Dienstag, 27. März 2018

[Rezension Hanna] Serverland - Josefine Rieks



Serverland
Autorin: Josefine Rieks
Hardcover: 176 Seiten
Erschienen am 19. Februar 2018
Verlag: Hanser

Inhalt
In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert hat Reiner, der bei der Post arbeitet, ein recht spezielles Hobby: Er sammelt alte Computer und spielt auf denen mit halbwegs funktionstüchtigem Akku alte Spiele. Für den Rest der Bevölkerung handelt es sich bei diesen Geräten nur noch um Elektroschrott, denn das Internet wurde vor Jahrzehnten abgeschaltet. Doch dann wird Reiner von einem Schulfreund kontaktiert, der ihm zeigt, dass es noch immer stillgelegte Serverhallen gibt. Reiner gelingt es, eine Verbindung zu den Servern herzustellen und YouTube-Videos aus unserer Zeit abzuspielen.

Meinung
Wie blicken Menschen in etwa sechzig Jahren auf Videos von heute, wenn sie diese Art des unbegrenzten Teilens per Mausklick nicht mehr kennen? Das Buch verspricht ein interessantes Gedankenexperiment zu dieser Frage. Zu Beginn lernt man den Protagonisten Reiner kennen, dessen Leben nicht sonderlich aufregend ist. In seiner Freizeit widmet er sich ganz seinen gesammelten Computern und den Spielen, die er auf einigen davon spielen kann. Bald wird er von einem alten Schulfreund kontaktiert, der ihn mitnimmt zu alten Servern und ihn fragt, ob er die Verbindung zu ihnen herstellen kann. Reiner bejaht. Einige Zeit später fahren sie  einer noch größeren Serverhalle, wo Reiner das Vorhaben in die Tat umsetzt und eine App schreibt, die das auch anderen ermöglicht.

Bei mir hat die Handlung zahlreiche Fragen aufgeworfen, auf die keine Antwort gegeben wird: Warum wurde das Internet abgestellt? Warum hat sich ansonsten rein gar nichts verändert? Woher weiß Meyer von den Serverhallen? Warum ist sonst noch keiner auf die Idee gekommen, eine Verbindung zu den Servern herzustellen? Warum sind Computer Elektroschrott, wenn man auf ihnen noch Spiele spielen kann? Wie haben Menschen aus aller Herren Länder ohne Internet davon erfahren, was in der Serverhalle vor sich geht? Was läuft im zensierten Fernsehen, wenn die gefundenen Videos so anders sind? Das sind nur einige Beispiele für all die Fragen, mit denen man als Leser allein gelassen wird.

Die Charaktere erhalten wenig Tiefe, ich hätte gern mehr über ihre Motivation erfahren. Stattdessen stehen Partys, Alkohol und Drogen im Vordergrund. Immer mehr Menschen kommen zur Serverhalle und es entsteht eine Art Kommune, in der nur wenige sich wirklich für die gefundenen Videos interessieren. So bleibt für diese in dem ohnehin schon kurzen Buch wenig Platz. Man unterhält sich über einige Videos, die hinten im Buch auch zum Nachschauen mit Link angegeben sind, doch die Reaktion ist meist irgendwo zwischen „Cool“, „Schräg“, „Heftig“ oder „Warum hat man so was mit der Welt geteilt?“. Mir hat sich bis zum Schluss leider nicht erschlossen, was die Botschaft des Buchs sein soll.

Fazit
„Serverland“ basiert auf der Idee, das in einer Zukunft ohne Internet YouTube-Videos von heute gefunden werden. Es ist eine interessante Idee, die jedoch nicht konsequent weitergedacht wurde und viel zu unkonkret bleibt.  Das Setting wird so grob skizziert, sodass ich mich nicht gut in die Welt von Reiner eindenken konnte. Auch er selbst bleibt als Charakter blass. Nach hundertsechzig Seiten habe ich dieses schmale Buch mit einem großen Fragezeigen im Kopf beendet.

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