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Sonntag, 17. März 2019

Rezension: Goldschatz von Ingrid Noll



Rezension von Ingrid Eßer

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Titel: Goldschatz
Autorin: Ingrid Noll
Erscheinungsdatum: 27.02.2019
Verlag: Diogenes (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Leineneinband mit Schutzumschlag
ISBN: 9783257070545
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Einen „Goldschatz“ findet die Ich-Erzählerin und Protagonistin Trixie im gleichnamigen Roman von Ingrid Noll. Sie schildert in ihrer Geschichte, wie es dazu kam und zu welchen Verwicklungen der Fund führt. Verliebt und ein wenig verlegen wirkt die junge Frau auf dem Ausschnitt eines Gemäldes des französischen Malers Boulet, das auf dem Cover zu sehen ist. Auch die Hauptfigur des Romans ist verliebt und lässt sich auf ein alternatives Wohnprojekt ihres Freunds ein, ohne über weitere Konsequenzen länger nachzudenken.

Trixie studiert Heidelberg mit dem Ziel, Sonderschullehrerin zu werden. Sie gehört zum Klub „Gegenstrom“, den ihr Freund Henry mit einigen Freunden gegründet hat. Die Mitglieder stellen sich bewusst gegen übertriebenen Konsum und wenden sich hin zur Wiederverwertung von Sachen. Die Eltern von Trixie haben gerade ein marodes Bauernhaus in Mannheim von einer Tante geerbt. Trixie kommt die Idee hier eine Wohngemeinschaft mit Henry und weiteren Freunden und Bekannten zu gründen. Geld zum Renovieren ist keines vorhanden. Doch beim Aufräumen der Hinterlassenschaft finden die Trixie und ihre Freundin Saskia einen Sack mit Münzen. Der Schatz weckt Begehrlichkeiten,  die über die notwendigen Anschaffungen für Reparaturen hinausgehen. Doch dann ist der Schatz genauso schnell wieder verschwunden, wie er gefunden wurde. Ein alter Nachbar, der den Hausgenossen mit Misstrauen begegnet, scheint in das Verschwinden involviert zu sein. Der Beginn einer Jagd nach dem Schatz ist damit gelegt.

Ingrid Noll widmet sich in ihrem neuen Roman dem Trend der Nachhaltigkeit. Auf den ersten Seiten des Buchs weist sie auf den Umstand hin, dass es heute ein dringendes Bedürfnis der Generation Z nach Sicherheit zu geben scheint. Ebenso mangelt es den jungen Leuten aber an der Aufmüpfigkeit der vorigen Altersgruppen, die konsequent bestimmte Ziele verfolgten. Kritisch schaut sie auf die Möglichkeit durch Konsumverzicht ein neues gemeinsames Interesse zu schaffen. Geschickt spielt die Autorin  mit materiellen Anreizen, die bei mir schnell die Frage aufwarfen, wie lange ihre Figuren dem schnöden Mammon widerstehen können. Natürlich wollte ich wissen, zu welchen Maßnahmen sie greifen werden, um in seinen Besitz zu kommen und ob sie dabei ihre Vorsätze gelinde vergessen oder sich diese in ihrem Sinne zurechtbiegen werden. Nach einem gelungenen Start der Hausgemeinschaft kommt es recht bald zu der Andeutung auf mögliche Funde im alten Gerümpel, jedoch noch ohne spezifische Benennung. Dadurch wird die Spannung sachte aufgebaut und hält bis zum Ende an. Wie sich erst spät und nach vielen Wendungen herausstellt, verbirgt sich hinter dem Fund des Münzbeutels ein mörderisches Geheimnis.

Auch diesmal erzählt die Autorin mit ihrem typischen sarkastisch lakonischen Stil und spielt mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie schildert Situationen, in die die Handelnden scheinbar zufällig geraten und von ihren Gefühlen getrieben werden, wodurch es manchmal zu spontanen, nicht beabsichtigen Reaktionen kommt, die bitterböse sein können. Ingrid Noll vermittelt gerne den Eindruck der Schuldlosigkeit ihrer Figuren, die trotz ihrer verschlagenen Art sympathisch bleiben.

Mit „Goldschatz“ hat Ingrid Noll wieder einen kurzweiligen Roman geschrieben. Meisterhaft führt sie dem Leser vor Augen, welche Reize ein greifbares Vermögen bietet und wie rasch alle Vorsätze abgelegt werden, es zu verwenden. Das Buch ist für jeden Fan der Autorin ein „Muss“ und gerne gebe ich auch an alle anderen eine uneingeschränkte Leseempfehlung.