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Donnerstag, 16. Juni 2016

[Rezension Ingrid] Die Witwe von Fiona Barton


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Titel: Die Witwe
Autorin: Fiona Barton
Übersetzerin: Sabine Längsfeld
Erscheinungsdatum: 27.05.2016
Verlag: Wunderlich 
rezensierte Buchausgabe: Klappbroschur (Leseexemplar)


„Die Witwe“ ist der Debütroman der Engländerin Fiona Barton. Die titelgebende Figur ist eine der Protagonisten in diesem Buch. Jean Taylor erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form. Sie ist die Witwe von Glen, dem vorgeworfen wurde, ein kleines Mädchen entführt und eventuell missbraucht zu haben. Die Frage stellt sich, inwieweit Jean über die Aktivitäten ihres Mannes Bescheid weiß. Bisher hat sie vorbehaltlos zu ihm gestanden. Wie viel weiß sie über die Geschehnisse und wird sie nach Glens Tod die stets von ihm geleugnete Tat aufklären?

Zahlreiche Szenenwechsel fokussieren drei weitere Personen, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Roman spielen. Zum einen ist es die Journalistin Kate Waters, die für ihre Zeitung eine Topstory wittert und diese exklusiv haben möchte. Detective Bob Sparkes ist versessen darauf, den Fall aufzuklären, mit Glen Taylor als Täter. Schließlich spielt auch die Mutter der verschwundenen Bella eine große Rolle. Trifft sie eine Schuld am Verschwinden ihrer Tochter? Vertuscht ihre Verzweiflung nur ihre Unaufmerksamkeit ihrer Tochter gegenüber während der Zeit der Tat? Die Kapitel wechseln zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, die vier Jahre vorher beginnt und dann kontinuierlich fortgeführt wird. Jedes Kapitel ist mit dem entsprechenden Datum übertitelt, so dass man direkt weiß, in welcher Zeit man sich befindet.

Jean Taylor ist fast zwanzig Jahre mit ihrem Mann verheiratet, als dieser von der Polizei in Bezug auf den Fall Bella verdächtigt wird. Die beiden haben sich lange ein Kind gewünscht, doch Glen war nicht bereit weitere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Die ihrem Mann ergebene, die Dinge manchmal naiv betrachtende Jean zieht es überhaupt nicht in Erwägung, dass Glen einem Kind etwas angetan haben könnte. Seit der Verdächtigung spielt sie eine Nebenrolle in den Ermittlungen, gerät aber ins Fadenkreuz als ihr Ehemann bei einem Unfall direkt neben ihr auf der Straße stirbt. Die Autorin, die selbst als Gerichtsreporterin tätig war, spiegelt ihre eigenen Beobachtungen im Gerichtssaal in dieser Figur wieder. Fiona Barton beschäftigte immer wieder die Frage, wie viel eine Ehefrau über das Verbrechen ihres Mannes wissen kann. Die geschilderten Szenen im Prozess wirken authentisch, das Verhalten und die Interaktion der Personen realistisch.

Auch die Ausarbeitung der übrigen Charaktere ist sehr gut gelungen, einzig die Verbissenheit von Detective Sparkes ist leicht übertrieben. Die stockenden Ermittlungen übertragen sich auf die Handlung, so dass es beim Fortschreiten der Geschichte in der Mitte des Buches zu einer leichten Länge kommt. Neben den spannenden Ermittlungen und dem interessanten Ablauf eines Prozesses erfährt der Leser ebenfalls wie es gelingt, an eine Títelstory zu gelangen. Kate Waters hat sich über die Jahre ihrer journalistischen Tätigkeit gewisse Eigenschaften angeeignet allen voran Freundlichkeit, besondere Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Preisgabe kleiner Details aus ihrem Privatleben, die sie dazu einsetzt, die zu Interviewenden für sich einzunehmen. Sie sollen ihr gegenüber den Kollegen einen Vorteil bringen.

Fiona Barton konnte mich mit ihrem Roman fesseln und zum Mitfiebern bewegen. Bis Detective Sparkes den Fall aufklärt, wusste auch ich nicht Bescheid, was tatsächlich mit Bella passiert ist. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für dieses gelungen Debüt.