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Donnerstag, 31. Dezember 2015

[Rezension] Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr Leid - Fredrik Backman


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Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr Leid
Autor: Fredrik Backman
Übersetzerin: Stefanie Werner
Hardcover: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. Juni 2015
Verlag: FISCHER Krüger 

Inhalt

Die siebenjährige Elsa hat nur eine Freundin: Ihre siebenundsiebzigjährige Oma. Zusammen mit ihr unternimmt sie die verrücktesten Dinge und träumt sich ins Land-Fast-Noch-Wach mit seinen sechs Königreichen, über die Oma so manches Märchen zu erzählen hat. Egal was passiert, Oma ist immer auf Elsas Seite. Doch eines Tages kehrt Oma nicht aus dem Land-Fast-Noch-Wach zurück. Sie hat Elsa allerdings eine ganz besondere Schatzsuche hinterlassen. Diese beginnt mit einem Brief, den sie übergeben soll. Doch wohin wird sie Elsa führen?

Meinung
Zu Beginn des Buches lernt man Elsa und ihre Oma als unzertrennliches Gespann kennen. Weil Elsa in der Schule mal wieder von Mitschülern geärgert wurde, ist ihre Oma mit ihr in den Tierpark eingebrochen. Solche Aktionen sind für Elsas Oma nicht ungewöhnlich, immer wieder nimmt sie es mit den Regeln nicht so genau und tut alles, um Elsa aufzumuntern. Auch das Land-Fast-Noch-Wach, in das die beiden sich täglich gemeinsam träumen, lernt man gleich kennen. Als Elsas Oma nach wenigen Seiten stirbt, konnte ich deshalb sehr gut nachvollziehen, wie schwer Elsa dieser Verlust trifft. Ihre einzige Freundin, ihre einzige Verbündete soll nicht mehr da sein – und jetzt?

Die Schatzsuche ist der rote Faden des Buches, mit dem Elsas Oma auch aus dem Jenseits weiterhin in die Geschichte eingreift. Dennoch bleibt die Suche an sich eher im Hintergrund. Im Vordergrund der Handlung steht vielmehr das Leben in dem Haus, in dem Elsa lebt und in dem auch ihre Oma eine Wohnung hatte. Hier wohnen die verschiedensten Personen, die Elsa mehr oder weniger gut kennt. Da ist zum Beispiel die immer nörgelnde Britt-Marie, die Frau im schwarzen Rock, der Junge mit dem Syndrom und das Monster, über das niemand spricht. Immer wieder wird das alltägliche Leben im Haus beschrieben, doch allmählich wird klar, dass es hier auch so manches Geheimnis gibt, das Elsa noch nicht kennt.

Die Protagonistin Elsa habe ich schnell ins Herz geschlossen. Sie ist ein äußerst aufgewecktes Mädchen und weiß über viele Erwachsenendinge dank Oma und Google bereits Bescheid. Bisweilen wirkt Elsa altklug, doch meist fand ich es sehr amüsant, sie in der Rolle der kleinen Besserwisserin Erwachsene belehren zu sehen. Gleichzeitig kombiniert sie für ihr Alter äußerst geschickt und vergleicht gern alles mit Harry Potter, X-Men und Star Wars. In der Schule wird sie wegen ihres Andersseins hingegen oft geärgert. Doch im Laufe der Geschichte muss sie immer wieder Mut beweisen und entwickelt sich dadurch weiter. Auch die anderen Hausbewohner sind vielschichtig gestaltet. So mancher wirkt auf den ersten Blick klischeehaft, doch lernt man ihn durch Elsas Augen erst einmal besser kennen, begreift man, dass doch mehr in ihm steckt. Und auch Elsas Oma und ihre Geschichte versteht man durch die Erzählungen anderer Personen immer besser.

Zu Beginn des Buches habe ich nicht so ganz verstanden, wohin die Geschichte eigentlich will. Nur sehr langsam kristallisiert sich heraus, welche Richtung hier eingeschlagen wird und wozu uns der Autor den Leser an all den Begebenheiten und Erinnerungen teilhaben lässt. Vieles macht deshalb erst im Nachhinein Sinn. Die Beschreibungen der Märchen und einiger Erlebnisse hätten dennoch an einigen Stellen etwas straffer erzählt werden dürfen. Nach zwei Dritteln des Buches fand ich die Geschichte ganz okay, erst danach nahm meine Begeisterung mit jeder Seite zu bis hin zu einem Ende, das ich absolut gelungen fand.

„Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr Leid“ erzählt die Geschichte der siebenjährigen Elsa, die von ihrer Oma auf eine ungewöhnliche Suche geschickt wird. Worum es im Kern geht, muss man beim Lesen aber selber herausfinden. Ich kann Euch deshalb nur empfehlen, in das Buch einzutauchen und zusammen mit Elsa auf die Suche zu gehen!

Dienstag, 29. Dezember 2015

[Rezension Ingrid] Caroline Wallace - Das Fundbüro der Wünsche


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Titel: Das Fundbüro der Wünsche
Autorin: Caroline Wallace
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
Erscheinungsdatum: 27.11.2015
Verlag: Rowohlt Polaris
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur

Die 16-jährige Martha Lost lebt seit sie zurück denken kann im Bahnhof Lime Street in Liverpool. Caroline Wallace erzählt ihre ungewöhnliche, fiktive Geschichte in ihrem Debütroman „Das Fundbüro der Wünsche“. Martha weiß, dass sie als Baby in einem Koffer im Fundbüro des Bahnhofs gelandet ist, dass von ihrer Pflegemutter geführt wird und in dem sie seit langer Zeit bereits tatkräftig mithilft. Ihre Pflegemutter hat ihr erzählt, dass sie den Bahnhof nicht verlassen soll, denn sie sei wie einer der „Liver Birds“ der Stadt, die mit Ketten auf den Türmen eines Versicherungsgebäudes befestigt sind und einer Legende nach den Untergang von Liverpool bedeuten, sollten sie sich eines Tages befreien können. Ein Foto dieser kupfernen Vögel findet der interessierte Leser auf der Innenseite der vorderen Klappbroschur. Laut ihrer Pflegemutter würde der Weggang von Martha zum Einsturz des Bahnhofs führen.

Die Arbeit im Fundbüro macht ihr Spaß, denn sie begegnet dort vielen freundlichen Gesichtern in ihrer Umgebung. So gibt es George, der in seiner Uniform eines römischen Legionärs jeden Nachmittag mit dem gleichen Zug eintrifft, Elisabeth aus dem Café nebenan und Jenny vom Kiosk am Bahnhofsausgang sowie Stanley, der den Bahnsteig sauber hält. Doch auf die dringendste und wichtigste Frage ihres Lebens hat Martha bisher keine Antwort erhalten. Zu gerne möchte sie wissen, wer sie wirklich ist, wer ihre leiblichen Eltern sind. Das herauszufinden ist nicht einfach, wenn man den Bahnhof nicht verlassen kann. Eines Tages erhält sie anonym ein Buch mit dem Hinweis, dass ihre Mutter in Bezug auf ihre Herkunft lügt. Gemeinsam mit ihren Freunden sucht sie nach einem Weg, Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.

Die Geschichte ist im Jahr 1976 angesiedelt, in einer Zeit in der die Elterngeneration teilweise noch den 2. Weltkrieg bewusst miterlebt hat. Auch im Buch ist ein Vertreter dieser Generation zu finden, der den Leser zu einer interessanten Information über Liverpool führt. Die englische Stadt ist mir hauptsächlich als Geburtsstadt der Beatles bekannt. Carolin Wallace baut neben der Geschichte von Martha noch einen zweiten Erzählstrang auf, in dem es um einen aufgefundenen Koffer eines engen Vertrauten der Band aus Liverpool geht. Dieser Koffer existierte tatsächlich und er passt vom Thema natürlich hervorragend zum Buch und bringt Abwechslung in den Roman. Weitere Auflockerungen  erreicht die Autorin dadurch, dass sie hin und wieder kleine Zeitungsreportagen einfügt und die Briefe eines anonymen Schreibers, der Stellung nimmt zu Marthas Fragen, jeweils durch eine andere Schriftart hervorgehoben. Warum der Briefschreiber erst so spät in das nicht immer ganz einfache Leben der Erzählerin eingegriffen hat, war mir leider nicht ganz klar.

Mit der Figur der Martha bringt die Autorin auch etwas Mystik in ihre Geschichte. Die Protagonistin erzählt ihren Part in der Ich-Form. Sie selbst glaubt fest an ihre Fähigkeit, dass sie sich mit aufgefundenen Dingen verbinden kann, indem sie mir ihren Fingern darüber reibt. Auf diese Weise entsteht ein Kino in ihrem Kopf mit Szenen die ihr zeigen wie der Gegenstand verloren gegangen ist. Marthas Pflegemutter bildet zu der kleinen heilen Welt von Martha einen gewaltigen Gegenpart, denn ihre vielen Regeln und Verbote begleiten ihre Erziehung und Martha hat ein Alter erreicht, in dem sie beginnt alles zu hinterfragen. Ihre Auflehnung ist unumgänglich.

Doch trotz des eingeengten Lebens mit ständiger Angst vor Bestrafung in das die Autorin Martha hineingeschrieben hat, bringt die Geschichte jede Menge Charme, die Bedeutung von Freundschaft und den Mut zu Veränderungen mit sich. „Das Fundbüro der Wünsche“ ist eine märchenhaft anmutende Erzählung mit frischen Ideen und vielen liebenswerten, teils skurrilen Figuren, dem ich gerne eine Leseempfehlung gebe.

Montag, 28. Dezember 2015

[Rezension Hanna] Alle unter eine Tanne - Lo Malinke


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Alle unter eine Tanne - Lo Malinke
Klappenbroschur: 320 Seiten 
Erscheinungsdatum: 20. November 2014
Verlag: Fischer KRÜGER
Link zur Buchseite des Verlags

Inhalt
Elli und Robert sind seit drei Jahren geschieden und leben inzwischen mit neuen Partnern zusammen. Doch jedes Jahr zu Weihnachten spielen sie ihren drei erwachsenen Kindern heile Welt vor und geben das glückliche Ehepaar. Damit soll endlich Schluss sein findet Roberts Freundin Chrissi. Sie kommt unverhofft zum Fest und fordert eine Aufklärung der Verhältnisse. Wie werden die Kinder auf die Enthüllung reagieren? Elli und Robert ahnen nicht, dass auch diese allesamt ein Geheimnis im Gepäck haben…

Meinung
Nachdem ich schon letztes Jahr auf das Buch aufmerksam geworden bin, habe ich dieses Jahr auf der Suche nach einer Lektüre für die Weihnachtszeit zu diesem Buch gegriffen. Das Ausgangsszenario des Buches ist an sich schon herrlich amüsant und absurd, sodass ich neugierig war, wie sich das ganze entwickeln wird und wann die Bombe platzt.

Der ganze Roman beschreibt den Heiligabend aus der Sicht der unterschiedlichen Familienmitglieder. Das Fest und die Ereignisse werden so aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln geschildert und ich konnte besser verstehen, was in den Köpfen der einzelnen Personen, die sich bewusst stereotyp verhalten, vorgeht. Dabei wird häufiger kurz in die Vergangenheit geblickt, sodass man die Hintergründe noch besser verstehen konnte. Gelegentlich zogen sich die Gedankeneinblicke allerdings in die Länge, hier hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht.

Die Geschichte zieht seine Spannung aus der Tatsache, dass man als Leser brennend darauf wartet, dass die erste Bombe platzt. Doch auch der Weg dahin ist sehr amüsant, es wird abgewogen, taktiert und diskutiert. Mit dem Fortschreiten des Abends neigen die Personen zu den gewagtesten und verrücktesten Schachzügen, um den Familienfrieden zu sichern. Dass das nicht auf ewig gutgehen kann, ist klar. Nachdem das erste Geheimnis enthüllt wurde, erlaubt das Buch kein Verschnaufen mehr, sondern ließ mich bis zum gelungenen Ende weiterlesen. Diesen amüsant-absurden Weihnachtsroman kann ich nur weiterempfehlen!

Sonntag, 27. Dezember 2015

[Rezension Hanna] Straße der Schatten - Jennifer Donnelly


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Strasse der Schatten von Jennifer Donnelly 
Übersetzt von Ulrike Budde
Hardcover: 448 Seiten
Erschienen am 9. November 2015
Verlag: Pendo

Inhalt
New York, 1890: Josephine Montfort stammt aus einer wohlhabenden Familie. Gemeinsam mit anderen vornehmen Töchtern besucht sie ein Pensionat und soll sich bald mit dem begehrten Junggesellen Bram verloben. Doch Jos eigentlicher Traum ist es, journalistisch tätig zu sein, Enthüllungsberichte zu schreiben und sie zu veröffentlichen. Ihr Leben wird erschüttert, als ihr Vater durch einen tragischen Unfall stirbt. Doch kurz darauf erfährt Jo zufällig, dass es vermutlich gar kein Unfall war, sondern Selbstmord oder gar Mord. Gemeinsam mit dem jungen Journalisten Eddie will Jo die Hintergründe aufklären. Dabei gerät sie bald in ein Geflecht aus Intrigen und Geheimnissen und bringt sich selbst in Gefahr…

Meinung
Die Protagonistin Jo lernt der Leser in einem kurzen Prolog kennen, in welchem sie sich gerade an die Aufgabe machen will, einen Toten aus seinem Grab auszubuddeln. Wie ist Jo in diese Situation gekommen? Wessen Grab ist es? Wer sind die Männer, die bei ihr sind? Mit diesen Fragen im Gepäck sprang ich zwei Monate in die Vergangenheit und traf Jo in einer völlig anderen Umgebung wieder: In einem Pensionat für wohlhabende Töchter New Yorks. Dort versucht sie gerade, ihre Geschichte über die Ausbeutung junger Arbeiterinnen in einer Textilfabril in der Zeitschrift des Pensionats zu veröffentlichen, ihre erster Artikel, bei dem sie wie eine Reporterin heimlich Interviews geführt hat.

Schnell merkte man, dass Jo sich mit ihrer Freiheitsliebe in ihrem Leben eingesperrt fühlt, denn ihre journalistischen Bestrebungen werden nicht gern gesehen. Mit der Nachricht vom Tod ihres Vaters und den Gerüchten rund um eine mögliche Ermordung geraden die Dinge dann schnell ins Rollen. Gemeinsam mit dem Reporter Eddie stellt sie Nachforschungen an. Die beiden kommen aus zwei völlig verschiedenen Welten. Während Jo wohlbehütet aufgewachsen ist und bis dato nicht einmal wusste, was eine Prostituierte ist, hatte Eddie eine Kindheit unter schwierigen Bedingungen. Eddie mochte ich auf Anhieb sehr, er ist schlau, gewitzt, etwas vorlaut und stets bemüht, Jo zu beschützen. Mit Jo hatte ich leider so meine Probleme. Im einen Moment verhält sie sich gerissen und mutig, dann aber wieder schrecklich naiv, was für mich nicht so ganz passte.

Das Buch versucht vor allem, den Kontrast zwischen Jos wohlbehütetem Upper Class-Leben und ihren Abenteuern, die sie durch die gemeinsamen Nachforschungen mit Eddie in Downtown erlebt, herauszustellen. Letzteres ist für Jo eine komplett neue Welt, deren Spielregeln sie erst lernen muss. So manche Situation wäre für sie böse ausgegangen, wenn sie nicht durch Zufälle immer wieder gerettet wird. Im Gegensatz dazu steht Jos Teilnahme an Familienfeiern und Treffen mit ihren Freundinnen, in denen über ihre anstehende Verlobung und Belanglosigkeiten geredet wird. Gut konnte ich verstehen, dass sie diesen Veranstaltungen gerne entflieht und sich einfach nicht damit abfinden möchte, dass ihr ganzes Leben so verlaufen wird. Die Kapitel über Jos vornehmes Leben zogen sich für mich allerdings zunehmend in die Länge.

Jos und Eddies Ermittlungen bestehen aus Befragungen, Nachforschungen an Schauplätzen und sogar Besuchen im Leichenschauhaus. Die beiden müssen bald feststellen, dass sie mit ihren Nachforschungen in ein Wespennest gestochen haben und bald selbst Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Trotz der Abenteuer der beiden bleibt das Tempo der Geschichte durch die Einschübe über Jos langweiliges Leben am Tage ruhig. Erst zum Ende hin nimmt die Geschichte wirklich an Tempo auf und konnte mich mitreißen. Die ganze Geschichte funktioniert allerdings nur aufgrund von zahlreichen großen Zufällen, sodass es für mich irgendwann nicht mehr glaubhaft war. Immerhin wurde ich mit einem Ende entschädigt, das ich für gelungen halte.

Fazit
„Strasse der Schatten“ erzählt von der vornehmen New Yorker Tochter Jo, die durch Nachforschungen zum Tod ihres Vaters zum ersten Mal das Leben Downtown kennen lernt und in ein Netz aus Intrigen gerät. Während der Reporter Eddie meine Lieblingsfigur des Buches war, wirkte Jo auf mich etwas zu naiv. Auch wenn die Geschichte nur aufgrund von Zufällen funktioniert, hat mir der Kontrast zwischen den beiden Welten, in denen Jo sich bewegt, faszinieren können. Wenn ihr Lust auf eine Reise ins historische New York mit seinen glänzenden und seinen düsteren Seiten habt, dann ist „Strasse der Schatten“ das richtige Buch für Euch!

Dienstag, 22. Dezember 2015

[Rezension Hanna] Zone 5 - Markus Stromiedel


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Zone 5
Autor: Markus Stromiedel
Klappenbroschur: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2015
Verlag: Droemer TB

Inhalt
Etwa 45 Jahre in der Zukunft wird Europa von einem autoritär regierenden Präsidenten beherrscht. Im Hintergrund agieren fünf multinationale Konzerne die eigentlichen Strippenzieher. Europäische Städte sind in Zonen aufgeteilt. Während man in Zone 1 und 2 höchst angenehm lebt, wird Zone 4 von Slums beherrscht, wo die Bewohner nur mit dem allernötigsten versorgt werden.
David kommt für sein Anerkennungsjahr als Anwalt nach Köln. Er möchte etwas bewegen und hat sich deshalb für die wenig glanzvolle Stadt entschieden, während seine Freunde nach Paris, Singapur und São Paulo gehen. Alex hingegen lebt schon immer in der Zone 4 in Köln. Um den Menschen zu retten, den sie liebt, dringt sie verbotenerweise in die Zone 1 ein. Ein Vergehen, auf das die Todesstrafe steht. Dabei kreuzen sich die Wege der beiden. Diese Bewegung bringt bald etwas Großes ins Rollen…

Meinung
Auf das Buch neugierig geworden bin ich aufgrund des Schauplatzes: Ein dystopisches Köln, das klang für mich als Rheinländerin genau richtig. Zudem faszinieren mich Dystopien aller Art, auch das auf der Buchrückseite erwähnte Buch „Der Circle“ habe ich im letzten Jahr mit Begeisterung gelesen. Mit hohen Erwartungen begann ich mit der Lektüre und wurde gleich von einem brisanten Prolog abgeholt: Der Kölner Dom stürzt ein. Warum geschieht das? Was ist passiert? Meine Neugier war endgültig geweckt. Um die Hintergründe zu erklären, springt die Geschichte im Anschluss an den Prolog neun Tage in die Vergangenheit und ich begab mich auf Spurensuche.

Der Autor hat intensiv recherchiert und sich viele Gedanken gemacht, wie das Leben um 2060 herum aussehen könnte. Aus seinen Ideen hat er ein Szenario konstruiert, das erschreckend, aber durchaus plausibel wirkt. Mit David und Alex hat er zwei Protagonisten erschaffen, die von Beginn an die Intention haben, die herrschende Ungerechtigkeit nicht hinzunehmen, sondern aktiv zu werden. Wer wie ich Köln kennt, für den sind die Beschreibungen des Autors, wie bestimmte Plätze und Straßen in seinem Zukunftsszenario aussehen könnten, besonders interessant. Doch auch wenn man Köln noch nicht kennt verliert das Buch nichts von seiner Spannung. In seinen Beschreibungen geht der Autor nur soweit wie nötig ins Detail, reißt technische, medizinische und politische Entwicklungen an und gibt dem Leser eine Idee davon, wie all das funktioniert. Doch der Fokus bleibt stets auf der thrilligen Handlung rund um David und Alex.

Die beiden Protagonisten lernt man zunächst besser kennen, bevor sich ihre Handlungsstränge mit jedem Kapitel enger verflechten. David als angehender Anwalt und Alex als taffe Frau aus der Zone 4 führen höchst unterschiedliche Leben, wodurch man zwei verschiedene Blickwinkel auf die dystopische Stadt erhält. Doch beide verbindet der Wille, etwas zu tun. Dabei wirken sie in der Verfolgung ihrer Ziele authentisch. Ich habe nachvollziehen können, warum es David ausgerechnet nach Köln zieht und Alex in die für sie verbotene Zone 1. Schnell sind die beiden mir sympathisch geworden, gerade weil sie keine schillernden Helden sind, sondern ihren Instinkten folgen und menschliche Entscheidungen treffen, die sich auch mal als falsch erweisen können. Um das große Ganze besser zu verstehen gibt es außerdem immer wieder Kapitel, die Einblicke geben zum Beispiel in das Leben des europäischen Präsidenten, des Chefs eines der großen Industriekonzerne oder der Anwaltsgehilfin Verena. Dadurch versteht man noch besser, welche Konsequenzen die Entscheidungen der Handelnden haben.

Die Geschichte hat mich in seinen Sog gezogen. Durch den Prolog wurde eine grobe Richtung angedeutet, doch bis zum letzten Moment konnte ich nur vermuten, wie der Einsturz des Kölner Doms in die Geschichte hineinpasst. Zum Ende hin wird es zunehmend dramatisch und ich fieberte mit den Protagonisten mit. Werden sie nicht nur heil aus der ganzen Sache herauskommen, sondern auch ihre Ziele erreichen? Bis zur letzten Seite wurde die Spannung erhalten, was das Buch für mich zu einer rundum gelungenen Sache macht.

Fazit
„Zone 5“ bietet ein düsteres Zukunftsszenario mit einigen plausiblen Ideen, vor dessen Kulisse zwei junge Menschen sich gegen die herrschende Ungerechtigkeit auflehnen. Daraus wird bald etwas viel Größeres, als sie sich je hätten vorstellen können, und damit ein faszinierender dystopischer Thriller. Ich kann euch nur empfehlen, mit „Zone 5“ die Reise ins Köln der Zukunft anzutreten!



Montag, 21. Dezember 2015

[Rezension] Anne Enright - Rosaleens Fest


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Titel: Rosaleens Fest
Autorin: Anne Enright
Übersetzer: Hans-Christian Oeser
Erscheinungsdatum: 09.11.2015
Verlag: DVA Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Leseexemplar

Während nur noch ganz vereinzelt Blätter an Bäumen und Sträuchern hängen, beginnt Rosaleen, die Protagonistin im Buch „Rosaleens Fest“ von Anne Enright, im Jahr 2005 mit dem Schreiben von Weihnachtskarten. Sie ist 76 Jahre alt, ihr Mann längst verstorben und die inzwischen erwachsenen vier Kinder haben vor Jahren schon das Haus verlassen. Die Karten beinhalten wie jedes Jahr eine Einladung zum Fest im elterlichen Haus, der in den letzten Jahren aber nicht alle gefolgt sind. Diesmal ergänzt Rosaleen den Einladungstext um die Mitteilung, dass sie das Haus verkaufen wird. Ob das der Hauptgrund ist aus dem alle vier in diesem Jahr tatsächlich der Einladung folgen?

Bevor Rosaleen erstmals in den Fokus des Lesers tritt, lernt dieser im ersten der beiden Romanteile die Geschwister kennen. Die Erzählung beginnt im Jahr 1980 und er begegnet dort Hanna, der Jüngsten, als Kind. So wird er ganz nebenbei auch mit den übrigen Familienmitgliedern bekannt. Die weiteren Kapitel nehmen in Zeitsprüngen jeweils eins der Geschwister in den Mittelpunkt. Anlass für den Halt bei der jeweiligen Person ist ein für sie bedeutendes Ereignis. Rund um diese Begebenheit erzählt die Autorin im Rückblick oder schildert die Gedankengänge des Charakters, stets im Schreibstil eines allwissenden Erzählers. Dabei schont sie niemanden und vermag es ein ums andere Mal genau die Schwachstelle im Leben der Person zu beschreiben, immer im Bewusstsein, dass ihr Charakter darüber Bescheid weiß. Es ist nicht das Außergewöhnliche, was den Inhalt des Buchs ausmacht, sondern das was uns im täglichen Leben begegnet und von dem wir alle schon gehört haben oder betroffen sind.

Die Geschwister stehen mitten im Leben doch ihre Gedanken wandern immer wieder in ihre Heimat zu ihrer Mutter. Und sie sind sich bewusst, dass sie deren Erwartungen in Bezug auf Familie und Karriere zum größten Teil nicht erfüllt haben. Über die Jahre hinweg hat sich auch der Kontakt untereinander gelöst. Sie teilen ihre Ängste und Gefühle nicht miteinander. Selbst in ihrer neuen Umgebung haben sie keine Menschen denen sie sich vorbehaltslos anvertrauen können, jeder hat den Schein nach außen hin aufrecht zu halten, dass er das von ihm gewünschte Leben führt. Anne Enright bezieht den Leser mit der benutzen Wir-Form an einigen Stellen in ihre Geschichte ein, so dass er sich mitten in der beschriebenen Szene wiederfindet, die auch zu seinem eigenen Leben gehören könnte.

Rosaleen ist der Reibungspunkt für alle vier Geschwister. Sie ist stolz auf ihre Kinder und ihre eigene Erziehung. Aus einem betuchten Haus kommend hat sie unter ihrem Stand geheiratet. Schon früh hat sie über körperliche Wehwehchen geklagt und darüber die Aufmerksamkeit der Geschwister eingefordert. Obwohl die beiden Männer ihr Glück weit entfernt gesucht haben konnten sie sich genau wie die jungen Frauen nicht vollständig von ihrer Mutter lösen. Ein schlechtes Gewissen hat sie immer dabei begleitet, ihren eigenen Vorstellungen beruflicher Ziele nachzugehen.

Andererseits hat Rosaleen über ihre Erziehung scheinbar vergessen, dass ihre Kinder zu selbständig denkenden Menschen mit eigenen Sorgen und Problemen herangewachsen sind. Sie verschließt davor mehr oder weniger bewusst ihre Augen, blendet aus, womit sie sich in ihrem Alter nicht mehr auseinander setzen möchte, das in früheren Jahren aber auch nie gemacht hat. Sie war immer Rosaleen und hat ihre Perspektive nicht gewechselt.

Ein Ereignis am Ende des Buchs bringt alle dazu, gemeinsam zu handeln. Es stimmt den Leser nachdenklich wie Rosaleens Familie als Zweckgemeinschaft funktionieren kann und bringt die Gedankengänge hin zum Vergeben, Vergessen und einem neuen Anfang.

Die Autorin transportiert in ihrem Roman eine große Fülle Emotionen, die sie dank ihrer Beobachtungsgabe und Fähigkeit, das Gesehene, Erlebte und vielleicht Gelesene zu Papier zu bringen, glaubhaft macht. Die alltäglichen Geschichten mit ihren großen Gefühlen haben mich sehr berührt und finden sich in diesem Buch zu einer einzigen großen Erzählung zusammen in die jeder eventuell ein Teil von sich wiederfinden wird. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.



Dienstag, 15. Dezember 2015

[Rezension Ingrid] Benjamin Monferat - Welt in Flammen

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Titel: Welt in Flammen
Autor: Benjamin Monferat
Erscheinungstermin: 29.08.2014
Verlag: Wunderlich Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover (Leseexemplar auf Buchticket ertauscht)
Handlungszeit: 23.05.-25.05.1940
Handlungsort: Route Paris-Istanbul des Simplon Orient Express



„Welt in Flammen“ von Benjamin Monferat alias Stephan M. Rother ist ein großer Abenteuerroman. Liebe, Hass, Intrigen, Mord sind nur einige der Zutaten für das seitenstarke Werk, das den Leser an Bord des Simplon Orient Express auf seine letzte Fahrt von Paris aus Richtung Istanbul mitnimmt.

Eine bunte Mischung Persönlichkeiten befindet sich an Bord des täglich verkehrenden Zugs, als dieser sich planmäßig am 25. Mai 1940 in Bewegung setzt. Da ist beispielsweise ein Abkömmling des russischen Zaren Nikolai II, Großfürst Constantin, der mit seiner Familie im Exil in Paris lebte und von dem vermutet wird, dass er etwas sehr Wertvolles bei sich trägt. Carol von Carpathien ist ebenfalls im Zug auf dem Weg in seine Heimat um sich dort wieder an die Spitze seines Volkes zu stellen, während seine Pariser Geliebte einen Weg findet ihm zu folgen, ohne das er davon etwas ahnt. Ein amerikanischer Ölmillionär hat die Fahrt seiner jungen Frau geschenkt und eine Stummfilmschauspielerin, ebenfalls aus Amerika, ist auf dem Weg in die Türkei um einem der wenigen Engagements nachzukommen, die ihr noch angeboten werden. Daneben gibt es diverse Vertreter europäischer Länder, die für oder gegen den Krieg im Einsatz sind. Doch noch bevor der Orient Expresses sich in Bewegung setzt, erfährt der Leser im Prolog von einer ganz besonders zu schützenden Sache, die auf diese Fahrt mitgenommen wird, für die ein französischer Widerstandskämpfer sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt hat.

Der Leser lernt zunächst eine größere Anzahl handelnder Personen kennen, die die unterschiedlichen Abteile im Zug belegen und sich gelegentlich im Speisenwagen begegnen. Eine hilfreiche Übersicht befindet sich am Ende des Buchs. Dort gibt es ebenfalls eine schematische Zeichnung der Waggons mit einer Belegungszuordnung. 

Neben den Handlungen im Zug erfährt der Leser im Laufe der Zeit auch einiges aus dem Leben jeden Charakters. In unterschiedlich langen Kapiteln springt die Erzählung von Szene zu Szene, die jeweils einen oder mehrere Mitreisende in den Fokus nimmt. Dazu wird eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Die Kapitel werden mehrfach, aber nicht zu häufig, von Zwischenspielen unterbrochen, die fernab des Zugs spielen. Vor allem zum Ende hin gibt es gewisse Längen in den Schilderungen.

Was mir besonders an diesem Buch gefallen hat, war die Darstellung des historischen Hintergrunds. Ohne lange ausgreifende Schilderungen der damaligen geschichtlichen Lage hat der Autor es verstanden mit wenigen wichtigen Details dem Leser ausreichende Kenntnisse zum Verständnis der Handlungsweisen mitreisender Personen zu vermitteln. Dabei scheut Benjamin Monferat sich nicht, mit den geschichtlichen Daten als Basis seine Fantasie passend dazu spielen zu lassen. Die Charaktere sind typische Vertreter ihres Landes oder der Gruppierung, der sie angehören. Auf diese Weise lässt sich die komplexe Handlung dennoch gut nachvollziehen. Die Entwicklung der Figuren im Laufe der Erzählung sorgt immer wieder für Überraschungen.

Auf dem eingegrenzten Raum des Zugs und in der kurzen Zeit von zwei Tagen ist es erstaunlich welche Spannung sich in den einzelnen Geschichten erzeugen lässt, die über den gesamten Zeitraum anhält und sich zu einem furiosen Ende nochmal steigert. Währenddessen gibt es immer wieder unerwartete Wendungen. Mir hat das Buch gut gefallen und gerne empfehle ich es allen, die sich gerne auf eine abenteuerliche Zugfahrt begeben möchten.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

[Rezension Ingrid] Julia Engelmann - Wir können alles sein, Baby (Hörbuch)


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Titel: Wir können alles sein, Baby

Sprecherin: Julia Engelmann spricht ihre eigenen Texte

Erscheinungsdatum: 19.10.2015

Verlag: der Hörverlag



Bewusst habe ich mich dazu entschieden, die neuen Texte von Julia Engelmann zu hören statt zu lesen, denn nur so lässt sich dem Gefühl mit dem sie ihre Poetry schreibt näherkommen. In 25 teils kurzen, teil längeren Texten nimmt sie den Hörer mit in ihre Welt. Sie teilt ihre Freude, ihre Ängste und Sorgen, verweist auf ihr Können und Nicht-Können, alles was sie in ihrem jungen Leben bewegt. Es sind Alltagsgeschichten und doch etwas Besonderes. Sie fordert auf zu leben und zwar so, dass es Spaß macht. Ich mag es, wenn sie auf Zeilen aus Klassikern eingeht oder diese einbaut und schließlich mit englischen Begriffen, die heute Eingang in unsere deutsche Sprache gefunden, verbindet.

Mit ihrer Stimme vermittelt sie ihr eigenes Empfinden: wenn sie über etwas grübelt verlangsamt sie ihre Sprache, wenn sie sich freut, lässt sie das Glück daraus hervortreten.  Mit Modulation und Betonung macht sie die poetischen Texte zu etwas Unvergleichbarem, das im Gedächtnis bleibt.

Julia Engelmann hat wie bereits bei ihrem ersten Hörbuch wieder zur Gestaltung der CD mit ihren Strichmännchen beitragen. Diese nehmen den Titel auf und zeigen sich in bester Laune. Ich werde mir sicher die Texte noch oft anhören, denn sie konnte mich damit berühren. Für alle, die Poetry mögen, gebe ich daher gerne eine Empfehlung.



Dienstag, 8. Dezember 2015

[Rezension Ingrid] Monika Bittl - Das Fossil

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Titel: Das Fossil
Autorin: Monika Bittl
Erscheinungsdatum: 01.10.2015
Verlag: Droemer 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
(Haupt-)Handlungsort: Wolkertsheim (bayrisches Dorf)
Handlungszeit: 1861 - 2014


Die fossilen Überreste eines Archeopteryx bilden den Rahmen für den nach ihm benannten Roman „Das Fossil“ von Monika Bittl. Auf dem Cover abgebildet ist das sogenannte Berliner Exemplar dieses taubengroßen Urvogels, eine Steinplatte die innerhalb einer Familie von Generation zu Generation über mehr als 150 Jahren weitergegeben wird. Im Laufe der Zeit bekommt sie den Ruf Unglück zu bringen, obwohl doch auch einiges Gutes aus ihr hervorgeht.

Im Prolog erzählt der Urvogel, wie es zu seiner Versteinerung kam und das er nun in der Gegenwart bei einem Mitglied der Familie, in dessen Besitz das Relikt vor ungefähr 150 Jahren gelangt ist, im Krankenhaus ausharrt. Gefunden wurde dieser Archeopteryx Mitte des 19. Jahrhundert vom Vater von Babette, einem Steinbrucharbeiter. Sie leben in einem kleinen bayrischen Dorf in dem es einen Arzt gibt der Fossilien sammelt und dabei nach einem Beweis für die Lehre Darwins sucht. Die 17jährige Babette zeichnet die Versteinerungen für ihn auf Papier ab.

Eines Tages kommt ein Engländer mit Interesse an den Steinplatten in den kleinen bayrischen Ort und Babette bändelt mit ihm an. Als dieser über Nacht zurück in seine Heimat aufbricht ohne sie mitzunehmen, weiß sie noch nicht, dass sie von ihm schwanger ist. Den Grund für dieses Geschehen gibt sie dem Fossil, daher vergräbt sie die Platte im Garten. Der feiste Müllersohn macht ihr schon lange den Hof und ist ihr Ausweg aus der Misere. Babetts Erstgeborener Paul sieht seinem Vater ähnlich und hat es in der Familie sehr schwer. Seine Mutter schenkt dem Herangewachsenen das ausgegrabene Fossil zum Verkauf, um damit seine Ausbildung zu finanzieren. Auch er wird von einem Unglück getroffen, so wie die nächsten Besitzer in der Familie bis in die Gegenwart.

Die Einführung nahm meiner Meinung nach schon zu viel vom Ende der Geschichte vorweg. Zu den Ausführungen in diesem Teil über die Schönheit im Leben konnte ich zunächst keinen Zusammenhang zur erwarteten Geschichte sehen. Die anfängliche Schwierigkeit, in den Roman hineinzufinden, legte sich nach den ersten Seiten. Die Erzählung schreitet über die Jahre zügig voran. Mit Babette begegnet der Leser einer recht naiven Person in Liebesdingen. Ihr Talent fürs Zeichnen entwickelt sich aus ihrer Liebe für Details und dem genauen Beobachten ihrer Umgebung. Teilweise verliert sie dabei sogar den Bezug zur Realität. Genau wie sie träumen die nachfolgenden Fossilbesitzer von einem besseren Leben, auch außerhalb des kleinen Dorfs.

Die Idee, dass die Steinplatte der jeweilige Auslöser für Unglücksfälle innerhalb der Familie ist, wird von Generation zu Generation weitergegeben. Obwohl dieser Umstand den Rahmen der Handlung bildet ist er letztlich für den Verlauf nicht entscheidend. Die Erzählung beleuchtet das Leben der verschiedenen Charaktere unterschiedlich lange. Interessant ist es, die Lebensgeschichte einiger Personen über sehr lange Zeit hinweg verfolgen zu können, da sie ja im Umfeld der Kinder und Kindeskinder verbleibt.

Der Schreibstil lässt sich flüssig und gut lesen. In den Dialogen lässt  Monika Bittl die Handelnden auch schon mal im bayrischen Dialekt reden. Alles bleibt aber gut verständlich, passt aber sehr gut zur Geschichte und ihrer Umgebung.  Ein Fossil als Hintergrund für eine Familiengeschichte zu wählen ist ungewöhnlich und hat mir gut gefallen. Insgesamt fühlte ich mich vom Roman gut unterhalten und vergebe unter Berücksichtigung der oben bereits erwähnten Punkte, die mich störten, 3,5 Sterne.


Montag, 7. Dezember 2015

[Rezension Hanna] Die Straße der Pfirsiche - F. Scott Fitzgerald


Inhalt
Connecticut, 1920: F. Scott und Zelda Fitzgerald sind seit drei Monaten verheiratet. Eines Morgens sehnt sich Zelda nach den Biscuits und Pfirsischen ihrer Heimat Alabama, weshalb Scott vorschlägt, mit dem Wagen hinzufahren und ihre Eltern zu überraschen. Zelda ist skeptisch, denn nicht ohne Grund nennen die Fitzgeralds ihren Expenso stets „Rolling Junk“. Doch sie werfen alle Zweifel über Bord und befinden sich schon kurze Zeit später auf der Straße in Richtung Süden, vor sich eine Fahrt, welche die Bezeichnung „abenteuerlich“ mehr als verdient hat…

Meinung
Ich habe dieses Buch überraschend erhalten und deshalb ohne spezielle Erwartungen mit der Lektüre begonnen. Der Autor nimmt den Leser mit auf einen Roadtrip gen Süden, in dem er selbst und seine Frau Zelda die Protagonisten sind. Ich war neugierig, wie viel die Geschichte über den Autor selbst und seine Ehe verrät, habe ich mich doch bisher noch nicht allzu intensiv mit dem Leben der Fitzgeralds auseinandergesetzt.

Fitzgerald schaffte es mühelos, mich mit auf seine Reise zu nehmen und die verschiedenen Staaten, welche das Ehepaar durchquert, vor meinem Auge lebendig werden zu lassen. Tatsächlich fieberte ich von Beginn an mit, ob die beiden ihr Ziel erreichen werden, denn ihr Wagen droht schon schon zu Beginn der Reise, jederzeit gänzlich auseinanderzufallen. Der Autor erzählt von so manchem humorvollen Zwischenfall. Auf der Reise lassen die beiden kein Fettnäpfchen und keine Gefahr aus, sodass ihre einfache Autofahrt zum großen Abenteuer wird.

Einige Erlebnisse entspringen lediglich der Fantasie des Autors und haben so während der Reise der beiden, die sie tatsächlich unternommen haben, nie stattgefunden. Fitzgerald vermischt hier geschickt Realität und Fiktion, balanciert mit seinen Worten bisweilen an der Grenze der Absurdität. Das machte für mich den besonderen Reiz der Geschichte aus und ließ sie für mich zu einem kleinen aber feinen Leseerlebnis werden.

Unabhängig davon, ob bestimmte Situationen tatsächlich so stattgefunden haben oder nicht, erhielt ich beim Lesen auch einen guten Eindruck von F. Scott und Zelda Fitzgerald und ihrer Beziehung zueinander. Hier gibt auch der Anhang, der fast die Hälfte des Buches ausmacht, weitere Einblicke. Eine Kurzgeschichte Zeldas berichtet von den folgenden Reisen des Ehepaars. Hierzu hat Zelda schnappschussartig zu jedem Hotel und jeder Stadt wenige Eindrücke festgehalten. Zeldas stakkatoartige Sätze fand ich nicht sonderlich angenehm zu lesen, doch zeigten sie mir, wie unstetig das Leben der Zwei war, wenn man eine derartige Masse an Hotels in einer solchen Geschwindigkeit am Auge des Lesers vorbeiziehen lassen kann.

Fazit
Ein Interview mit dem Ehepaar sowie ein Nachwort von Alexander Pechmann, in welchem ein Überblick über das Leben der Fitzgeralds gegeben wird, Fakten von Fiktion getrennt werden und die abgedruckten Geschichten interpretiert werden, runden dieses kurzweilige Buch gelungen ab. Ich kann „Die Straße der Pfirsiche“ sowohl an Leser empfehlen, die neugierig auf eine bislang in Deutschland unveröffentlichte Kurzgeschichte des Autors sind als auch an solche, die gerne mehr über die Menschen F. Scott und Zelda Fitzgerald erfahren möchten.

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Titel: Die Straße der Pfirsiche

Autor: F. Scott Fitzgerald
Übersetzer: Alexander Pechmann
Hardcover mit Leineneinband & Lesebändchen: 157 Seiten
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2015
Verlag: Aufbau Verlag
Handlungszeit: 1920
Handlungsort: USA
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Mittwoch, 2. Dezember 2015

[Rezension Ingrid] Susann Rehlein - Die erstaunliche Wirkung von Glück

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Titel: Die erstaunliche Wirkung von Glück
Autorin: Susann Rehlein
Erscheinungsdatum: 13.10.2015
Verlag: Dumont Verlag
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Handlungort: Berlin
Handlungzeit: Gegenwart



Ein bescheidenes Glück nennt Dorothea Brunkhorst, genannt Dorle, seit etwa einem halben Jahr ihr Eigen. Eine  Souterrain-Wohnung, in der früher die Concierge des Mehrfamilienhauses wohnte, und eine Heimarbeit bei der sie Kristalle für eine Kronleuchtermanufaktur zusammensteckt sind die Zutaten dafür und geben ihr eine gewisse Sicherheit im Leben. Sie hatte eine schwere Kindheit, wurde von ihrem Vater geschlagen und war später im Kinderheim. Joe, der Fahrer der Manufaktur, hat ihr nicht nur den Job besorgt sondern auch die Wohnung. Weil sie kontaktscheu ist und Berührungsängste hat, bleibt sie vorwiegend allein zu Hause. Im Gebäude wohnen nur ältere Menschen, denen sie aber gerne behilflich ist. Allerdings sieht mehr als einer von ihnen Dorle als die Hausmeisterin an und stellt Forderungen an sie entsprechende Dienste kostenlos zu verrichten. Die im Kontakt mit Menschen unsichere Dorle steht im Konflikt zwischen helfen wollen und ihrem Selbstwertgefühl. Bis schließlich die 84jährige lebenslustige, im Dachgeschoss des Hauses lebende Annegret Sonne findet, dass Dorle sich so wie sie selbst dem Leben öffnen soll. Doch das ist nicht so einfach, denn diese lehnt Ratschläge grundsätzlich ab. Da bedarf es schon eines kleinen Tricks um Dorle einen Schritt weiter auf ihr Glück zuzuführen.

Als Leser dürfen wir nun Dorle begleiten, wie sie als Ersatz für die sich auf Reise begebende Frau Sonne einspringt, deren Termine wahrnimmt sowie ihre Freunde trifft. Dorle betätigt sich in Bereichen, die sie so bisher noch nicht kennengelernt hat. Sie darf in der Abwesenheit von Frau Sonne deren Wohnung benutzen und erhält zusätzlich einen großzügigen Obulus. Die zunächst naiv wirkende Dorle zeigt im Laufe der Zeit, dass sie durchaus in der Lage ist, sich ihre eigene Meinung zu bilden, doch sie zu äußern bleibt schwierig für sie.

Nur durch kurze Andeutungen der Autorin nimmt der Leser wahr, dass Dorle in ihrer Kindheit Schaden genommen hat. Auf ihre eigene Art versucht sie sich von diesen Erlebnissen zu distanzieren und bleibt aufmerksam, um nicht erneut an Körper und Seele verwundet zu werden. Schnell konnte sie mir sympathisch werden und ich hatte Verständnis für ihr Verhalten. Susann Rehlein schildert uns ideenreiche Aufgaben, die Frau Sonne an ihren Schützling stellt. An zwei Stellen, an denen Dorle glaubt an einem Wendepunkt angekommen zu sein, wird der Erzählfluss von der Autorin unterbrochen, die sich direkt mit einem kurzen Statement an den Leser wendet.  Das fand ich ungewöhnlich und es hat mir gefallen.

Die Charaktere im Buch, von denen alle bis auf Joe über reichlichst Lebenserfahrung aufgrund ihres Alters verfügen, sind schrullig und kontrastreich. Nicht jeder meint es gut mit Dorle, einige handeln gedankenlos, andere üben konstruktive Kritik mit der die Protagonistin lernen muss, zurecht zu kommen. Erwähnenswert ist vor allem Frau Schräubchen, die allein schon durch ihr Äußeres auffällt und ihr Herz auf der Zunge trägt, dabei aber in ihren Handlungen den Leser überrascht. Die Erzählung entwickelt ihren ganz eigenen Charme, manchmal möchte man selbst die Protagonistin in den Arm nehmen, manchmal aber auch wachrütteln und Mut zum Handeln zu sprechen.

„Die erstaunliche Wirkung von Glück“ ist ein Roman, der dazu auffordert Neues auszuprobieren, sich von den seelischen Verletzungen in der Vergangenheit zu lösen und Stück für Stück Fähigkeiten zu entdecken, die Freude machen - nicht nur sich selbst, sondern auch jemand anderem. Ich kann das Buch jedem zum Lesen empfehlen.

Sonntag, 29. November 2015

[Rezension Hanna] Throne of Glass: Erbin des Feuers - Sarah J. Maas



Inhalt

Celaena Sardothien wurde vom König Ardalans nach Wendlyn geschickt mit dem Auftrag, dort den König samt Erben zu ermorden. Doch daran denkt Celaena nach ihrer Ankunft nicht im Traum. Sie will ihre Reise stattdessen nutzen, um mehr über die Macht des Königs und die Wyrdschlüssel herauszufinden. Celaena hofft, dass ihr hier die mächtige Fae-Königin Maeve weiterhelfen kann. Doch diese will, dass Celaena ihre Fähigkeiten als Halb-Fae trainiert, bevor sie Auskunft gibt. Welche Kräfte schlummern wirklich in ihr?

In Ardalan versucht Chaol unterdessen einen Weg zu finden, um Celaena und Dorian zu unterstützen. Dabei findet er unverhofft Verbündete und kommt allmählich einem der größten Geheimnisse des Königs auf die Spur. Unterdessen braut sich in der Feriansschlucht etwas zusammen: Die grausamen Hexen Ardalans sollen sich mit vom König gezüchteten Wesen wieder in die Lüfte erheben.

Meinung
Nach einem grandiosen zweiten Teil der „Throne of Glass“-Reihe habe ich mich riesig auf den nächsten Teil gefreut. Nach anderthalb Jahren des Wartens ging es für mich nun endlich weiter. Leider werden die Bücher nun nur noch als Taschenbücher mit neuem, ans englische Original angelehntem Cover verlegt und passen damit nicht mehr zu meinen Hardcover-Ausgaben. Aber immerhin geht es überhaupt weiter. Voller Vorfreude begab ich mich also zwischen die Seiten und betrat an der Seite Celaenas zum ersten Mal den Boden von Wendlyn.

Auf das Wendlyn der Menschen erhascht man nur einen kurzen Blick, bevor Celaena von einem Boten Maeves abgeholt wird und sich mit ihm in die Berge begibt. In einer Festung der Halb-Fae soll sie ihre Fähigkeiten trainieren. Hier lernt man als Leser eine ganz neue Seite an Celaena kennen. Bislang spielten magische Fähigkeiten in der Reihe eine nur untergeordnete Rolle, da sie in Ardalan nicht mehr gewirkt werden kann. Doch das gilt nicht für Wendlyn, und so erlebt man als Leser nun frei gewirkte Magie.

Der Leser begleitet Celaena dabei, ihre eigenen magischen Fähigkeiten kennen und kontrollieren zu lernen. Das bringt Celaena auch dazu, sich stärker mit ihrer eigentlichen Identität auseinanderzusetzen, die sie jahrelang in sich begraben hat. Ich ging mit ihr durch Höhen und Tiefen und konnte ihren Frust, ihre Skepsis und ihr Zögern gut nachvollziehen. Ich habe mit ihr gelitten, als sie erlaubt, dass immer mehr ihrer Erinnerungen zurück an die Oberfläche drängen und mich gefreut als sie endlich beweisen kann, welche ungeahnte Kraft in ihr steckt. Sie und ihr Trainer sind wortwörtlich wie Feuer und Wind und die sarkastischen Auseinandersetzungen der beiden sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente.

Die Beschreibungen von Celaenas Zeit in der Festung der Halb-Fae haben mir in diesem Buch am Besten gefallen, auch wenn die Schilderungen recht ausführlich waren und es im Mittelteil ein paar Längen gab. Doch auch in Ardalan passiert in der Zwischenzeit so einiges. In Rifthold kämpfen Chaol und Dorian sich durch ein dichtes Netz aus Intrigen. Chaol setzt alles daran, um Geheimnissen auf die Spur zu kommen und macht wichtige Entdeckungen, welche sich sicherlich noch als hilfreich erweisen werden.

Als neuer Charakter wird die böse Ironteeth-Hexe Manon in die Geschichte eingeführt, aus deren Sicht man erfährt, was in der Feriansschlucht vor sich geht. Hier ist es der Autorin gelungen, mir die eigentlich verabscheuenswürdige Gestalt, die sich am liebsten von Menschen ernährt, näher zu bringen, sodass ich schließlich mit ihr um ein Gelingen ihrer Pläne gefiebert habe.

Fazit
Der dritte Teil der Reihe beschäftigt sich stärker mit Magie als seine Vorgänger. Gleichzeitig bewegt sich etwas in Ardalan. Rebellen bringen sich in Position, während der König alles daran setzt, seine Macht weiter zu stärken. Durch die drei verschiedenen Handlungsorte – Wendlyn, Rifthold und die Feriansschlucht – erhält man als Leser einen guten Überblick über das Geschehen. Die Autorin legt besonderen Wert darauf, die persönliche Entwicklung der Charaktere ausführlich zu beschreiebn. Für mich hätten die ersten beiden Buchdrittel noch straffer und temporeicher sein dürfen. Insgesamt hat mich die Reihe erneut begeistern können und die Entwicklungen der letzten Seiten haben mich mehr als neugierig auf den vierten Teil gemacht. Für Fans der Reihe ist es Pflicht, auch diesen dritten Teil zu lesen!

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Titel: Throne of Glass: Erbin des Feuers
Autorin: Sarah J. Maas
Übersetzerin: Ilse Layer
Taschenbuch: 656 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2015
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
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Freitag, 27. November 2015

[Rezension Hanna] Das Fundbüro der Wünsche - Caroline Wallace


Inhalt
Liverpool, 1976: Seit Martha Lost denken kann, weiß sie, dass sie der Liver Bird vom Lime-Street-Bahnhof in Liverpool ist: Würde sie den Bahnhof verlassen, dann würde er sofort einstürzen. Deshalb lebt und arbeitet Martha von klein auf im Fundbüro des Bahnhofs, der von der Frau betrieben wird, die Martha Mutter nennt. Der Frau, die Martha aufgenommen hat, als sie als Baby bei ihr wie ein Fundgegenstand abgegeben wurde und der sie seit sechzehn Jahren ausgeliefert ist. Martha hat sich mit ihrer kleinen Bahnhofswelt und dessen Bewohnern und Besuchern wie der Cafébesitzerin Elisabeth, dem römischen Legionär und dem Postboten Drac arrangiert. Bis ein Brief und ein unerwartetes Ereignis Martha dazu zwingen, sich der Frage zu stellen, wer sie eigentlich ist. Ist Martha bereit für die Antwort?

Meinung
In „Das Fundbüro der Wünsche“ habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Das Cover signalisiert Leichtigkeit und ein Über-sich-hinauswachsen. Die Koffer spielen auf die Geschichte von Marthas Ankunft am Bahnhof an. Und das Mädchen auf dem Cover kommt meiner Vorstellung der sechzehnjährigen Martha nahe. Dass diese eine ganz und gar ungewöhnliche Protagonistin ist wird schon auf der ersten Seite der Geschichte klar, denn Martha bewegt sich am liebsten in Pirouetten fort. Auch die Tatsache, dass sie den Bahnhof noch nie verlassen hat, ließ mich neugierig darauf werden, was für ein Mensch sie unter diesen Bedingungen geworden ist.

Martha ist ein durch und durch liebenswerter Mensch. Ich hätte sie gerne umarmt und vor all dem Bösen da draußen beschützt. Ihre Adoptivmutter ist ein echtes Ungeheuer und hat so manches mit den bösen Königinnen aus Märchen gemein. Martha hat gelernt, ihre Grausamkeiten nicht an sich heranzulassen. Dennoch haben ihre Lebensumstände sie tief geprägt und aus ihr ein zerbrechliches Wesen gemacht, das stets an das Gute im Menschen glaubt. Als Martha gezwungen wird, die ihr bekannte Routine zu durchbrechen, bangte ich mit, dass sie einen für sich passenden Weg finden wird.

Diese Geschichte lebt von ungewöhnlichen Charakteren, und so lernt Martha bald den römischen Legionär, den Mann aus den Tunneln und die flippige Cafébesitzerin besser kennen. Ich habe jeden Moment mit diesen besonderen Charakteren genossen, die andere wohl als gesellschaftliche Außenseiter bezeichnen würden, denn sie sind erfrischend anders und haben sich damit arrangiert. Sie alle geben Marta Kraft, unterstützen sie und helfen ihr dabei, selbstbewusster zu werden und sich der Welt zu stellen. Hier hat Martha einen langen Weg vor sich und ich bin diesen gern mit ihr gegangen.

Die Kapitel werden immer wieder unterbrochen von Marthas Dialog mit einem geheimnisvollen Briefeschreiber und Kolumnen beziehungsweise Briefen rund um den verschollenen Koffer eines stadtbekannten ehemaligen Roadies der Beatles. Die beiden Themen treiben die Handlung voran, schufen einen regenbogenfarbenen Spannungsbogen und sorgten dafür, dass ich unbedingt weiterlesen musste. Für mich eine perfekte Geschichte, vom märchenhaften Anfang bis zum wunderschönen, rührenden Ende.

Fazit
„Das Fundbüro der Wünsche“ ist eine Geschichte, bei der es mir schwer fällt, die richtigen Worte zu finden. Die wundersame Martha und ihre Freunde muss man einfach selbst kennenlernen, um ihre Besonderheit zu begreifen und nachzuvollziehen, wie anders die Welt aus ihrer Perspektive aussieht. Gebt diesem wundervollen Debüt unbedingt eine Chance und lasst Martha auch euer Leserherz erobern. Für mich ist „Das Fundbüro der Wünsche“ das liebenswerteste Buch des Jahres!

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Titel: Das Fundbüro der Wünsche
Autor: Caroline Wallace
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
Klappenbroschur: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 27. November 2015
Verlag: Rowohlt Polaris
Handlungszeit: 1976
Handlungsort: Liverpool
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Donnerstag, 26. November 2015

[Rezension Ingrid] S.K. Tremayne - Eisige Schwestern

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Titel: Eisige Schwestern
Autor: S.K. Tremayne
Übersetzerin: Susanne Wallbaum
Erscheinungsdatum: 04.05.2015
Verlag: Knaur Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur
Handlungsort: London und Eilean Torran (Insel der schottischen Hybriden)
                                             Handlungszeit: Gegenwart


Vor einem Jahr ist etwas Schreckliches geschehen. Eines der eineiigen sechsjährigen Zwillinge der Familie Moorcroft ist vom Balkon im Haus der Großeltern gefallen und an den Folgen des Sturzes gestorben. Das ist der Hintergrund des Psychothrillers „Eisige Schwestern“ von S.K. Tremayne. Das tragische Ereignis, das inzwischen ein Jahr zurückliegt, hat den Eltern sehr viel abverlangt. Der Umzug auf eine einsame Insel der schottischen Hybriden, die der Großmutter des Vaters, dem Architekten Angus Moorcroft gehörte, soll ein neuer Anfang für die kleine Familie sein.

Schon seit geraumer Zeit zeigt der verstörte überlebende Zwilling seltsame Veränderungen. Hand in Hand ist sie mit ihrer Schwester gegangen, in der Zeit vor dem Unfall gerne gleich gekleidet wie auf dem Cover. Aufgrund ihrer eisblauen Augen und dem weißblonden Haar hatten sie den Kosenamen „Eisige Schwestern“.  Sie bildeten eine Einheit, haben sich oft in ihrer eigenen Zwillingssprache unterhalten und die Scherze des jeweils anderen nahtlos fortgesetzt.

Doch charakterlich gab es kleine Unterschiede. Und nun verhält sich Kristie nicht mehr wie sie selbst, lacht wie Lydia, ist ruhig wie Lydia und irgendwann behauptet sie Lydia zu sein. Sarah weiß, dass sie ihre Kinder vom Äußeren her nicht unterscheiden konnte, sondern nur an ihren ganz eigenen Verhaltensweisen. Doch jetzt ist sie total verwirrt, denn sie fragt sich, welchen Zwilling denn tatsächlich gestorben ist und welchen sie demzufolge vor sich hat. Auch ihr Mann ist ihr keine Hilfe. Sie beobachtet ihre Tochter umso intensiver, desto beharrlicher diese behauptet, der eigentlich verstorbene Zwilling zu sein. Sarahs nervliche Anspannung nimmt zu, Kleinigkeiten werden zum Stein des Anstoßes und irgendwo liegt in ihr ein verdrängter Gedanke verborgen, der für sie nicht richtig fassbar wird, von dem sie aber selber spürt, dass er das tragische Geschehen erklären könnte.

Die Geschichte baut im Laufe der Zeit eine zunehmend beklemmende Spannung auf. Auch die trostlose Umgebung der einsamen Insel trägt dazu einen Teil bei. Die beiden Protagonisten Angus und Sarah konnten mir leider nicht richtig sympathisch werden, weil immer mehr ihrer kleinen Geheimnisse ans Licht kommen, die Schatten auf ihre Ehe werfen. Das äußere gute Verhältnis deckt unausgesprochene Konflikte zu.

Die meisten Kapitel sind in der Ich-Form aus der Sicht von Sarah erzählt. Scheinbar belanglosen Schilderungen aus ihrem Alltag werden unterbrochen von ihren Gedanken nach der Suche einer Lösung zum Feststellen der Identität ihrer Tochter, während Kristies Verhalten - oder ist es Lydias – immer auffälliger wird. Sie beginnt ihre Rolle als Mutter zu hinterfragen. Hilflos muss sie mit ansehen, wie ihre Tochter sich immer mehr zurückzieht und anscheinend selber nicht mehr weiß wer sie ist. Gleichzeitig fokussiert die Geschichte auch immer mal wieder Angus, allerdings aus einer allwissenden Erzählerperspektive. Dadurch erhält der Leser einige Male einen unterschiedlichen Blick und verschiedene Ansichten auf die gleiche Situation. Es wird ihm dadurch bis zum Schluss aber nicht leichter gemacht sich selbst eine Meinung über den Unfallhergang zu bilden. Das Ende überrascht, auch weil ein Schuss Mystik in die Szenerie eingefügt ist.

Ein gelungener Psychothriller, mit einem ungewöhnlichen Thema, den ich Lesern des Genres gerne empfehle.
Hanna hat das Buch bereits gelesen. Wie es ihr gefallen hat, erfahrt ihr hier: KLICK!

Dienstag, 24. November 2015

[Lesungsbericht Ingrid] Sebastian Fitzek liest aus "Das Joshua-Profil"


Die Karten zur Lesung hatte ich bereits im August gekauft. Am vergangenen Mittwoch war es dann endlich so weit: Sebastian Fitzek las bei der Mayerschen Buchhandlung in Köln. Gemeinsam mit meinem Mann war ich schon zwei Stunden vorher in Köln. Die Zeit bis zur Lesung haben wir dann genutzt um in einem typisch Kölschen Restaurant etwas zu essen und anschließend noch ein wenig zu shoppen. Eine halbe Stunde vor Beginn sind wir dann in die 2. Etage der Mayersche mittels Rolltreppe gefahren. Bereits über die Hälfte der Plätze war besetzt. 380 Karten sind verkauft worden, also war noch genügend Platz. Außerdem hat die Mayersche links und rechts in gewissem Abstand jeweils zwei Fernseher hoch aufgehängt, die das Bild des Lesungstischs eingefangen haben. Ich fand dies eine gute Idee.


Nach der Begrüßung durch einen Mitarbeiter begann die ausverkaufte Lesung nahezu pünktlich. Zunächst äußerte der Autor seine Freude über die vielen Zuhörer, da er auch schon vor sehr viel weniger – sprich 5 - gelesen hat, und das zu einer Zeit als sein Buch das „Amokspiel“ schon auf der Bestsellerliste stand. Sebastian Fitzek ist ein charmanter Plauderer und so hat er im Laufe des Abends lediglich drei kurze Ausschnitte aus „Das Joshua-Profil“ vorgelesen, hauptsächlich hat er jedoch aus dem „Nähkästchen“ geplaudert. Nach einer Charakterisierung seines Protagonisten Max Rhode nannte er verschiedene Gemeinsamkeiten zwischen sich und seinem erfundenen Hauptdarsteller, einem erfolglosen Schriftsteller. Themen seiner kurzen Geschichten war nicht nur sein Alltag als Thrillerautor, sondern auch Anekdoten aus der Zusammenarbeit mit Kollegen wie beispielsweise Michael Tsokos. Außerdem erzählte er, dass ihm auch schon mal Ideen zu einer Komödie kommen. Aber jedes Mal wenn er die Situation dann zu Papier bringen möchte, schmücken seine Gedanken die Szene derart aus, das sich schließlich wieder eine beklemmende Situation ergibt und schon ist er wieder beim Psychothriller.



Neben „Das Joshua-Profil“ hat er unter dem Pseudonym Max Rhode (so heißt der Protagonist), hat er das Buch „Die Blutschule“ veröffentlicht. Dazu ist es gekommen, weil Sebastian Fitzek sich in seinen Hauptcharakter auf die beste Art und Weise hineinversetzen wollte. Daher hat er begonnen das Buch in der Rolle des Max Rhode zu schreiben, zunächst nur den Beginn, aber es später hat es es fertig gestellt. „Die Blutschule“ ist der einzige Bestseller, den der fiktive Max Rhode je geschrieben hat. Zum Verständnis von „Das Joshua-Profil“  muss man „Die Blutschule“ nicht gelesen haben. Ich fand das sehr gut, dass der Autor das kurz erklärt hat. Zum Ende der Lesung hin, las Sebastian Fitzek dann noch eine kurze Passage aus eben jenem Buch seines erfundenen Charakters.


Die Lesung dauerte ungefähr zwei Stunden, die im Fluge vergingen. Gerne war der Autor noch bereit, für alle Anwesenden alles was man ihm vorlegte zu signieren. Da ich strategisch günstig außen rechts saß, war ich eine der ersten am Signiertisch und habe die Gunst der Stunde genutzt, um nicht nur das Buch „Das Joshua-Profil“ sondern auch unser Blog-Signierbuch von Sebastian Fitzek signieren zu lassen. Ganz herzlichen Dank an den Autor und an meinen Bloggerkollegen Philipp von Bookwalk, der in der Nähe stand und schnell noch ein Foto von mir und dem Autor gemacht hat. Es war ein gelungener, amüsanter Abend!

Eure Ingrid

(Fotos: 1x Philip Aschermann, 2x Ingrid Eßer)