Mittwoch, 11. Januar 2017

[Rezension Ingrid] Kuckucksland von Marco Mahler


Titel: Kuckucksland
Autor: Marco Mahler
Erscheinungstermin: 08.11.2017
Verlag: amazonpublishing
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
Vielen Dank an amazonpublishing für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars

Zwischen 1979 und 1990 wurden Kinder aus Flüchtlingslagern in Namibia zu ihrer Sicherheit in die frühere DDR gebracht, um dort eine gute Erziehung zu genießen und um nach ihrer vorgesehenen Rückkehr zur Führungselite zu gehören. Bezug hat die historische Episode zum Erziehungsverhalten des Kuckucks, der seine Jungen ebenfalls fremd aufziehen lässt und der daher zum Teil des Buchtitels „Kuckucksland“ wurde. In diesem Debütroman von Marco Mahler bilden die damaligen Ereignisse den Hintergrund für die Geschichte eines der namibischen Kinder das in Deutschland bis zu seinem 12. Lebensjahr aufgewachsen ist, dann aber aufgrund der Beendigung des Projekts in seine Heimat zurückgeschickt wurde. Kombiniert hat der Autor das Ganze mit dem Traum des kauzigen hessischen Rentners Karl.

Nach dem Tod seiner Frau lebt der 71-jährige Karl zwar seinen Alltag weiter, aber Ziele hat er eigentlich keine. Seine Frau wäre gerne einmal nach Afrika gereist. Resultierend daraus keimt in ihm der Wunsch einen Löwen in freier Wildbahn zu sehen. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Ortsvorsteher des Dorfs in dem er wohnt, beschließt er spontan den Traum Realität werden zu lassen. Ohne weiteren Plan fliegt er nach Namibia und begegnet dort Timmy, der zur Gruppe der Kinder gehört, die in der DDR aufwuchsen und inzwischen Mitte Dreißig ist. Timmy lebt von Gelegenheitsjobs und kleinen Gaunereien. Bald schon erkennt Karl, dass er mit Timmys Hilfe seinen Traum Wirklichkeit werden lassen kann. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Suche nach wilden Tieren, nach einem Vater und nach einem Sohn.

Marco Mahler hat in seinem Debütroman zwei sehr unterschiedliche Charaktere zueinander geführt. Als Leser durfte ich zunächst Karl kennen lernen, der früher als Journalist bei der örtlichen Zeitung gearbeitet hat, jedoch von Klatsch und Tratsch gar nichts hält. Doch in seinem Heimatdorf wird gerne mal nach dem Äußeren geurteilt und danach was jemand bereits einmal gemacht hat. Änderungen sind dabei grundsätzlich nicht vorgesehen und so ist es auffällig wenn man sich anders als bisher verhält oder sein Hab und Gut nicht pflegt. Genau dann setzt das Gerede ein. Für Karl ist der Flug nach Afrika ein Aufbrechen der Regeln. Doch wie sich natürlich zeigt, kann man seinen Besitz nicht einfach so zurücklassen und eine Rückkehr ist absehbar, auch bei Karl. Aber die Erfahrungen und Erinnerungen kann ihm keiner nehmen.

Timmy ist zwar nach seiner Rückkehr nach Namibia im Jahr 1990 wieder von seiner Familie aufgenommen worden, konnte jedoch die Ansprüche seines Vaters an seine Person nicht erfüllen. Er sucht die Unabhängigkeit von seiner Familie, hat aber dazu keine genauen Vorstellungen, da ihm die monetäre Unterstützung fehlt. Nach einer kurzen heftigen Affäre hat er sein Herz kein weiteres Mal verschenkt, und geht nur auf gelegentliche Verabredungen ein. Den Job als Fahrer von Karl dient ihm in erster Linie zum Geldverdienen, wird aber für ihn zu einer Reise auf der er sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Gleichzeitig hat er dabei aber auch die Weichen für seine Zukunft zu stellen.

Die beiden Charaktere scheuen sich nicht, sich mit ihrem eigenen Verhalten kritisch auseinanderzusetzen und es zu ändern. Neben amüsanten Situationen enthält das Buch auch Szenen mit Tiefgang. Allerdings finden sich hier und da abrupte Stimmungswechsel. In wenigen Dialogszenen klingt der Rückblick auf vergangene Ereignisse recht förmlich. Lange Zeit trägt Timmy ein Geheimnis mit sich, dass er dem Leser erst am Ende des ersten Teils offenbart und das im zweiten Teil noch einmal eine gewisse unterschwellige Spannung erzeugt.

Der Roman liest sich locker und leicht. Den Landschaftsbeschreibungen Namibias merkt man an, dass der Autor das Land selbst bereist hat. Ich konnte mir die Gegend, in der die Geschichte spielt, gut vorstellen. Auch das Beziehungsgeflecht in einem kleinen Dorf ist authentisch wiedergegeben.

Zwar sind im bisherigen Leben von Karl und Timmy nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen, doch durch beide lernen voneinander, dass man die Hoffnung nicht aufgeben sollte. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und bin gerne mit den beiden gedanklich nach Afrika gereist. Mich hat das Buch gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.

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