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Montag, 23. September 2013

[Rezension] Ferdinand von Schirach - Tabu

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Titel: TABU
Autor: Ferndinand von Schirach
Erscheinungsdatum: 11.09.2013
Verlag: Piper Verlag 
Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN: 9783492055697
Preis: 17,99 Euro


Ist es ein Bild von dem Mädchen, das der Protagonist des Buchs „Tabu“ von Ferdinand von Schirach, ermordet haben soll? Könnte sie so ausgesehen haben und sieht der Leser überhaupt nur ein Mädchen auf dem Cover oder könnte es eine Installation sein? Der Autor führt in diesem Buch dem Leser eine Realität vor Augen, die durch künstlerische Bearbeitung nur scheinbar ist. 

Die Hauptfigur Sebastian von Eschburg wuchs in einem Herrenhaus auf. Zwar war kaum Geld für die Erhaltung des Hauses vorhanden, dennoch legten seine Eltern Wert auf Anstand und Etikette wie zu vergangenen Zeiten.  Da die Familie einem Internat lange verbunden war, erhielt Sebastian dort ein Stipendium. Er ist Synästhetiker. Unmittelbar nachdem sein Vater sich erschossen hat ist er vor Ort, dieses Bild lässt seine Wahrnehmung förmlich explodieren. In den folgenden Jahren taucht er im Internat in die Bücherwelt so weit ab, dass er mit den Figuren einen Austausch beginnt, doch das fällt seiner Umwelt auf und er zieht sich in sich selbst zurück. Nach seinem Abitur beginnt er eine Ausbildung zum Fotographen. Das ist der Beginn einer Künstlerkarriere, bei der er lernt, dass das, was dargestellt wird, auch eine Sinnestäuschung sein kann. Nachdem er wieder einmal eine aufwendige Installation erarbeitet hat, gibt es einen Bruch im Erzählablauf. Nun ändert sich die Perspektive. Sebastian wird angeklagt, eine junge Frau ermordet zu haben. Der erfahrene Strafverteidiger Konrad Biegler übernimmt den Fall.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Die ersten drei sind nach den Farben des Farbkreises benannt, die zusammen Weiß ergeben, dem Titel des letzten kurzen Teils. Die ersten drei Buchteile tragen zur Darstellung des Falls bei und ergänzen sich zu einem Schluss, der die Farbe der Unschuld trägt. Darüber, ob Sebastian unschuldig ist, muss sich der Leser im Laufe der Ermittlungen selbst eine Meinung bilden. Ferdinand von Schirach zeichnet die einzelnen Szenen in kurzen Kapiteln, aber so treffend, dass für mich das jeweils passende Bild vor Augen entstehen konnte. In seiner Arbeit als Künstler beschäftigt er sich auch mit gesellschaftlichen Tabuthemen und durch seine wenigen Kontakte kommt er einem Tabu scheinbar sehr nahe. Im ersten Teil versucht der Autor, dem Leser möglichst viele Hintergrundinformationen zu seinem Protagonisten zu geben, bevor dann Biegler und die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beginnen. Um den Leser mit der Charaktere des schnell gelangweilten , mürrischen, aber streng nach Gesetzeslage denkenden Strafverteidigers bekannt zu machen, schweift der Autor meiner Meinung nach etwas weit von der Geschichte ab. Bei der Darstellung der Verteidigung merkt man den Zeilen an, dass Herr von Schirach hier in seinem Element ist. Der Roman lässt mich darüber nachdenkend zurück, an wie vielen Stellen er mir eine Wirklichkeit aufgezeigt hat, die doch erst ein künstlerischer Geist erschaffen ein. Tabu ist eine Geschichte, wie ich sie vorher noch nie gelesen habe. Daher gebe ich gerne eine Leseempfehlung.