Sonntag, 28. Januar 2018

[Rezension Ingrid] Die Oleanderfrauen von Teresa Simon


Die junge Frau auf dem Cover des Romans „Die Oleanderfrauen“ von Teresa Simon blickt über eine grüne ausschweifende Parkfläche auf ein stattliches Herrenhaus. Hier könnte Mitte der 1930er Jahre Sophie gewohnt haben, eine der Protagonistinnen der Geschichte, denn sie gehört zur Familie eines einflussreichen Kaffeehändlers in Hamburg.  Von ihr wird erwartet, dass sie sich eines Tages standesgemäß verheiratet. Auf dem Anwesen befindet sich ein Glashaus, in dem die Oleanderpflanzen von Sophies Mutter überwintern. Der Ort eignet sich perfekt für heimliche Stelldicheins mit dem Geliebten. Liebe jedoch kann Gebote und Standesdünkel überwinden und noch viel mehr wie sich später zeigen wird. Doch das ist nur eine der beiden Handlungsfolgen des Buchs, das auf zwei Zeitebenen spielt.

Im Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, besitzt Jule Weisbach seit zwei Jahren in Hamburg-Ottensen ein Café, das sie nach ihrem abgebrochenen Studium eröffnet hat. Eines Tages informiert ihr Vermieter sie über eine drastische Mietpreiserhöhung. Die engagierte junge Frau sucht verzweifelt nach weiteren Verdienstmöglichkeiten. Über eine gute Freundin erhält sie den Auftrag, eine ungewöhnliche Hochzeitstorte zu gestalten. Doch sie selbst ist mit ihrer Arbeit nicht zufrieden. Die über 70-jährige Johanna erfährt als Kundin des Cafés von Jules Dilemma und bietet ihre Hilfe an. Während ihrer Zusammenarbeit erzählt Johanna Jule vom Tagebuch Sophies, das sie auf dem Dachboden ihrer Mutter gefunden hat. Sophie hat das Buch als 16-jährige im Jahr 1938 begonnen, zu einer Zeit, als ihre Gefühle sich für Hannes, den Sohn der Köchin, veränderten. Früher waren sie Spielgefährten, doch nach einer langen Reise von Hannes, fühlt Sophie sich immer stärker zu ihm hingezogen. Johanna und Sophie sind gespannt, ob die beiden eine gemeinsame Zukunft haben werden.

Der Autorin ist hier eine gelungene Verknüpfung der zwei Handlungsebenen gelungen. Als Historikerin versteht sie es, die vorliegenden realen Fakten der Vergangenheit ansprechend einzukleiden und zum Lesen so aufzubereiten, dass die Fiktion als tatsächlich stattgefunden wahrgenommen wird. Den geschichtlichen Hintergrund des Romans bildet zu Beginn die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon bald machen sich die Auswirkungen der Politik auf den Kaffeehandel bemerkbar. Obwohl Sophie behütet aufwächst, bleibt auch ihr nicht die zunehmende Macht der Nationalsozialisten verborgen und ihre Besorgnis wächst. Nahezu ohnmächtig nimmt sie die Verfolgung der Juden, von kranken und behinderten Menschen sowie Homosexuellen wahr.

Teresa Simon lässt Sophie weite Teile ihrer Geschichte in Tagebuchform selbst erzählen, so dass ich ihr Gefühlschaos gut nachvollziehen konnte. Mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs verändern sich noch einmal Sophies Lebensumstände. Neben dem Bangen um ihre große Liebe, hoffte ich nun darauf, dass sie den Krieg unbeschadet überstehen wird. In einem Nachwort hat die Autorin die wichtigsten historischen Daten kurz in Erzählweise zusammengefasst.

Sowohl Sophie wie Jule sind Frauen mit einem starken Willen, die sich für ihre Ideale einsetzen und dabei auch Rückschläge erleben. Dennoch lassen sie sich nicht so schnell unterkriegen. Gerade die Ecken und Kanten der beiden Frauen machen sie sympathisch und glaubhaft. Die Beschreibung des angebotenen Gebäcks in Jule Kaffee weckte an manchen Stellen bei mir das Verlangen nach einem Stück Kuchen mit authentischem Kaffee. Glücklicherweise hat die Autorin im Anschluss an den Roman einige Rezepte angefügt.

Durch den Wechsel der beiden Perspektiven und entsprechenden Cliffhangern entsteht mit der Zeit ein zunehmender Lesesog, dem ich mich nicht entziehen konnte um zu erfahren, wie beide Geschichten zusammenhängen und enden. Ich kann den Roman jedem empfehlen der nach einer unterhaltsamen mitreißenden Familiengeschichte sucht, die eingebettet in zwei Zeitebenen ist und eine bewegende historische Zeitepoche beinhaltet. 

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Titel: Die Oleanderfrauen
Autorin: Teresa Simon
Erscheinungsdatum: 09.01.2018
rezensierte Ausgabe: Taschenbuch mit Klappen

1 Kommentar:

  1. Liebe Ingrid,
    mich hat das Buch auf ganzer Linie überzeugt, da es wirklich einen Lesesog ausübt, den man sich nicht entziehen kann! Es wird sicherlich eines meiner Highlights für 2018 werden!
    Liebe Grüße
    Martina

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