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Donnerstag, 7. Februar 2019

[Rezension] Agathe - Anne Cathrine Bomann




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Agathe
Autorin: Anne Cathrine Bomann
Übersetzerin: Franziska Hüther
Hardcover: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. Januar 2019
Verlag: hanser blau

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Ein zweiundsiebzigjähriger Psychiater zählt die wenigen Tage bis zu seinem Ruhestand. Für seine Arbeit kann er sich schon lange nicht mehr begeistern, die Gespräche rauschen geradezu an ihm vorbei. Doch dann betritt mit Agathe eine neue Patientin seine Praxis, die unbedingt bei ihm in Behandlung gehen will und sich auch mit Hinweis auf die baldige Schließung nicht abweisen lässt. Ihre Sichtweisen bringen ihn ins Grübeln. Als sich dann auch noch seine Sekretärin nach dreißig Jahren auf unbestimmte Zeit entschuldigen lässt muss er endgültig seine strenge Routine unterbrechen.

Der Leser lernt den Psychiater in seinem Haus kennen, wo er wie jeden Tag im Wohnzimmer am Fenster sitzt und beobachtet. Als er sieht, dass sich ein kleines Mädchen am Knöchel verletzt, zieht er sich lieber zurück, als herauszufinden, wie sie auf seine Hilfe reagiert. Auch mit seinem Nachbarn, den er regelmäßig Klavier spielen hört, hat er noch nie geredet. Sein Tagesablauf ist routiniert, das Interagieren mit seiner Sekretärin eingeschliffen, das Mittagessen gibt es immer zur gleichen Zeit am selben Ort.

Als Agathe ins Leben des Protagonisten tritt, war ich neugierig, wie er reagieren wird. Mit ihrer beharrlichen Art erhält sie einen Termin und offenbart einen manisch-depressiven Charakter, der gleichzeitig höchst verunsichert ist und sich als über den Dingen stehend wahrnimmt. Ihre Aussagen darüber, wer man sein und was man schaffen könnte, bringen ihn ins Nachdenken. Er ist fasziniert von ihrer Persönlichkeit und will mehr über sie herausfinden.

Ich fand es schön, zu beobachten, wie der Protagonist in der Interaktion mit Agathe nicht nur neue Wege sucht, um ihr zu helfen, sondern auch seinen eigenen Lebenswandel hinterfragt. Etwas gerät in Bewegung. Das ist eigentlich genau das, was er zu vermeiden suchte, doch plötzlich steckt er mittendrin.

Themen wie verborgene Ängste, Glück und Mitgefühl werden behutsam thematisiert. Der Psychiater und sein Innenleben wurden mir immer vertrauter, während es mir auch nach entscheidenden Enthüllungen schwer fiel, den Charakter der Agathe zu greifen und zu verstehen. Den Abschluss fand ich schließlich absolut gelungen. Gerne empfehle ich diesen Roman weiter!