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Freitag, 5. Februar 2016

[Rezension Ingrid] Clara Sternberg - Auch morgen werden Rosen blühen


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Titel: Auch morgen werden Rosen blühen
Autorin: Clara Sternberg
Erscheinungsdatum: 14.01.2016
Verlag: Aufbau Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch

Alma ist Mitte 50, Single und führt mit ihrer besten Freundin Regine eine kleine Physiotherapiepraxis. Auf einer Grillparty lernt sie Bernhard, den neuen Kollegen von Regines Mann kennen. Sie fühlt sich direkt wohl in seiner Nähe und er bekundet, dass es ihm genauso gehen würde. Auch weitere Treffen verlaufen sehr harmonisch und langsam entwickelt sich mehr aus der Freundschaft. So beginnt der Roman „Auch morgen werden Rosen blühen“ von Clara Sternberg. Doch so heiter beschwingt, wie auch das Cover erscheint, setzt sich der Roman leider nicht fort.

Denn die harmonische Welt von Alma wird jäh gestört, als sie in der Praxis plötzlich zusammenbricht und auf der Intensivstation aufwacht. Ihr Herz war stehengeblieben, sie wurde reanimiert. Währenddessen hatte sie einen Traum von einem erfüllten Leben an der Seite ihres Verlobten, von dem sie sich vor dreißig Jahren getrennt hat, als dieser nach Australien ausgewandert ist. Alma kann zwar recht schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen, doch ihre Gefühle sind im Aufruhr. Wie lange wird ihr Herz noch schlagen? Kann sie überhaupt dem verwitweten Bernhard ein Leben an ihrer Seite anbieten, wenn dieses nur kurz sein wird? Und was ist eigentlich mit ihrem Traum, der sich irgendwie richtig anfühlte?

Für Alma hat sich ihr Leben nach ihrem Zusammenbruch gefühlsmäßig komplett verändert. Sie hat am eigenen Leib gespürt, wie wertvoll Leben ist. Eventuell bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Also gilt es daraus das Beste zu machen. Lebe den Tag! Aber worauf kommt es an? An welchen Stellen hat sie sich in der Vergangenheit falsch entschieden? Hätte, wäre …  diese Fragen gehen ihr im Kopf herum. Außerdem ist da dieser Traum und die Vorstellung von einer Wunschfamilie. Ob sie den Traum wohl in die Wirklichkeit holen kann? Eigentlich ist sie keine unrealistische Person und ihr ist überaus klar, dass sie in ihrem Alter die Zeit nicht zurückdrehen kann. Aber als sie Kontakt zu Max, ihrem Ex-Verlobten aufnimmt, stellen sich bei ihr wieder gewisse Gefühle ein. Erst die Auseinandersetzung mit ihrer verflossenen Liebe macht den Weg frei für ihre Zukunft.

Zum Glück hat Alma langjährige, sehr gute Freunde, die sie während ihrer Krankheit und danach nicht allein lassen. So wird sie in ihrem Gefühlschaos immer wieder sanft aufgefangen, manchmal trägt aber auch ein offenes, ehrliches Wort dazu bei, sie auf den richtigen Pfad zu bringen. Genauso ist sie aber auch für ihre Freunde da und steht gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

Clara Sternberg schafft mit ihren liebevoll gestalteten, sympathischen Charakteren ein Buch voller Herzenswärme, Freundschaft und Zuneigung trotz einiger Enttäuschungen. Die bittere Erfahrung, die Alma macht, führt zu der Erkenntnis, sein Leben deswegen nicht aufzugeben und sich im Glashaus zu verkriechen, denn jedem kann jederzeit etwas Furchtbares zustoßen.

„Leben ist immer lebensgefährlich. Es könnte jederzeit jeden von uns treffen. (S. 128)“. Dieses Motto nimmt man mit aus dem wunderbaren Roman, dem man von außen den Tiefgang kaum ansieht. Erwähnenswert sind auch die schönen Settings mitten in Berlin, die die Autorin für ihr Buch ausgesucht hat und den Leser immer wieder mit ins Grüne nehmen. Ein Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle, vor allem an reifere Leser.