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Samstag, 22. Juli 2017

[Rezension Hanna] Heartware - Jenny-Mai Nuyen


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Heartware
Autorin: Jenny-Mai Nuyen
Paperback: 416 Seiten
Erschienen am 21. Juli 2017
Verlag: Rowohlt Polaris

Inhalt
Adam Eli erhält eines Tages eine Mail, die für ihn alles verändert. Seit einiger Zeit schlägt er sich nach dem Abbruch diverser Studiengänge als Ghostwriter durch. Doch nun wird er aufgefordert, Will zu suchen. Ausgerechnet Will, die er vor neun Jahren in Bolivien kennen- und lieben lernte und von der er bis heute nicht weiß, ob sie ihn auf fatale Weise verraten hat. Er bleibt skeptisch und möchte erst einmal erfahren, warum sie überhaupt gesucht wird. Dazu führt ihn die Reise nach Dubai und mitten hinein in ein gefährliches Kräftemessen von einigen der mächtigsten Menschen der Welt mit einem ungewöhnlichen Gegner…

Meinung
Das Cover von „Heartware“ gefällt mir mit seiner mattgoldenen Schrift und den Hochhäusern, die aus Datenströmen zu bestehen scheinen, sehr gut. Das Internet spielt in der Geschichte eine große Rolle – das wird spätestens im Prolog klar, wo auf zwei Seiten vom Tag der Zerstörung des Internets berichtet wird. Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage wird erst einmal nicht beantwortet und neugierig startete ich in die Geschichte, die sieben Tage vor diesem Ereignis und mit Adam Eli beginnt.

Über Adam Eli erfährt der Leser gleich zu Beginn, dass er sich eine Zeit lang in bolivianischer Gefangenschaft befand, was zuerst gar nicht zu meinem ersten Eindruck des nerdigen Ghostwriters passte. Durch die Aufforderung, Will zu suchen, kommen bei ihm viele alte Erinnerungen hoch – er konnte sie neun Jahre lang nicht vergessen, obwohl er nicht einmal wusste, ob sie noch lebt. Im Gespräch mit seinem mysteriösen Auftraggeber erhält man eine ganz kurze Zusammenfassung von Elis Vergangenheit, die mir half, einen Überblick zu gewinnen.

Abwechselnd zu den Kapiteln aus Elis Perspektive gibt es Kapitel aus der Sicht von Mariel Marigny. Diese wurde damit beauftragt, Eli bei der Suche nach Will zu begleiten. In ihr steckt mehr als eine hübsche Reisebegleiterin, wie Eli zunächst denkt. Sie ist eine Hackerin, die pragmatisch denkt und bereit ist, Risiken einzugehen. Über sie selbst erfährt man wenig, sondern erhält durch ihre Augen vor allem einen Eindruck davon, wie Eli auf andere wirkt. Außerdem gibt es immer wieder Kapitel, die mit „Y“ übertitelt sind. In diesen begleitet man angebliche Interpol-Mitarbeiter bei der Jagd sowie eine Frau auf der Flucht und wird Zeuge von merkwürdigen Vorfällen im Netz. Während Eli und Marigny sich Will suchen enthalten diese eingestreuten Kapitel Hinweise darauf, worum es im Kern eigentlich bei all dem geht.

Eli und Marigny sind ein ungleiches Duo, das mir zusammen sehr gut gefallen hat. Die beiden trauen sich nicht über den Weg, müssen aber notgedrungen zusammenhalten und sich aus so manch brenzliger Situation retten. Aus Elis Perspektive erfährt man in dieser Zeit auch immer mehr über die gemeinsame Zeit mit Will, das mich verstehen ließ, warum er von dem Gedanken an sie nicht loskommen kann. Warum Will aber überhaupt gesucht wird, das bleibt lange unklar. Elis Auftraggeber behauptet lediglich, sie habe etwas gestohlen. Wie das die Vorkommnisse aus den Y-Kapiteln erklärt bleibt lange unklar, während der Fokus auf Elis Suche liegt. Auch wenn es immer wieder spannende Momente gab, hat sich diese für mich etwas hingezogen. Ich hätte mir früher mehr Erklärungen gewünscht. Auch die digitalen Ungereimtheiten und ihre Folgen hätten noch stärker thematisiert werden können.

Alle Ereignisse führen schließlich zum großen Moment der Enthüllung, der viele Fragen beantwortet und Erlebtes in neuem Licht erscheinen lässt. Ohne das Stichwort künstliche Intelligenz, das der Klappentext vorweg nimmt, hätte ich bis zu diesem Moment höchstens eine vage Vermutung gehabt, dass es sich um dieses Thema dreht. Die Dialoge rund ums Thema liefern viel Stoff zum Nachdenken, ob ein Szenario wie das Beschriebene möglich ist und ob man selbst das Thema eher als Chance oder Bedrohung sieht. Gleichzeitig wird es noch einmal richtig spannend und dramatisch, denn das Leben aller steht auf dem Spiel. Hier wurde das Potential der endlich voll ausgeschöpft und dem Leser ein starker Abschluss geboten.

Fazit
In „Heartware“ wird Adam Eli von einer einflussreichen Person aufgefordert, sich auf die Suche nach seiner alten Liebe Will zu machen, die neun Jahre zuvor verschwand und ihn vielleicht verraten hat. Die Suche wirft zunächst mehr Fragen auf, als sie beantwortet, während eingeschobene Y-Kapitel brisante Hinweise liefern, wie alles zusammenhängt. Ich hätte mir erste Antworten noch früher gewünscht. Die letzten Kapitel liefern schließlich Spannung und Aha-Erlebnis zugleich und runden das Buch gelungen ab. Ich kann Euch deshalb empfehlen, Euch selbst auf die Suche nach Will zu machen!