Montag, 19. März 2018

[Rezension Hanna] Bis zum Himmel und zurück - Catharina Junk



Bis zum Himmel und zurück
Autorin: Catharina Junk
Hardcover: 352 Seiten
Erschienen am 13. März 2018
Verlag: Kindler

Inhalt
Katja ist Drehbuchautorin und erhält ein verlockendes Angebot: Sie soll ein Konzept für eine neue Feel Good Familienserie entwickeln. Das ist ihre Chance! Denn die Arbeit für „Wache Mitte“, bei der sie ihre Drehbücher ständig wegen Sonderwünschen der anstrengenden Hauptdarstellerin umschreiben muss, macht ihr schon lange keinen Spaß mehr. Jetzt fehlt ihr nur noch eine zündende Idee. Zum Glück ahnen die Auftraggeber nicht, wie zerrüttet ihre eigene Familie ist. Seit Jahren hat sie keinen Kontakt zu ihren Eltern mehr – bis ihre Mutter aus Italien anruft und sie informiert, dass ihr Vater in Bremen im Koma liegt. Als dann auch noch ihre bislang unbekannte Halbschwester vor ihrer Tür in Hamburg steht, ist das Chaos perfekt. Doch eins lässt sie nicht los: Ihre Schuldgefühle wegen eines lange zurückliegenden Schicksalsschlags…

Meinung
Das Cover des Buches vermittelt Leichtigkeit und gibt mit dem Titel ein Versprechen, das im Buch noch oft wiederholt werden soll. Denn Katjas Vater ist Wissenschaftler und erforscht Kometen, sodass sich die Gute-Nacht-Geschichten ihrer Kindheit rund um das Weltall und Astronauten drehten. Inzwischen ist Katja erwachsen und hat zu ihren Eltern keinen Kontakt mehr. Als ihre Mutter sich meldet und ihr sagt, dass „die Frau“ sie über den Schlaganfall und das Koma von Katjas Vater informiert hat, ist für sie klar: Sie hat seit Jahren nicht mit ihm geredet, deshalb muss sie ihn jetzt auch nicht besuchen. Dennoch kommen durch die Nachricht zahlreiche Erinnerungen an die Oberfläche.

Schnell merkt man als Leser, dass Katja mit sich selbst nicht ganz im Reinen ist. Ihre Nicht-Beziehung zu Ratko besteht vor allem darin, dass er redet und sie schweigt. Als Drehbuchautorin soll nun ausgerechnet sie über Familie schreiben, die vor Jahren jeglichen Kontakt zu ihren Eltern abgerochen hat. In kurzen Rückblenden erfährt man als Leser immer mehr über ihre Kindheit, warum ihre Familie zerfallen ist und wieso sie bis heute Schuldgefühle hat. Hier gibt es einige traurige Momente und ich konnte gut nachvollziehen, warum Katja die Irrationalität ihrer Gedanken und Gefühle bis heute nicht überwunden hat. Ihre quirlige Halbschwester Jella, von deren Existenz Katja bis dato gar nichts ahnte, sorgt schließlich dafür, dass sie sich der Vergangenheit stellen muss.

Zum ersten Mal erfährt Katja mehr über das Leben ihres Vaters nach dem Kontaktabbruch und trifft mit Jellas Bruder Joost auf jemandem, der unter den Entwicklungen ebenfalls gelitten hat, wenn auch aus anderem Grund und auf andere Weise. Die Autorin hat Charaktere mit Tiefe geschaffen, über die ich gerne mehr erfahren wollte. Katja hat in der Vergangenheit Erfahrungen gemacht, an denen sie beinahe zerbrochen ist, und die mich betroffen machten. Unterhaltsame Szenen lockerten die Stimmung aber immer wieder ein wenig auf, und auch eine schöne Liebesgeschichte wird ganz ohne Kitsch erzählt. Ein vielschichtiges Buch, das trotz ernster Themen zum Ende hin hoffnungsvoll stimmt und mich berühren konnte.

Fazit
In „Bis zum Himmel und zurück“ sucht Katja nach einer Idee für eine lockere Familienserie, als sie die Nachricht vom Schlaganfall und Koma ihres Vaters erhält, zu dem sie vor Jahren den Kontakt abgebrochen hat. Das Buch erzählt in Rückblicken von Unfall und Selbstmord, selbstverletzendem Verhalten und dem Auseinanderbrechen von Familien. In der Gegenwart bringen die Ereignisse Katja und ihr Umfeld dazu, vieles endlich aufzuarbeiten. Hier gibt es auch so manche unterhaltsame Szene, die der Geschichte trotz so vieler ernster Themen immer wieder eine gewisse Leichtigkeit zurück gibt. Ich gebe deshalb eine ganz klare Leseempfehlung!


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