Sonntag, 11. Februar 2018

[Rezension Ingrid] Das Fundament der Ewigkeit von Ken Follett


„Das Fundament der Ewigkeit“ ist der dritte Band der „Kingsbridge“-Reihe von Ken Follett. Ebenso wie die beiden Bücher „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ spielt der Roman zu einem Teil in der fiktiven englischen Stadt Kingsbridge. Zeitlich macht die Geschichte einen Sprung von rund 200 Jahren, von den letzten erzählten Begebenheiten an betrachtet. Rechts unterhalb des mittelalterlichen Kalenders, der sich im Zentrum des Covers befindet, ist der Name der englischen Königin Elisabeth I. zu erkennen. Er gibt bereits beim Anschauen des Schutzumschlags den Hinweis, dass der Roman den Leser in ihre Regierungszeit Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts entführen wird. Doch zunächst schreibt die Erzählung das Jahr 1558 und in England regiert die Katholikin Maria I., auch Maria die Blutige (Bloody Mary) genannt, weil sie viele Protestanten wegen Ketzerei hinrichten ließ. Diesmal ist die Grundlage des Handlungsbogens nicht die Errichtung eines Bauwerks wie in den beiden vorigen Büchern, sondern es sind die Glaubenskriege in Europa mit Schwerpunkt auf England und Frankreich.

Ned und Barney Willard entstammen einer Kaufmannsfamilie aus Kingsbridge, die der protestantischen Glaubensrichtung anhängt. Ned und Margery Fitzgerald kennen sich seit Kindertagen und haben sich ineinander verliebt. Doch die streng katholische Familie von Margery hat für sie die Ehe mit einem Adligen der Umgebung vorgesehen. Nachdem die Willards auf tragische Weise ihr Vermögen verloren haben, geht Ned nach London und gehört bald zu den Vertrauten Königin Elisabeths. Sie wird für ihr Versprechen geschätzt, dass sie niemanden mehr aufgrund seines Glaubens hinrichten lassen wird. Doch sie hat trotzdem eine große Anzahl Feinde allein aufgrund ihrer protestantischen Religion. Ned reist in ihrem Dienste in geheimer Mission auch nach Paris, wo Pierre Aumande, ein Bastard der mächtigen de Guise-Familie, während der Hugenottenkriege nach Namen und Adressen von Protestanten sucht, um sie zu denunzieren. Währenddessen gelangt Barney bei seiner Flucht aus Spanien, wo er für die kaufmännischen Tätigkeiten der Familie zuständig war, auf ein Handelsschiff, das sich auf den Weg in die Neue Welt macht.

Ken Follett schafft auf gewohnte Weise lebendige Szenen, die wie ein Film vor Augen beim Lesen ablaufen. Doch diesmal verweilte ich nicht lange in Kingsbridge, sondern ließ mich mit nach London, Frankreich, Belgien, Spanien, Schottland und anderswohin mitnehmen, denn in ganz Europa streiten die Menschen für ihre Glaubensrichtung. Je nachdem wer gerade in welchem Staat herrscht, dessen Religion nimmt die Vorrangstellung ein. Kaum hat ein neuer König oder eine Königin den Thron bestiegen, werden im Hintergrund Ränke und Intrigen zum Umsturz geschmiedet. Zunächst benötigte ich einige Zeit, um mich in Neds Umfeld zurecht zu finden, doch der Autor hat zu Beginn des Romans ein Personenverzeichnis zusammengestellt durch das ich den Überblick über die zahlreichen Charaktere behalten konnte. Fand ich die Ortswechsel, verbunden mit den verschiedenen politischen Hintergründen bis etwa zur Hälfte des Buchs noch interessant, so flachte die Spannungskurve für mich durch die scheinbar nie endenden Glaubenskriege allmählich ab. Ken Follett stellt hier zwar erstklassig die damaligen Tatsachen in leicht lesbarer Form dar, jedoch fehlte mir etwas die fiktive Würze beispielsweise durch die Weiterentwicklung von und in Kingsbridge wie es bisher der Fall war.

Nach dem großen Zeitsprung von etwa 200 Jahren hat der Autor natürlich ganz neue Charaktere entwickelt, aber einige Figuren der zwei vorigen Bücher leben als Vorfahren oder durch ihre Taten weiter und finden kurz Erwähnung. Der Roman ist allerdings ohne jede Vorkenntnisse des ersten und zweiten Bands ohne Einschränkung lesbar. Sicher haben gerade Ned in England und Pierre in Frankreich ihren Anteil an der großen Politik der Länder, jedoch sind die Figuren auf ihrer Linie von vornherein festgelegt und entwickeln sich nur in engem Umfang weiter, genau wie die meisten Personen im Roman. Neben Machtspielen und Krieg zeigt auch die Liebe sich in einigen Facetten.

Ken Follett ist es wieder einmal gelungen mit dem Roman „Das Fundament der Ewigkeit“ Geschichte lebendig werden zu lassen. Er schreibt auf hohem, unterhaltsamem Niveau und schafft ein nachvollziehbares Bild der damaligen Verhältnisse in Europa. Gerne empfehle ich daher den Roman an Leser von historischen Büchern weiter.

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Titel: Das Fundament der Ewigkeit
Autor: Ken Follett
Übersetzer: Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher
Erscheinungsdatum: 12.09.2017
Verlag: Lübbe (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Kommentare:

  1. Hallo Ingrid,

    dieser Band fehlt mir noch in der Reihe. Eigentlich mag ich gerade die historischen Einblicke in vergangene Jahrhunderte, aber deine Rezi sorgt dafür, dass ich das Buch auf die Wunschliste setze.
    Die Glaubenskriege auch mal jeweils aus einer anderen Perspektive zu sehen, klingt interessant.

    Liebe Grüße Barbara

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  2. Hallo Barbara, mir wird beim Lesen über das Mittelalter immer bewusst, dass ich in dieser Zeit nicht gerne gelebt hätte ... Wenn du "Die Säulen der Erde" und "Tore der Welt" gelesen hast, wird dir "Das Fundament der Ewigkeit" bestimmt gefallen. LG Ingrid

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