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Sonntag, 3. April 2016

[Rezension Ingrid] Der Krieg im Garten des Königs der Toten von Sascha Macht


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Titel: Der Krieg im Garten des Königs der Toten
Autor: Sascha Macht
Erscheinungsdatum: 15.02.2016
Verlag: Dumont Verlag 
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Bruno Hildalgo, 17 Jahre alt, lebt auf einer Insel, die sich erst vor ungefähr 70 Jahren aus dem Ozean erhoben hat. Seine Eltern gehörten einer New-Age-Gruppe an und gründeten gemeinsam mit Gleichgesinnten am Ende der 1980er Jahre am Rand der großen Savanne das kleine Dorf Kajagoogoo (die 1980er Popwelt lässt grüßen) um sich den ständigen Wechseln in den politischen Machtverhältnissen zu entziehen. Vor mehr als einem Jahr sind Brunos Eltern über Nacht verschwunden. In der Folgezeit beschäftigt er sich mit dem aktuellen Tagesgeschehen. Sein großes Hobby ist das Filmen. Ein Bekannter von ihm schenkt beziehungsweise verkauft ihm Videokassetten mit Horrorfilmen, die er anderweitig in seinem Geschäft nicht verwenden kann. So wird Bruno zum Fan des Genres. Eines Tages begegnet er einer Familie, die in die Hauptstadt der Insel zu den Republikanischen Filmfestspielen reist. Fortan wächst bei Bruno der Wunsch es ihnen gleichzutun und er macht sich mit einer Tasche voller Horrorfilme auf den Weg.  

Ob er dort ankommen wird, erfährt der Leser im Buch „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“, dem Debütroman von Sascha Macht. So bunt illustriert wie das Cover ist auch der Inhalt des Buchs. Hier sei noch verraten, dass sich auch unter dem Schutzumschlag ein dekoratives Buch verbirgt. Mit einer überbordenden Fantasie erzählt der Autor die aberwitzigsten Szenen. Der Schreibstil lässt sich durchgehend flüssig lesen. Dem Erzählstrang hinterher zu kommen, erfordert jedoch eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesers.

Bruno erzählt seine Geschichte in der Ich-Form. Der Leser verfolgt seine jugendliche Wahrnehmung in vielen Dingen. Seine Gedanken ziehen oftmals Parallelen zu Horrorfilmen, die er gesehen hat und hin und wieder driftet er dadurch in eine Traumwelt ab. Sein Bekanntenkreis ist klein. Doch immer wieder begegnet er Personen, die ohne erkennbaren Grund plötzlich da sind, manchmal verschwinden Figuren auch einfach so. Natürlich interessiert Bruno sich dafür, wie und warum sie plötzlich in sein Umfeld geraten sind oder wieder fortgehen. Manchmal gibt es dafür vom Autor aber bewusst keine Erklärung und der Leser kann sich die Lücke nach eigener Vorstellung gestalten.

Im Roman gibt es kaum etwas, was themenmäßig nicht ausgefüllt wird. Brunos Welt ist bunt und facettenreich, von der alltäglichen Lebensweise über politische Gesinnungen hin zu Liebe und Machtspielen. Manches Mal nimmt er kein Blatt vor den Mund ohne jedoch vulgär zu wirken. Seit seine Eltern verschwunden sind hat er gelernt, für sich selbst zu sorgen. Als er sich auf seine Reise begibt, beginnt für ihn ein wichtiger Lernprozess, wem er sein Vertrauen schenken kann. Freude und Enttäuschung liegen für ihn nahe beieinander, während um ihn herum verschiedene politische Gruppierungen der Inselbewohner um ihre Vormachtstellung kämpfen.

Brunos Anliegen ist es, mit der Kunstform des Horrorfilms den Menschen Hoffnung auf eine Zukunft zu geben. Obwohl sich die Umgebung in der er aufwächst im Laufe der Zeit als unbeständig erweist und ihn eigentlich verzweifeln lassen sollte, stellt er sich seinem Schicksal mit stoischem Eigensinn und mutig entgegen.

In den ungewöhnlichen Charakteren die der Autor schafft, glaubt man so manche bekannte Persönlichkeit und seine Handlungsweise ansatzweise zu erkennen oder auch nicht. Die Gedankenwelt Brunos ist teils so bizarr, die Situationen so ungewöhnlich und verdreht, dass sie den Leser auch erheitern und amüsieren. Man muss sich hierauf einlassen können und jedem wird die Geschichte nicht gefallen. Ich habe dieses wortgewandte und bildhafte Debüt gerne gelesen und empfehle es gerne an interessierte Leser ungewöhnlicher Romane weiter.