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Samstag, 5. Juli 2014

[Rezension] Graeme Simsion - Das Rosie-Projekt

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Titel: Das Rosie-Projekt
Autor: Graeme Simsion
Übersetzerin: Annette Hahn
Erscheinungsdatum: 23.12.2013
Verlag: Krüger Verlag
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
Handlungsort: Melbourne/Australien
Handlungszeit: Gegenwart



„Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion ist ein Liebesroman der ganz besonderen Art. Der 39-jährige kühl rational denkende Genetiker Don Tillmanns, der stets mit seinem Fahrrad zur Arbeit an der Universität von Melbourne/Australien fährt, ist auf der Suche nach einer geeigneten Ehefrau. Die Zahl seiner Freunde kann er an einer Hand abzählen. Einer davon ist sein früherer Vorgesetzter, der Psychologieprofessor Gene, der ihn bei seiner Suche unterstützt. Vor allem der Zeitfaktor, den Don für seine Suche aufwenden muss, ist ihm ein Dorn im Auge und so beschließt er, von vornherein eine Auswahl zu treffen, indem er einen Fragebogen mit Charaktereigenschaften zusammenstellt, den er beliebigen Frauen, auf die er mehr oder weniger zufällig trifft, zur Beantwortung aushändigt. Er bittet Gene ihm bei der Auswertung zu helfen. 

Wenig später betritt Rosie sein Büro an der Universität. Davon ausgehend, dass Gene ihm da eine potentielle Partnerin geschickt hat, die in möglichst vielen Merkmalen eine Übereinstimmung mit seinen Wünschen zeigt, lädt er Rosie wie von ihm geplant zum Abendessen ein. Doch bereits bei dieser Verabredung bemerkt er, dass da irgendetwas nicht stimmt, denn sie entspricht keineswegs seinen Anforderungen an eine perfekte Ehefrau. Dennoch spricht sie seine Fähigkeiten als Genetiker an, weil sie auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater ist, den sie nur über eine DNA-Analyse finden kann. Don fühlt sich herausgefordert, ist einverstanden und entdeckt plötzlich ganz andere Seiten an sich.

„Das Rosie-Projekt“ ist von Beginn an ein köstliches Lesevergnügen. Dons vertritt Gene bei einem Vortrag über das Asperger-Syndrom. Damit wird der Leser bereits in die richtige Richtung gewiesen, um das Verhalten von Don einzuordnen. Er trägt autistische Züge, leidet aber nicht am erwähnten Syndrom. Da ihm die Fähigkeit zur Empathie fehlt, versucht er jede Situation objektiv zu erfassen und einzuschätzen. Seit Jugendtagen ist er verhaltensauffällig und macht sich gern vor anderen zum Clown um seine Unsicherheit zu überspielen. Da ihm das jedoch bewusst ist, bemüht er sich Strukturen von Reaktionen zu erkennen und diese selbst anzuwenden. Natürlich führt dies immer wieder zu ungewohnten und erheiternden Situationen. 

Don erzählt in der Ich-Form, so dass man auch an seinen Gedankengängen teilnehmen kann. Der Leser kann sich auf diese Weise versuchen in Don hineinzuversetzen, der doch manches Mal sehr unbeholfen wirkt, was aber nicht einfach ist, wodurch Don einem aber unheimlich sympathisch wird. Neben Don gibt es natürlich noch den Hauptcharakter der Rosie, die ebenfalls die Herzen der Leser erobert und, ohne zu viel zu verraten, eigentlich ganz anders ist als die Barkeeperin (nicht Barfrau – worauf Rosie sehr viel Wert legt) die bei Don vorstellig wird. Auf eine ganz eigene Art humorvoll, aber gleichzeitig auch nachdenklich stimmend ist die Figur von Dons Freund Gene, der eine offene Ehe mit seiner Frau führt und dementsprechend ein andersartiges Projekt verfolgt.

Das Buch zu lesen macht einfach Spaß und daher kann ich es uneingeschränkt jedem ans Herz legen.