Freitag, 10. Juni 2016

[Rezension Ingrid] Tante Poldi und die Früchte des Herrn von Mario Giordano


Titel: Tante Poldi und die Früchte des Herrn
Autor: Mario Giordano
Erscheinungsdatum: 13.05.2016
Verlag: Bastei Lübbe (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur

Auch in „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“ nimmt Mario Giordano den Leser wieder mit nach Sizilien so wie im ersten Band der Serie rund um die titelgebende Ermittlerin. Dort lebt Isolde Oberreiter von allen nur kurz Poldi genannt und die Verwandtschaft ihres inzwischen verstorbenen Ehemanns. Die vormals in München wohnende Poldi ist eigentlich ein lebenslustiger Mensch der aber gelegentlich zur Schwermut neigt, den sie dann mit reichlich Alkohol zu ertränken sucht. Ein solcher Tiefpunkt scheint gerade erreicht, denn der Hund einer Freundin Poldis wurde vergiftet und jemand hat ihr seit einigen Tagen das fließende Wasser im Haus abgedreht. Daher bitten die Schwägerinnen ihren in Deutschland lebenden Neffen, der von Nebenjobs lebt und von einer großen Autorenkarriere träumt, nach Sizilien zu kommen und auf seine Tante ein wenig aufzupassen. Diese Rolle übernimmt er gerne. Wie bereits im ersten Fall ist er es, der die Ereignisse meist rückblickend erzählt.

Poldi, das bayrische Urgestein und ein Gefühlsmensch durch und durch, wird im Rahmen ihrer Nachforschungen zu einem feucht fröhlichen Abend auf ein Weingut eingeladen. Hier kommt sie in den Genuss der gekelterten Früchten des Herrn, sprich Weintrauben, und schließt interessante neue Bekanntschaften, verliebt sich in den Besitzer und verbringt mit ihm eine Nacht im Bett, an die sie sich leider nicht mehr erinnern kann. Am nächsten Morgen wird eine Leiche im angrenzenden Weinberg des Gutshauses gefunden. Doch das ist erst der Beginn einer turbulenten Geschichte und eines Mordfalls, bei dem Tante Poldi es sich trotz aller Untersagungen nicht nehmen lässt, Ermittlungen nach ihrem Gusto durchzuführen.

Diese Geschichte hat mit dem Charakter Tante Poldis etwas Einzigartiges. Ihre manchmal aufbrausende Art, ihre liebenswerte Mundart und ihre Stilsicherheit in allen Lebenslagen machen sie unverwechselbar. Diesmal kommt aber auch ihr Neffe zum Zuge, nicht etwa in der Aufklärung aller Umstände, sondern bei seiner schriftstellerischen Tätigkeit. So ergibt sich eine Nebenhandlung, in der der unbenannte Neffe dem Leser seine Fortschritte in Bezug auf seinen abenteuerlichen Familienroman erzählt.

Daneben greift der Autor interessante und wichtige Themen rund um Sizilien auf, wie beispielsweise den Weinanbau, die Wasserknappheit, aber auch den weit verbreiteten Aberglauben. Der Schreibstil bleibt durchgehend locker-leicht, der Wortwitz der Dialoge und manche verquere Situation lassen den Leser immer wieder schmunzeln. Tante Poldi gerät von einem Fettnäpfchen ins Nächste, oftmals durch ihre Neugierde aber auch ihre Art verursacht, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und vor keiner Konfrontation zurück zu scheuen.

Die Innenseiten der Klappen sind sehr schön gestaltet und bieten eine Übersicht der Handlungsorte auf Sizilien zur Orientierung. Das Buch lässt sich ohne Kenntnisse des ersten Teils lesen, es ist jedoch möglich, dass man anhand der Andeutungen auf den vorigen Fall das Bedürfnis verspüren wird, diesen ebenfalls lesen zu wollen …

Tante Poldi ist bei weitem kein einfacher Mensch und ich sympathisiere nicht durchgehend mit ihr. Der Autor gestaltet sie jedoch so liebenswert, dass man ihr gerne verzeiht, wenn sie über die Stränge schlägt. Mich hat der Krimi bestens unterhalten und ich hoffe auf eine Fortsetzung, denn zum Ende gibt es eine ganz unerwartete Wendung, die noch viele Fragen offen lässt.



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