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Mittwoch, 15. Februar 2017

Buchige Plaudereien zu Büchern aus den 1970er/80ern



Teil 1: Schullektüre im Deutsch- und Literaturunterricht

Erinnert ihr euch eigentlich noch an die Lektüre, die ihr in jungen Jahren gelesen habt? Also nicht als Kleinkind oder in der Grundschule, sondern in eurer Teenagerzeit? Einige von euch sind vielleicht noch in dem Alter oder haben es gerade hinter sich gelassen, aber für mich ist diese Zeit bereits über 30 Jahre her.

Im folgenden möchte ich euch ein wenig über meine Beziehung zu Büchern und Literatur allgemein in meiner Jugend erzählen. Wichtig in dieser Zeit waren meine Lektüren, die mir durch meine Deutschlehrer und später auch vom Schulrektor, mit dem ich Unterricht in Literatur hatte, vorgegeben wurden. Eigentlich unterscheiden sie sich kaum von den Büchern, die heute in Deutsch oder Literatur gelesen werden. Mir gibt es das Gefühl, dass gute Literatur weiterhin alle Zeiten überleben wird. Weil wir eine ganze Weile mit jedem Buch beschäftigt waren, habe ich mich jedem Text auch intensiv gewidmet und so zu dem ein oder anderen Buch eine ganz besondere Beziehung entwickelt.

In der Unter- und Mittelstufe hat mein Deutschlehrer mit uns neben Rechtschreibung, Grammatik, Textinterpretation und später – analyse auch noch das Vorlesen geübt. Natürlich habe ich mich hierzu gerne gemeldet und wurde auch gerne drangenommen. Aber unser Lehrer war fair und jeder musst mal vorlesen, auch die die nicht wollten 😊 Einige Bücher, die wir in der Oberstufe im Gymnasium gelesen haben, sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Zum einen ist es „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch, nicht nur weil ich eine meiner besten Deutschklausuren dazu geschrieben habe, sondern weil der Autor verstorben ist, nachdem unser Lehrer es im Klassensatz für uns im Februar 1980 bestellt hat. Ihr werdet doch da jetzt nicht einen Zusammenhang sehen ... 😉



„Kaspar“ von Peter Handke mochte ich dagegen überhaupt nicht. Die Geschichte des Findelkindes Kaspar Hauser war mir schon vor der Lektüre geläufig, aber mit dem Text konnte ich wenig anfangen. Hat aber meiner Note nicht weiter geschadet. „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt habe ich sehr gerne gelesen und ein kleiner Vortrag vor der Klasse zu einem ausgearbeiteten Thema zum Buch ist gut angekommen. In der Regel habe ich keine Probleme damit, vor einer Menge Leute zu reden, Hauptsache ich habe was Schriftliches zum Festhalten in der Hand. 😀

Meine letzte Lektüre am Gymnasium im Grundkurs des Deutschunterrichts war „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Das Buch hat mich überhaupt nicht interessiert und das ging nicht nur mir so. Wir waren in einem recht kleinen Kurs mit ungefähr 18 Schülern und dann ist einer auf die Idee gekommen – ich schwöre, ich war es nicht 😁 – zwei Bücher zu nehmen und diese ineinander zu blättern. Kennt ihr das? Müsst ihr mal mit Taschenbüchern versuchen und diese anschließend auseinander ziehen. Sehr schwierig! Damit haben wir uns mehrere Wochen beschäftigt - wenige mit der Lektüre, die meisten mit dem Ineinanderblättern der Bücher. Wir hatten in diesem letzten Jahr einen sehr coolen Lehrer, der aber knallharte Noten vergeben hat und bei einigen von uns fehlte dann die Mitarbeit. Ach! Ja, dieser Kurs wurde mir dann beim Festlegen der für’s Abi zählenden Kurse gestrichen. Egal. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß. Die beiden 13er Deutschkurse hatte ich gewählt um mir die Option offen zu halten, in der Schweiz zu studieren - Ziel also erreicht!



Das Fach Literatur habe ich im Rahmen der Pflichtbelegung aus dem literarisch-künstlerischen Bereich belegt. Das Cusanus-Gymnasium in Erkelenz ist bis heute das zweitgrößte in Nordrhein-Westfalen mit etwas mehr als 1.700 Schülern. Daher kann man neben Kunst, Musik und Literatur auch Theater und Chor wählen. Anfang der 11 habe ich versuchsweise eine Doppelstunde Theater besucht, leider waren alle Rollen bereits vor den Ferien vergeben worden, damit die Texte über die Schulfreie Zeit auswendig gelernt werden konnten. Später habe ich festgestellt, dass ich in dieser Doppelstunde mit Jürgen Tarrach im Klassenzimmer gesessen habe, der die Hauptrolle in "Biedermann und die Brandstifter" spielte.

Eigentlich waren für unseren Literaturunterricht drei Lektüren geplant, gelesen haben wir dann "Ödipus" und "Iphigenie auf Tauris". Weil wir von unserem Rektor unterrichtet wurden, kam es häufiger vor, dass wir nicht über den jeweiligen Roman sprachen sondern über das aktuelle Geschehen in der Welt und an unserer Schule diskutierten. Das war für uns überaus interessant und hat unsere Argumentationsfähigkeit gefördert. Mein Rektor hatte für mich Vorbildcharakter und hat mir in einer Sache Mut gemacht, obwohl wir beide damals nicht ahnen konnten, dass sich seine Worte erst sehr viel später und auf andere Weise erfüllen würden.



Ursprünglich wollte ich euch hier auch zu Klassikern gewordene Bücher zeigen, die mir von meinen Klassenkameraden damals empfohlen worden sind oder zu denen mich die oben genannte Literatur „verführte“ einfach weil ich weiteres von einem bestimmten Autor lesen wollte oder doch zumindest etwas ähnliches. Das sind aber nochmal so viele Bücher – und nur die, die sich noch in meinem Regal befinden, jede Menge Bücher sind schon in Bücherschränken gelandet oder von mir eingetauscht worden – so dass ich sie euch in einem meiner nächsten Posts zum Thema vorstellen werde.

Welche Lektüren habt ihr im Schulunterricht gelesen oder welche lest ihr gerade?