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Dienstag, 19. Juni 2018

[Kurzrezensionen Hanna] Drei Mal Literatur - Mütter, Kunst und Abenteuer

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch drei literarische Titel vorstellen, die mich sehr begeistert haben. Die ersten beiden Bücher habe ich aufgrund von Ingrids Empfehlung gelesen, das letzte war ein Spontankauf kurz vor Weihnachten. Während es die eine Protagonistin allmählich fort zieht, kehrt der andere nach Jahren in die Heimat zurück. Auf zu ganz neuen Ufern geht es im dritten Buch. Ist etwas interessantes für Euch dabei?



„Die Mütter“ - das ist im gleichnamigen Roman von Brit Bennett eine Gruppe älterer Frauen, die sich täglich in ihrer Kirche treffen, um für andere zu beten. In ihrer Stadt Oceanside geht so einiges vor sich. Ich tauchte ein in die Geschichte von Nadia: Ihre Mutter hat sich ein halbes Jahr zuvor umgebracht und ihr Vater ist mit der neuen Situation überfordert. Bald kann sie endlich die Stadt verlassen studieren gehen - wäre sie nicht von Luke schwanger, dem Sohn des Pastors. Sie entschließt sich zur Abtreibung und wird von Luke allein gelassen, was sie nie wird vergessen können. Die Autorin thematisiert gelungen das Thema Abtreibung und dessen emotionale Konsequenzen für alle Beteiligten. Es geht um Schuld, Liebe, Traumata, Neuanfänge und Gedanken an das, was hätte sein können. Die jungen Erwachsenen suchen nach einem Platz im Leben, still beobachtet und beurteilt von den „Müttern“. Es entsteht ein vertracktes Beziehungsgeflecht, bei dem Versuche, das eigene Leid vorübergehend zu lindern, nur neuen Schmerz auslösen. Ein nachdenklicher und bedrückender Roman, der mich fesseln konnte und den ich gerne weiterempfehle.

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Die Mütter
Autorin: Brit Bennett
Übersetzer: Robin Detje
Hardcover: 320 Seiten
(rezensierte Ausgabe: Leseexemplar)
Erscheinungsdatum: 24. April 2018

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In „Leinsee“ von Anne Reinecke begleitet der Leser den Protagonisten Karl von Berlin zurück in die titelgebende Heimat, wo die Mutter schwer krank ist und der Vater sich das Leben genommen hat. Im Leben seiner berühmten Künstler-Eltern war nie wirklich Platz für ihn. Jetzt wird er im leeren Elternhaus von Erinnerungen eingeholt und muss sich entscheiden, wie er weitermachen will. So recht will er noch nicht zurück nach Berlin zu Mara und der städtischen Kunstszene, die ihn für seine Vakuumkunst bewundert. In Leinsee entsteht eine besondere Freundschaft zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft, das sich immer wieder in seinen Garten schleicht und dem er bald kleine Geschenke hinterlässt. Besonders gut gefallen hat mir die bildhafte Sprache der Autorin sowie die kreativen Überschriften, die Karls Gefühlsleben farblich wiederspiegeln. Ein absolut gelungener Roman über Entwicklung und Erinnerungen, Erwachsenwerden und Wieder Kind sein wollen sowie der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt.
  
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Titel: Leinsee
Autorin: Anne Reinecke
Hardcover Leinen: 368 Seiten 
Erscheinungsdatum: 28. Februar 2018

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„Euphoria“ von Lily King nimmt den Leser mit ins Neuguinea zu Beginn der 1930er Jahre, wo das Ethnologen-Ehepaar Nell und Fen gerade einen Stamm vorzeitig verlassen hat und die Rückreise nach Australien vorbereitet. Als sie auf ihren britischen Kollegen Andrew Bankson treffen, bewegt dieser sie zum bleiben mit dem Vorschlag, einen interessanten Stamm unweit seines eigenen zu studieren. Ich fand es spannend, in dieses exotische Setting einzutauchen und die drei bei ihrer Forschung zu begleiten. Während Nell und Fen sich immer wieder bezüglich ihrer Forschungsmethoden uneins sind, fühlt sich Bankson zu Nell hingezogen und will enger mit den beiden zusammenarbeiten. Ein Roman rund um Neugier und Entdeckerfreude, disziplinierter Forschung und wilden Ritualen sowie Eifersucht und Leidenschaft, der mich faszinieren konnte. Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle literarischen Abenteurer!

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Euphoria
Autorin: Lily King
Übersetzerin: Sabine Roth
Taschenbuch: 272 Seiten
Erschienen am 7. Juli 2017
Verlag: dtv