Dienstag, 11. Juli 2017

[Rezension Hanna] Bretonisches Leuchten - Jean-Luc Bannalec


Inhalt
Für Kommissar Dupin stehen zwei Wochen Strandurlaub an der Côte de Granit Rose gemeinsam mit Claire auf dem Programm. Doch die verordnete Ruhe wird für ihn schnell zur Geduldsprobe. Seine Anrufe auf dem Kommissariat ändern an seiner Langeweile nichts, denn Nolwenn verweigert ihm jegliche Information. Doch dann kommt es in seinem Ferienort Trégastel zu einer Reihe von Vorfällen: Erst gibt es einen Diebstahl und einen Einbruch, dann wird eine Abgeordnete durch einen Steinwurf verletzt und schließlich verschwindet ein anderer Feriengast spurlos. Gibt es Zusammenhänge? Heimlich stellt Dupin Nachforschungen an, bei denen er sich weder von Claire noch vom ansässigen Kommissar erwischen lassen sollte…

Meinung
Auf den ersten Seiten des inzwischen sechsten Falls für Kommissar Dupin scheint ein neuer Fall ganz weit weg zu sein. Dupin befindet sich im Sommerurlaub und soll den Tag mit Schwimmen, Sonnen und Essen verbringen. Zumindest gegen letzteres hat er nichts einzuwenden, doch das Nichtstun setzt ihm schnell zu. Er verweist zwar immer wieder auf seine Ferien, kann aber Anrufe im Kommissariat nicht sein lassen und hört auch bald bei den Gerüchten über merkwürdige Vorfälle genauer hin, die die Runde machen. Der recht ruhige Start hielt einige amüsante Momente bereit, doch ich wartete noch auf mehr Schwung und einen „richtigen“ Fall, der gelöst werden will.

Ruhelos wandert Dupin umher und macht so schnell neue, interessante Bekanntschaften in Trégastel. Sein erster Kontakt in Sachen Neuigkeiten und Gerüchte ist Rosmin Bellet. Der eifrige Hotelbesitzer erzählt Dupin von den aktuellen Vorfällen wie dem Diebstahl einer Heiligenstatue, einem Einbruch ohne dass etwas entwendet wurde und schließlich dem Steinwurf auf eine Abgeordnete. Das gibt Dupin den entscheidenden Schubs, sich mal etwas umzuhören, zum Beispiel bei Élodie Riou, der nicht weniger redseligen Besitzerin des Presseladens, die ihm auch sagen kann, wann man Verdächtige bei ihr im Laden „zufällig“ abpassen kann. Spätestens als auch noch eine Frau vor seinen Augen verschwindet und Dupin dem nachgehen will ist nicht mehr zu leugnen, dass er auch in den Ferien das Ermitteln nicht sein lassen kann.

Dupins Versuche, seine Aktivitäten geheim zu halten, sind wirklich unterhaltsam. So kauft er zum Beispiel ein blaues Clairefontaine statt eines roten für seine Notizen und schlägt euphorisch Ausflüge zu Orten vor, die in möglicher Verbindung zu den Vorfällen stehen. Claire scheint von seinen Ermittlungen nichts zu merken – oder kommen ihr Dupins Ausreden, die Zeit nicht auf dem Liegetuch zu verbringen, etwa gelegen? Trotzdem muss Dupin Informationen für seine Ermittlungen vor allem aus zweiter Hand beziehen und Befragungen unter dem Deckmantel harmloser Plaudereien vornehmen. Das geht alles nicht sonderlich schnell und ich vermisste die echte, heißt unmittelbare Ermittlungsarbeit.

Mit dem Fund einer Toten wird die Geschichte schließlich interessanter. Wer war die Frau? Was hatte sie am Fundort zu suchen? Auch hier wird Dupin von seinen Kontakten auf dem Laufenden gehalten, zu denen immer mehr Personen zählen. Ob trotzdem geheim halten kann, was er da macht? Der ansässige Kommissar scheint zumindest eine Vermutung zu haben, dass da etwas im Busch ist. Derweil ferien-ermittelt Dupin weiter in verschiedene Richtungen. Es gibt viele Fragen und einige Verdächtige, die wenn nicht in den Steinwurf und den Mord, dann zumindest in andere krumme Machenschaften verwickelt sind. Die Auflösung ist schließlich plausibel, doch die Art und Weise der Offenbarung ist selbst für Dupin schräg und konnte mich nicht so recht überzeugen.

Fazit
In „Bretonisches Leuchten“ macht Dupin gemeinsam mit Claire Strandurlaub. Doch Ruhe ist für den Kommissar ein Fremdwort, und so beginnt er schnell, sich bezüglich verschiedener Vorkommisse in der Gegend umzuhören. Als eine Tote gefunden wird ist Dupins Lust, Ermittlungen anzustellen, endgültig geweckt. Seine Versuche, die Nachforschungen geheim zu halten, waren sehr amüsant. Doch insgesamt kam die Geschichte nicht so recht in Schwung. Die neuen Charaktere sind interessant, doch ich hätte mir mehr unmittelbare Ermittlungsarbeit und überraschende Entwicklungen gewünscht. Die Idee, Dupin in die Ferien zu schicken, hat mir gut gefallen, doch in der Umsetzung reicht es bei mir nur für gute drei Sterne.

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