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Samstag, 21. Juli 2012

[Rezension Hanna] Neal Shusterman - Vollendet


Inhalt


In diesem Buch wird das Schicksal dreier Jugendlicher beschrieben, welche in der Zeit nach einem blutigen Bürgerkrieg leben, in dem Abtreibungsgegner und –befürworter gegeneinander kämpften. Friede konnte erst mit der „Charta des Lebens“ geschlossen werden. Fortan war das Leben eines Kindes von der Empfängnis bis zum 13. Lebensjahr unantastbar. Zwischen 13 und 18 Jahren können Eltern ihr Kind jedoch „umwandeln“ lassen. Jeder Teil des Körpers lebt weiter, nur in jemand anderem. Connor, Risa und Lev stehen kurz vor ihrer Umwandlung. Doch sie wollen ihr Schicksal nicht akzeptieren…

Meinung


Das Buchcover gefällt mir richtig gut. Das Cover schimmert silbern und zerkratzt, die Schrift ist blutrot. Der Leser kann so einen guten Eindruck von dem gewinnen, was ihn erwartet – eine unheimliche, spannende und fesselnde Dystopie!

Dank des wirklich packenden Schreibstils habe ich das Buch an einem Abend gelesen, denn ich musste einfach wissen, ob Connor, Risa und Lev die Flucht vor der Umwandlung gelingt. Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines Beteiligten geschrieben und an dessen Gedankenwelt und Sprachstil angepasst. Durch die Aufteilung in verschiedene Teile begleitet der Leser die drei schrittweise auf ihrem Weg in ein unbekanntes Schicksal, wobei jeder Teil einen neuen „Wegabschnitt“ darstellt. Die Kapitel sind mal kurz und mal lang, sie geben immer die Informationen, die der Leser unbedingt erhalten möchte, werden gleichzeitig aber auch an keiner Stelle zu ausschweifend, sodass ein hohes Tempo durchweg gegeben ist und die Protagonisten ständig vor neue Herausforderungen gestellt werden.

Connor, Risa und Lev sind drei grundverschiedene Charaktere, die alle aus anderen Gründen ihrer Umwandlung entgegensehen und daher auch von verschiedenen Motivationen angetrieben werden.
Connor ist ein aufbrausender Typ, der in der Schule nur mittelmäßige Noten hat und sich häufig prügelt. Seine Eltern haben daher eine Umwandlungsverfügung unterschrieben, die er zufällig findet. Seine Flucht ist von Beginn an recht spektakulär, seine Methoden oft gewagt. Mit der Zeit muss er jedoch lernen, dass sein aufbrausendes Temperament nicht immer von Vorteil ist.

Risa hingegen ist eine begabte Musikerin. Obwohl sie viel übt und sich sehr anstrengt, kann sie jedoch noch nicht in der absoluten Spitze mitspielen. Daher beschließt das Waisenhaus, in dem sie wohnt, sie umwandeln zu lassen, da das Budget sowie der Platz im Waisenhaus begrenzt sind. Nur zufällig gelingt ihr in einem Unfallchaos die Flucht. Ihre Interaktionen mit Connor haben mir sehr gefallen. Sie ist es, die ihn zur Vernunft anhält; er ist es, der ihr zeigt, dass man auch mal etwas riskieren muss. Beide unterstützen sich in der neuen Situation und harmonieren dabei so gut, dass sie mir schnell ans Herz gewachsen sind.

Lev ist der dritte im Bunde und der Charakter, den ich mit der Zeit nachvollziehen konnte, der mir aber nur sehr langsam sympathisch wurde. Als sogenanntes Zehntopfer einer reichen Familie wurde er sein ganzes Leben auf die Umwandlung vorbereitet. Seine Flucht als Geisel von Connor und Risa ist eher unfreiwillig, daher setzt er am Anfang alles daran, die Flucht abzubrechen. Erst eine nahe stehende Person öffnet ihm die Augen, indem sie ihm zeigt, dass die Flucht eine zweite Chance für ihn bedeutet.

Das Buch konnte mich auf der ersten Seite packen und hat diese Spannung bis zur allerletzten Seite nicht verloren. Es war spannend und dramatisch, aufregend und erschreckend zugleich. Mit facettenreichen Charakteren, einem tollen Schreibstil  und einer Version der Zukunft, die erstaunlich realistisch dargestellt wird, konnte mich das Buch voll und ganz überzeugen. Wer Dystopien mag, wird von dieser begeistert sein.


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Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. August 2012
Verlag: FISCHER Sauerländer
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