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Sonntag, 12. August 2018

[Rezension Ingrid] Ein unvergänglicher Sommer von Isabel Allende


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Titel: Ein unvergänglicher Sommer
Autorin: Isabel Allende
Übersetzerin: Svenja Becker
Erscheinungsdatum: 13.08.2018
Verlag: Suhrkamp (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag (Leseexemplar)
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Im Roman „Ein unvergänglicher Sommer“ erzählt Isabel Allende die Geschichte von drei sehr unterschiedlichen Charakteren, die durch Zufall gemeinsam an einem verstörenden Ereignis beteiligt sind. Auf dem Cover ist eine junge Frau zu sehen die über die Silhouette der Gebäude von Brooklyn/New York blickt. Die gebürtig aus Guatemala stammende Evelyn, eine der drei Hauptfiguren, könnte diese Frau sein.

Der Titel ist einem Satz nach Albert Camus entnommen und bezieht sich auf ein Gefühl des Protagonisten Richard Bowmaster, denn mitten im tiefsten Winter spürt dieser Kraft und vor allem Liebe, die er in sich trägt und die ihm immerwährend erscheinen. Lucia Maraz, die dritte Hauptperson, ist geschieden und 62 Jahre alt. Sie hat eine sechsmonatige Gastprofessur an der New York University angenommen, um ihrem Alltag in Chile zu entkommen und wohnt im Souterrain eines Wohnhauses in Brooklyn, das ihrem Chef Richard gehört, der verwitwet und nur wenige Monate jünger ist als sie selbst.

Anfang Januar 2016 versinkt der Nordosten der USA in Schnee und Kälte. Nachdem Richard eine seiner Katzen zur Notfallambulanz gebracht hat, fährt er auf dem Rückweg dem vor ihm abbremsenden PKW an einer Kreuzung auf. Evelyn, die Fahrerin des beschädigten Wagens, hat das Auto von ihrem Arbeitgeber unerlaubt geliehen. Richard übergibt ihr seine Visitenkarte. Unerwartet besucht sie ihn wenig später in aufgelöstem Zustand, denn nicht nur der Unfallwagen ist ihr Problem, sondern auch der suspekte Inhalt des Kofferraums. Richard ist ratlos und bittet seine Mieterin Lucia zu sich. Gemeinsam beruhigen sie Evelyn und schmieden einen aberwitzigen Plan. Es beginnt eine abenteuerliche Fahrt.

Isabel Allende hat mit Lucia, Richard und Evelyn drei sehr unterschiedliche Charaktere geschaffen. Der Unfall und seine weitreichenden Folgen, der die Figuren zusammenführt, dient nur als Klammer, die ausführlich erzählten Hintergründe der Protagonisten zu umschließen. Jede Figur trägt einen reichen Satz von Erfahrungen mit sich, die leider nicht nur erfreulich sind, sondern oft im Gegenteil bitter und tragisch. Die Autorin schöpft bei ihren Schilderungen teilweise aus den Erfahrungen ihrer eigenen Vergangenheit, aber auch aus den Geschichten die sie von den Menschen erfährt, die von ihrer ins Leben gerufenen Stiftung unterstützt werden. Daher entspringt ihre Erzählung nicht nur ihrer überbordenden Fantasie, sondern wird eingeholt von der Realität. Evelyn, Anfang 20 und von ihrer Großmutter in Guatemala aufgezogen, ist vor wenigen Jahren die Flucht in die USA geglückt. Beispielhaft steht ihr Schicksal für viele Flüchtlinge, die sich überall auf der Welt derzeit auf dem Weg befinden.

Lucias Wurzeln führten mich als Leser nach Chile. Ihr Lebensweg ist verbunden mit der wechselhaften politischen Geschichte des Landes. Trotz der erlittenen Repressionen hat sie ihren Mut erhalten und beherrscht beherzt die ungewöhnliche Lage in der die drei Protagonisten sich befinden. Obwohl sie aufgrund ihres Alters neuerdings häufiger schwermütig wird, hat sie die Freude am Leben nicht verloren. Richard hat sich dagegen aus dem gesellschaftlichen Leben soweit zurückgezogen wie möglich. Von Beginn an streut Isabel Allende Hinweise die mich vermuten ließen, dass seine Ehe Auslöser dafür war. Er zeigt sich leicht exzentrisch, verunsichert und lässt sich nur ungern auf Risiken ein.

Die einzelnen Geschichten des Romans ergeben ein rundes Ganzes, mit ganz viel Fabulierkunst erfasst. Trotz der tragischen Vergangenheiten überzieht Isabel Allende die Gegenwart mit einer feinen Spur von Humor und lässt einen Hauch Mystik durchblitzen. Scheinbar nebenher entwickelt sie außerdem eine zarte Liebesgeschichte. „Ein unvergänglicher Sommer“ ist ein lesenswertes Buch, das mich als Leser zum Ende mit der Hoffnung zurücklässt, dass es immer Menschen geben wird, die uneigennützig hilfreich tätig werden.