichtigen Person in seinem Leben entfernt. Das geht leider nicht ohne Blessuren ab. Und hierbei lernt nicht nur Theo Schadt, dass Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben können und eine Umkehr unmöglich wird.

Obwohl ich im Laufe der Erzählung viel aus dem Leben des Protagonisten erfahren habe, entstand kein konkreteres Bild vor meinen Augen von dieser Person. Genauso erging es mir mit den weiteren handlungsrelevanten Figuren in zwar übersichtlicher Anzahl, doch genauso wenig ansprechend. Sympathisch wurde mir niemand. Mit Theo konnte ich weder Mitleid haben noch Freude teilen, seine Gefühle konnten mich nicht tiefer berühren.

Leider war ich aus den oben angeführten Gründen vom Roman nicht begeistert. Ich fand die unterschiedlichen Stilelemente zwar abwechslungsreich, aber in der dargebrachten Verknüpfung hat mich die Geschichte eher gelangweilt, statt unterhalten. Von mir gib es daher knappe 3 Sterne.


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