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Sonntag, 27. Juli 2014

[Rezension Hanna] Ohne jeden Zweifel von Tom Rob Smith



Inhalt
Der 29-jährige Daniel wohnt in London, seine Eltern sind vor einigen Monaten auf einen Hof in Schweden gezogen. Eines Tages erhält er einen Anruf von seinem Vater: Seine Mutter Tilde musste in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Bevor Daniel ins Flugzeug steigen kann, ist seine Mutter schon bei ihm in London eingetroffen. Daniel ist ihre letzte Hoffnung, denn sie weiß: Ihr Mann versucht mit anderen Bewohnern der Gegend, ein Verbrechen zu vertuschen. Mit Hilfe von Beweisstücken erzählt sie Daniel streng chronologisch ihre Geschichte. Wie wird Daniel darauf reagieren?

Meinung
Das Buch beginnt mit einem längeren Kapitel, in dem Daniel von der Einweisung seiner Mutter erfährt und diese kurz darauf bei ihm in London eintrifft. Wie konnte sie so schnell die Klinik verlassen? Sie selbst ist überzeugt davon, gesund zu sein; ihr Mann der sie hat einweisen lassen ist ihrer Meinung nach Teil der Verschwörung. Gleichzeitig erhält Daniel aber auch Anrufe von seinem Vater, der ihn auf die Krankheit seiner Mutter hinweist und ihn warnt, dass sie auch gewalttätig werden könnte. Wem soll Daniel glauben? Ich konnte sein Dilemma nachvollziehen und war gespannt auf seine Reaktion.

Daniel beschließt zunächst, seiner Mutter die Chance zu geben, ihre Geschichte zu erzählen. Diese beharrt darauf, chronologisch vorgehen zu müssen, damit alles verständlich ist. Sie beginnt ihre Geschichte mit dem Umzug nach Schweden, und als Leser weiß man nicht, worauf ihre Erzählung überhaupt hinauslaufen soll. Ihre Geschichte wird immer wieder von Daniels kurzen Reaktionen auf das Berichtete unterbrochen. Für mich als Leserin war es interessant abzuwägen, ob das Erzählte tatsächlich der Wahrheit entspricht und ob die von Tilde vorgelegten Beweisstücke tatsächlich als solche angesehen werden können.

Tildes Erzählung wirkt zwar authentisch, war mir aber etwas zu ausschweifend. Nach 310 Seiten Erzählung folgen 90 Seiten Konsequenzen. Dieses Seitenverhältnis war mir zu unausgeglichen, den ersten Teil empfand ich als zu lang und den zweiten als zu kurz. Dennoch faszinierte mich das Verwirrspiel des Romans. Da Daniel noch nie selbst in Schweden war, kennen er und auch man selbst als Leser die beteiligten Personen nur so, wie Tilde sie schildert. Doch wie bösartig sind Chris, Håkan, Doktor Norling und der Bürgermeister wirklich? Diese Ungewissheit sorgt für eine beständige, untergründige Spannung. Die Beantwortung aller drängenden Fragen kommt im Verhältnis zu Tildes Geschichte wie gesagt etwas kurz, hat mich aber überraschen und überzeugen können.

„Ohne jeden Zweifel“ lebt von der Ungewissheit des Lesers, inwiefern das Erzählte der Wahrheit entspricht und welche Konsequenzen dies haben wird. Dies führt zu einer beständigen untergründigen Spannung während der eher ruhigen Geschichte. Wer psychologische Verwirrspiele mag und bei der Suche nach Wahrheit Hartnäckigkeit beweisen kann, ist bei diesem Buch richtig.


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Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2013